Stellungnahme zum Referentenentwurf für die Novellierung des WissZeitVG (Wissenschaftszeitertragsgesetz) und des Gesetzes über befristete Arbeitsverträge mit Ärzten in der Weiterbildung (ÄArbVtrG)
Psychologische Perspektiven auf Planbarkeit, Qualifizierung und die Zukunft wissenschaftlicher Karrieren
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) begrüßt den am 26.05.2026 vorgelegten Referentenentwurf zur Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) und des Gesetzes über befristete Arbeitsverträge mit Ärztinnen und Ärzten in der Weiterbildung (ÄArbVtrG). Der Entwurf verfolgt das wichtige Ziel, wissenschaftliche Karrierewege verlässlicher, planbarer und familienfreundlicher zu gestalten und damit die Attraktivität wissenschaftlicher Laufbahnen nachhaltig zu stärken.
Aus psychologischer Perspektive ist dies von großer Bedeutung. Wissenschaftliche
Qualifizierungsphasen fallen häufig in Lebensabschnitte, in denen junge Menschen gleichzeitig zentrale berufliche, familiäre und persönliche Entscheidungen treffen. Dauerhafte Unsicherheit über Beschäftigungsperspektiven, kurze Vertragslaufzeiten und fehlende Planbarkeit können nicht nur individuelle Belastungen erhöhen, sondern auch dazu beitragen, dass qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler das Wissenschaftssystem frühzeitig verlassen. Die DGPs unterstützt daher ausdrücklich die Bestrebungen, prekäre Beschäftigungsbedingungen zu reduzieren und verlässlichere Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Qualifizierung zu schaffen. Zugleich sehen wir einzelne Regelungen kritisch, da sie aus unserer Sicht unbeabsichtigte Fehlanreize erzeugen und die Ziele des Gesetzes teilweise konterkarieren könnten. Dies betrifft insbesondere den geplanten Wegfall der Übertragbarkeit nicht ausgeschöpfter Befristungszeiten von der Promotions- in die Postdoc-Phase.
Besonders positiv bewertet die DGPs die vorgesehenen Änderungen des ÄArbVtrG. Diese stellen einen bedeutenden Schritt dar, um wissenschaftliche Qualifizierung und psychotherapeutische Weiterbildung besser miteinander vereinbaren zu können und damit die Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Psychologie und Psychotherapie nachhaltig zu fördern.
Die DGPs sieht in der Novellierung insgesamt einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems. Um die angestrebten Ziele bestmöglich zu erreichen, sollten einzelne Regelungen jedoch nachgeschärft und angepasst werden.
Die vollständige Stellungnahme kann hier abgerufen werden.
