Neue Forschungsgruppen in der Entwicklungspsychologie

Nicola Ferdinand hat im November 2019 die Leitung des Lehrstuhls für Psychologie mit Schwerpunkt Neurokognitive Entwicklung und Verhaltensregulation an der Bergischen Universität Wuppertal übernommen.

In unserer Forschung beschäftigen wir uns damit, wie sich die menschliche Fähigkeit zum adaptiven Verhalten über die Lebensspanne entwickelt. Dazu untersuchen wir, wie sich kognitive Prozesse, wie beispielsweise (implizites und explizites) Lernen und Gedächtnis, die Verarbeitung von Fehlern und Feedback, die Handlungsüberwachung und die kognitive Kontrolle von der Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter verändern. Zur Untersuchung dieser Entwicklungsprozesse setzen wir sowohl behaviorale als auch neurowissenschaftliche Methoden, wie das Elektroenzephalogramm (EEG), ein.

Neben diesen grundlegenden Mechanismen des Lernens und der Verhaltenskontrolle beschäftigen wir uns mit emotionalen und sozialen Einflüssen auf die kognitive Entwicklung. Speziell interessiert uns, wie emotionales Material oder soziale Kontexte das Lernen und unsere Fähigkeit zur kognitiven Kontrolle beeinflussen und ob man mit Hilfe von emotionalen Materialien die kognitive Leistungsfähigkeit, besonders in der Kindheit oder dem älteren Erwachsenenalter, stärken kann.

Außerdem interessiert uns die Interaktion von Motivation und Kognition. Obwohl man weiß, dass motivationale Anreize eine Wirkung auf die Bearbeitung vieler Aufgaben haben, ist der Anreiz selbst in den seltensten Fällen Gegenstand der Untersuchung, da man annimmt, dass er die zugrundeliegenden Prozesse nicht verändert. Diese Annahme muss aber besonders bei der Untersuchung der Fehler- und Feedbackverarbeitung hinterfragt werden, denn es besteht eine große Überlappung zwischen den Hirnarealen, die für die Verarbeitung von Anreizen und Belohnungen und denen, die für Lernen aus Fehlern und Feedback zuständig sind. Außerdem verändert sich der subjektive Wert verschiedener Anreize über die Lebensspanne. Aus diesem Grund untersuchen wir in einem aktuellen DFG-Projekt die Wirkung verschiedener Anreiztypen (z.B. monetäre Anreize, Leistungsfeedback, primäre Verstärker) auf die kognitiven Fähigkeiten über die Lebensspanne.

  

Auswahl aktueller Publikationen:

  • Ferdinand, N.K., & Hilz, M. (2020). Emotional feedback ameliorates older adults’ feedback-induced learning. PLOSOne, 15(4): e0231964.
  • Gajewski, P. D., Ferdinand, N. K., Kray, J., & Falkenstein, M. (2018). Understanding sources of adult age differences in task switching: Evidence from behavioral and ERP studies. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 92, 255–275.
  • Ferdinand, N. K., & Czernochowski, D. (2018). Motivational Influences on Performance Monitoring and Cognitive Control Across the Adult Lifespan. Frontiers in Psychology, 9, 1018.
  • Ferdinand, N. K., & Kray, J. (2017). Does language help regularity learning? The influence of verbalizations on implicit sequential regularity learning and the emergence of explicit knowledge in children, younger and older adults. Developmental Psychology, 53(3), 597–610.
  • Ferdinand, N. K., Becker, A. M. W., Kray, J., & Gehring, W. J. (2016). Feedback processing in children and adolescents: Is there a sensitivity for processing rewarding feedback? Neuropsychologia, 82, 31–38.
  • Ferdinand, N. K., & Kray, J. (2014). Developmental changes in performance monitoring: How electrophysiological data can enhance our understanding of error and feedback processing in childhood and adolescence. Behavioural Brain Research, 263, 122–132.
  • Ferdinand, N. K., & Opitz, B. (2015). Different aspects of performance feedback engage different brain areas: Disentangling valence and expectancy in feedback processing. Scientific Reports, 4(1), 5986.
  • Ferdinand, N. K., Mecklinger, A., Kray, J., & Gehring, W. J. (2012). The processing of unexpected positive response outcomes in the mediofrontal cortex. The Journal of Neuroscience, 32(35), 12087–12092.

Im August 2020 hat Louisa Kulke die Leitung der Neurokognitiven Entwicklungspsychologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg übernommen.

Die Juniorprofessur für Neurokognitive Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit den neurowissenschaftlichen und kognitiven Grundlagen der menschlichen Entwicklung, mit einem besonderen Fokus auf Aufmerksamkeit, Emotionen und sozialen Interaktionen. Mittels Elektroenzephalographie (EEG) und (mobilem) Eye-tracking können wir im Labor und in realistischen Interaktionen den Fokus der Aufmerksamkeit von Säuglingen, Kindern und Erwachsenen und die zugrundeliegenden Gehirnmechanismen messen.

Im Säuglingsalter und in der Kindheit finden einschneidende Entwicklungen der Aufmerksamkeit statt. So fällt es Neugeborenen sehr schwer, ihre Aufmerksamkeit kontrolliert zwischen zwei Objekten zu verschieben, während Erwachsene blitzschnell zwischen vielen verschiedenen Objekten hin und her blicken können. Die Entwicklung der gezielten Steuerung von Aufmerksamkeit messen wir unter anderem mit dem Fixation Shift Paradigma. Selbst wenn Menschen etwas gerade nicht ansehen, können sie ihre Aufmerksamkeit darauf richten, sogenannte „koverte“ Aufmerksamkeit. In unserem Labor erforschen wir die Entwicklung von koverter und overter Aufmerksamkeit mittels koregistriertem EEG und Eye-tracking. Hierdurch können wir identifizieren, ob das Gehirn verstärkt auf einen Reiz reagiert, auch wenn man ihn gerade nicht ansieht.

Dies ist in sozialen Situationen von besonderer Bedeutung. Während Menschen auf Bildschirmen (beispielweise beim Fernsehen) bevorzugt andere Menschen ansehen, ist es in sozialen Situationen (beispielsweise im vollen Aufzug) verpönt, fremden Menschen ins Gesicht zu starren. In einem laufenden DFG Projekt zum Thema „Overt and covert attention to emotional faces in realistic social situations“ untersuchen wir Aufmerksamkeit in sozialen Situationen. Mittels mobilem Eye-tracking können wir Augenbewegungen während natürlicher Interaktionen messen. Die Inhibition des direkten Blicks in sozialen Situationen kann davon abhängen, ob Menschen wissen, wie ihr direkter Blick auf Andere wirkt. Dazu benötigen Sie eine „Theory of Mind“, die es ihnen erlaubt, anderen Menschen Überzeugungen zuzuschreiben. Mit impliziter Theory of Mind beschäftigen wir uns durch die Messung antizipatorischen Blickverhaltens, unter anderem mittels mobilem Eye-tracking. Außerdem beteiligen wir uns am Many Babies 2 Projekt, einer internationalen Kooperationsstudie zu impliziter Theory of Mind.

Augenbewegungen und Aufmerksamkeit können durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, beispielsweise durch physikalische und emotionale Salienz. In diversen Projekten untersuchen wir den Einfluss emotionaler Gesichtsausdrücke auf overte und koverte Aufmerksamkeit. Insbesondere interessiert uns, ob emotionale Inhalte bereits frühe ereigniskorrelierte Potentiale wie die P1 beeinflussen oder erst spätere wie EPN oder LPC.

Zusammengefasst beschäftigen wir uns damit, wie sich Aufmerksamkeit in sozialen Interaktionen entwickelt und welche Faktoren darauf Einfluss nehmen.

Weitere Information erhalten Sie gerne von den Mitarbeiter*innen bzw. entnehmen Sie unserer Webseite:

https://neurodevpsychology.phil.fau.de/

 

Ausgewählte Publikationen

(zur vollständigen Publikationsliste: https://neurodevpsychology.phil.fau.de/publications/)

  • Kulke, L., Atkinson, J., & Braddick, O. (2020). Relation Between Event-Related Potential Latency and Saccade Latency in Overt Shifts of Attention. Perception, 49(4), 468-483.
  • Kulke, L., & Valuch, C. (2020). Predictive context biases binocular rivalry in children and adults with no positive relation to two measures of social cognition. Nature: Scientific Reports, 10, 2059.
  • Kulke L. (2019). Neural mechanisms of overt attention shifts to emotional faces. Neuroscience. 418, 59-68. doi.org/10.1016/j.neuroscience.2019.08.023.
  • Kulke, L., Von Duhn, B., Schneider, D., Rakoczy, H. (2018). Is implicit theory of mind a real and robust phenomenon? Results from a systematic replication study. Psychological Science, 10.1177/0956797617747090.
  • Kulke, L., Reiß, M., Krist, H., Rakoczy, H. (2018). How robust are anticipatory looking measures of Theory of Mind? Replication attempts across the life span. Cognitive Development, https://doi.org/10.1016/j.cogdev.2017.09.001.
  • Kulke, L., & Rakoczy, H. (2018). Implicit Theory of Mind–An overview of current replications and non-replications. Data in brief, 16, 101-104, doi: 10.1016/j.dib.2017.11.016. (JIF: 0.93)
  • Kulke L., Atkinson J., Braddick O. (2016). Neural mechanisms of attention become more specialised during infancy: Insights from combined eye tracking and EEG. Developmental Psychobiology. doi: 10.1002/dev.21494.
  • Kulke, L., Atkinson, J., Braddick, O. (2016). Neural differences between covert and overt attention studied using EEG with simultaneous remote eye tracking. Frontiers in Human Neuroscience 10(592). doi: 10.3389/fnhum.2016.00592.

Weitere bisher vorgestellte Forschungsgruppen:

Since January 2018, Yee Lee Shing has been the new professor for Developmental Psychology at Goethe University Frankfurt, where she is directing the Lifespan Cognitive and Brain Development (LISCO) lab. She is also a Jacobs Foundation Research Fellow and a member of the IDeA research center of the DIPF | Leibniz Institute for Research and Information in Education.

Research in the LISCO lab focuses on the development of cognitive and neural functioning across the human lifespan, with an emphasis on episodic memory. We aim to shed light on the mechanisms underlying age-related differences as well as within-person changes in the functioning of episodic memory, and cognitive abilities in general. Therefore, our methodological approach is characterized by an emphasis on experimental (comparing cross-sectional group differences) as well as longitudinal (following individuals across time) studies. We utilize neuroimaging (e.g., structural and functional magnetic resonance imaging [MRI]) and multivariate developmental methodology (e.g., structural equation and latent growth curve modelling) to investigate the dyamics of brain–behaviour relationships across age groups and/or across time.

One of our current projects is the PIVOTAL (Predictive Memory Systems Across the Human Lifespan) project, funded by an ERC Starting Grant to Yee Lee Shing. This projects aims to bring together three separate strands of cognitive neuroscience research on predictive processing, memory systems, and lifespan development. The key questions we tackle are: (1) What is the nature of the internal models on which predictions are generated and how do our actual experiences shape them? (2) How do prediction processes play out in human brains that are inherently diverse due to changes such as those caused by maturation and senescence. By using functional MRI with experimental research designs, we aim to unravel the cognitive and neural mechanisms that underlie predictive processing based on individuals’ memory of prior experience (episodic memory) and well-learned knowledge about the world (semantic memory). These mechanisms are systematically examined in samples of children, younger adults, and older adults, who differ from each other in important ways due to divergence in developmental orientation (progression vs. conservation) and neurocognitive landscape (structural/functional integrity of neural networks underlying memory processes).
Endorsing the notion that human development is embedded within environments and shaped by individuals’ experiences, one of our research foci is to unravel the mechanisms through which environmental factors impact children’s cognitive and brain development (and vice versa). For example, entering formal schooling is a major transition in almost every child’s life. In collaboration with colleagues from Scotland, we initiated a longitudinal study (funded by the Jacobs Foundation) that assesses brain functions, cognitive abilities, and academic performance in a sample of children similar in age but different in year of school entrance. In Scotland, parents of children born in January and February can choose to defer their child’s entry and these requests are automatically approved. The unique setting of comparing children who enter school to those who stay in kindergarten, but enter school one year later, allows us to assess their schooling-specific brain and cognitive changes across time, as well as their relations to future academic performance.
Other ongoing projects in the lab include a subproject within SFB 1315 that focuses on memory consolidation in pre- and full-term born children, as well as a longitudinal study on stress-related social disparities in cognitive and brain development (both projects in collaboration with colleagues from Charité – Universitätsmedizin Berlin).
To find out more about our projects and team members, please kindly visit our website and don’t hesitate to get in touch with us directly!

Lab Website: http://www.psychologie.uni-frankfurt.de/55770598/Research

Selected Publications:
(full list see www.psychologie.uni-frankfurt.de/55770745/Publications)

  • Raffington, L., Prindle, J., & Shing, Y. L. (2018). Income gains predict cognitive functioning longitudinally throughout later childhood in poor children. Developmental Psychology, 54, 1232-1243, doi:10.1037/dev0000529.
  • Raffington, L., Prindle, J., Keresztes, A., Binder, J., Heim, C., & Shing, Y. L. (2018). Blunted cortisol stress reactivity in low–income children relates to lower memory function. Psychoneuroendocrinology, 90, 110-121, doi:10.1016/j.psyneuen.2018.02.002.
  • Fandakova, Y., Sander, M. C., Grandy, T. H., Cabeza, R., Werkle-Bergner, M., & Shing, Y. L. (2018). Age differences in false memory: The importance of retrieval monitoring processes and their modulation by memory quality. Psychology and Aging, 33, 119-133, doi:10.1037/pag0000212.
  • Brod, G., Bunge, S. A., & Shing, Y. L. (2017). Does one year of schooling improve children's cognitive control and alter associated brain activation? Psychological Science, 28, 967-978, doi:10.1177/0956797617699838.
  • Shing, Y. L., Brehmer, Y., Heekeren, H., Bäckman, L., & Lindenberger, U. (2016). Neural activation patterns of successful episodic encoding: Reorganization during childhood, maintenance in old age. Developmental Cognitive Neuroscience, 20, 59-69, doi:10.1016/j.dcn.2016.06.003.
  • Shing, Y. L., Werkle-Bergner, M., Brehmer, Y., Mueller, V., Li, S.-C., & Lindenberger, U. (2010). Episodic memory across the lifespan: The contributions of associative and strategic components. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 34, 1080-1091, doi: 10.1016/j.neubiorev.2009.11.002.

Im April 2018 hat Marco F. H. Schmidt die Leitung der Arbeitsgruppe Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie an der Universität Bremen übernommen. Seit 2015 ist er Leiter einer Nachwuchsforschungsgruppe an der LMU München.

In unserer Forschung beschäftigen wir uns mit der Ontogenese der menschlichen „Norm-Psychologie“ mit Fokus auf den entwicklungspsychologischen Grundlagen und Entstehungsbedingungen von Normativität und Kooperation. Insbesondere gehen wir der Frage nach, wie Kinder ein Verständnis von Normen entwickeln und von welchen sozial-kognitiven und motivationalen Fähigkeiten dies abhängt. Wir verwenden eine Reihe unterschiedlicher empirischer Methoden, etwa Verhaltensstudien mit interaktiven Aufgaben (in denen wir spontane verbale und nonverbale Handlungen von Kindern messen), Interviews und implizite Maße wie Blickbewegungserfassung.

Die Frage, wie menschliche Normativität und Moral verstanden und erklärt werden können ist von grundlegendem Interesse für die Sozialwissenschaften, die Philosophie, und zunehmend auch die Naturwissenschaften. Es steht außer Frage, dass wir in allen menschlichen Gesellschaften soziale Normen und Regeln, die bestimmte Verhaltensweisen vorschreiben oder verbieten, vorfinden. Normen sind wie „sozialer Kitt“, der Mitglieder einer Gruppe zusammenbringt und damit Gruppenkohäsion und Kooperation fördert. Jedoch sind Normen nicht in unserem genetischen Code enthalten – vielmehr etablieren Menschen Normen, geben sie weiter und ändern sie. Wie entwickeln Kinder ein Verständnis von Normen? Was sind die psychologischen Grundlagen, die es uns erlauben, zwischen „Richtig“ und „Falsch“ zu unterscheiden? Dies sind die Leitfragen unserer Forschung.

Wir verstehen Normativität nicht als isoliertes Phänomen, sondern als grundlegend verwoben mit Theory of Mind und, im weiteren Sinne, mit Erkenntnistheorie. Ein Grund hierfür ist, dass wir im Alltag keine „Normen“ (ein abstrakter Begriff), sondern einzelne Handlungen im Hier und Jetzt von einzelnen Menschen mit bestimmten Überzeugungen, Wünschen und Absichten sehen. Daher müssen Kinder bisweilen ein Wissensproblem lösen, nämlich erschließen, ob eine bestimmte Handlung einer allgemeinen Norm unterliegt oder nicht. Über das Erschließen von Normen hinaus ist ein Verständnis von Normativität auch dadurch gekennzeichnet, dass man normative Phänomene als menschengemachte soziale Fakten ansieht, die geändert oder unter bestimmten Bedingungen ins Leben gerufen werden können (z.B. indem wir unsere Überzeugungen, Wünschen und Absichten gemeinsam ausrichten). Menschen verstehen Normativität jedoch nicht nur theoretisch, sondern interessieren sich auch praktisch dafür. Insbesondere sind wir motiviert, Normen zu befolgen und andere, die Normen brechen, zu korrigieren oder gar zu bestrafen und somit gemeinsame Praktiken und Werte selbst unter persönlichen Kosten hochzuhalten. Das heißt, Normativität – ganz augenscheinlich Moral – hängt auch mit Prosozialität zusammen.

Unsere Forschung soll es zum einen ermöglichen, ein transdisziplinär orientiertes theoretisches Rahmenwerk über menschliche Normativität und Kooperation zu entwickeln und zu informieren. Zum anderen erhoffen wir uns langfristig einen Einblick in die entwicklungspsychologischen Prozesse der Konstitution, Genese und Veränderung von normativen Phänomenen und Strukturen wie soziale Institutionen, kulturelles Wissen und Moralsysteme.

Weitere Information erhalten Sie gerne von den Mitarbeiter/innen bzw. entnehmen sie unserer Webseite: https://www.uni-bremen.de/entwicklungspsychologie/

Ausgewählte Publikationen:

(zur vollständigen Publikationsliste https://www.uni-bremen.de/entwicklungspsychologie/publikationen/.)

  • Fedra, E., & Schmidt, M. F. H. (in press). Older (but not younger) preschoolers reject incorrect knowledge claims. British Journal of Developmental Psychology.
  • Schmidt, M. F. H., & Rakoczy, H. (2019). On the uniqueness of human normative attitudes. In K. Bayertz & N. Roughley (Eds.), The normative animal? On the anthropological significance of social, moral and linguistic norms (pp. 121–135). Oxford, NY: Oxford University Press.
  • Butler, L. P., Schmidt, M. F. H., Tavassolie, N. S., & Gibbs, H. M. (2018). Children’s evaluation of verified and unverified claims. Journal of Experimental Child Psychology, 176, 73-83.
  • Dahl, A., & Schmidt, M. F. H. (2018). Preschoolers, but not adults, treat instrumental norms as categorical imperatives. Journal of Experimental Child Psychology, 165, 85-100.
  • Schmidt, M. F. H., González-Cabrera, I., & Tomasello, M. (2017). Children’s developing metaethical judgments. Journal of Experimental Child Psychology, 164, 163-177.
  • Schmidt, M. F. H., Butler, L. P., Heinz, J., & Tomasello, M. (2016). Young children see a single action and infer a social norm: Promiscuous normativity in 3-year-olds. Psychological Science, 27(10), 1360–1370.
  • Schmidt, M. F. H., Rakoczy, H., Mietzsch, T., & Tomasello, M. (2016). Young children understand the role of agreement in establishing arbitrary norms—but unanimity is key. Child Development, 87(2), 612–626.
  • Schmidt, M. F. H., Svetlova, M., Johe, J., & Tomasello, M. (2016). Children’s developing understanding of legitimate reasons for allocating resources unequally. Cognitive Development, 37, 42–52.

Stefanie Höhl hat im September 2017 die Leitung des Arbeitsbereichs für Entwicklungspsychologie an der Universität Wien übernommen.

Die sozial-kognitive Entwicklung in der frühen Kindheit verläuft rasant und stellt die Weichen für spätere Kompetenzen. Gerade die Entwicklung im Säuglingsalter stellt uns jedoch noch vor zahlreiche Rätsel. Unser Forschungsfokus liegt auf der sozialen und kognitiven Entwicklung im Altersbereich zwischen der Geburt und der Einschulung. Um kognitiven Mechanismen sowie deren neuronalen Grundlagen in der frühen Kindheit auf die Spur zu kommen, setzen wir vielfältige Methoden ein. So nutzen wir sowohl Verhaltensexperimente und Eye-Tracking als auch neurophysiologische Verfahren wie EEG und funktionelle NIRS. Neben experimentellen Studien zur sozial-kognitiven Entwicklung befassen sich laufende Projekte des Arbeitsbereichs mit Familienentwicklung im Lebenslauf und dem Übergang ins Erwachsenenalter.

In unserer experimentellen Forschung beschäftigt uns insbesondere die Frage, wie Babys und Kinder andere Menschen wahrnehmen und von ihnen lernen. Wir untersuchen daher die neuronalen und kognitiven Mechanismen von geteilter Aufmerksamkeit, Imitation sowie von kooperativem Problemlösen. Wann immer möglich, erforschen wir soziales Lernen und Kooperation in dynamischen Live-Interaktionen. Dabei messen wir Verhalten und Gehirnaktivität beider Interaktionspartner simultan. Somit können wir gegenseitige Abstimmung und Synchronität untersuchen, die sozialen Austausch und erfolgreiche Kommunikation kennzeichnen. Wenn wir uns „auf einer Wellenlänge“ mit anderen befinden, sind unsere rhythmischen Gehirnaktivitäten nämlich bestens auf die kommunikativen Signale unseres Gegenübers eingestellt. Wir wissen bisher jedoch fast nichts darüber, welche Rolle neuronale Synchronität für das soziale Lernen und den Spracherwerb spielen. Auch physiologische Rhythmen wie Herzfrequenz und Respiration sind in diesem Kontext von großem Interesse, da Babys auf die Ko-Regulation physiologischer Stressreaktionen durch ihre Bezugspersonen angewiesen sind. Neben Kindern und ihren Bezugspersonen interessieren uns auch Interaktionen zwischen gleichaltrigen Peers, beispielsweise im Kontext von Kindergartengruppen.

Rhythmen spielen eine große Rolle in sozialen Interaktionen, aber auch für grundlegende Prozesse von Aufmerksamkeit und Lernen. In elektrophysiologischen Studien nutzen wir daher rhythmische Stimulation, um neuronale Oszillationen bestimmter Frequenzen stimulieren und deren Funktionen schon in der frühen Entwicklung besser verstehen zu können. Anders als bei klassischen EEG-Studien ist es hierbei möglich, kausale Schlüsse über die Funktionen verschiedener Gehirnaktivitäten zu ziehen, da die kognitiven Outcomes unterschiedlicher rhythmischer Stimulationen verglichen werden können. Das funktionale Verständnis neuronaler Oszillationen soll uns helfen, die Mechanismen interpersonaler Abstimmung im sozialen Miteinander durch Sprache, Musik und Berührung besser zu verstehen und nutzen zu können. Zusätzlich erhoffen wir uns grundlegende Einsichten in Aufmerksamkeit und Lernen in der frühen Entwicklung.

Homepage des Arbeitsbereichs: www.kinderstudien.at

Zur Homepage von Prof. Dr. Stefanie Höhl: https://entw-psy.univie.ac.at/ueber-uns/das-team/stefanie-hoehl/

Im April 2017 wurde die Professur für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie an der Universität Koblenz-Landau (Campus Landau) mit Julia Karbach neu besetzt. Seit November 2017 verstärkt Tanja Könen als Juniorprofessorin für Kognitive Entwicklung das Team. Derzeit besteht unsere Gruppe aus einer Professur, einer Juniorprofessur, einer akademischen Direktorin, drei Postdoktorandinnen, vier Doktorandinnen, dem Sekretariat, einer forschungstechnischen Assistenz und einer Vielzahl wissenschaftlicher Hilfskräfte.

In der Forschung beschäftigen wir uns mit kognitiver Entwicklung und Plastizität über die Lebensspanne sowie mit individuellen Prädiktoren erfolgreichen Lernens. Dabei nutzen und kombinieren wir unterschiedliche Methoden und Forschungsdesigns, v.a. längsschnittliche Interventionsstudien, experimentelle Laborstudien und ambulantes Assessment.

Derzeit beschäftigen wir uns z.B. im Rahmen laufender Projekte damit, ob sich exekutive Funktionen und Selbstregulation in verschiedenen Altersgruppen durch kognitives Training verbessern lassen bzw. welche Faktoren den Trainingserfolg moderieren. Aktuell beforschen wir, welche Rolle dabei metakognitive Prozesse spielen (DFG-Projekt Meta-EF Train, Dr. Simone Schäffner, Dipl.-Psych. Beate Biskup-Ackermann), welche Rolle motivationale Prozesse spielen (Projekt EDVIN, M.Sc. Verena Johann), und wie sich intraindividuelle tägliche Schwankungen von Stress, Affekt und Schlaf auf den Trainingserfolg auswirken (DFG-Projekt DELTA, M.Sc. Nesibe Elibol). Darüber hinaus untersuchen wir die Wirksamkeit von kognitivem Training bei Patienten mit kognitiven Defiziten (Projekt CogTrain, Dipl.-Psych. Sonja Wedegärtner) und dessen neuronale Korrelate bei älteren Probanden (Dr. Ebru Baykara). Außerdem interessieren wir uns dafür, wie sich Mehrsprachigkeit auf kognitive Entwicklung im Grundschulalter auswirkt (DFG-Projekt MoBiLe, M.Sc. Lenka Pokorná) und welche Rolle Merkmale des Lernkontextes für die akademische Entwicklung und Selbstregulation spielen (Dr. Barbara Otto und Dr. Stephanie Reuter).

Zentral für unsere Projekte ist, dass wir einen multimethodalen Ansatz verfolgen (z.B. mit Verhaltensdaten, Eyetracking, Bewegungsmessung, Selbstbericht) und dass wir uns für interindividuelle Unterschiede in intraindividueller Entwicklung interessieren.

Um unsere Forschungsprojekte durchzuführen, kooperieren wir eng mit Kolleginnen und Kollegen im In- und Ausland. Im Rahmen der aktuellen DFG-Projekte z.B. mit Dr. Nicolas Chevalier (Edinburgh) sowie Dr. Catherine Gunzenhauser und Prof. Dr. Henrik Saalbach (Leipzig). Darüber hinaus arbeiten wir z.B. mit Prof. Dr. Kerstin Unger (New York), Prof. Tilo Strobach (Hamburg), Prof. Dr. Pascale Engel de Abreu und Prof. Dr. Romain Martin (Luxemburg), und Prof. Dr. Paul Verhaeghen (Atlanta) zusammen. Ebenso bedeutend für unsere Forschung ist der interdisziplinäre Austausch, um Kognition und Lernen bei abweichenden Entwicklungsverläufen (z.B. bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder Hirntumoren) oder unterbesonderen Entwicklungsbedingungen (z.B. Mehrsprachigkeit) zu untersuchen. In diesem Zusammenhang kooperieren wir z. B. mit Dr. Philipp Hendrix und Dr. Ingrid Kindermann (Universitätsklinikum des Saarlandes). Zudem sind wir im interdisziplinären Forschungszentrum IDeA in Frankfurt am Main (www.idea-frankfurt.eu) vernetzt.

In der Lehre vertreten wir v.a. die Module Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie im Bachelorstudiengang und das neu eingeführte Modul Angewandte Entwicklungspsychologie im Masterstudiengang Psychologie.

Weitere Information erhalten Sie gerne von den Mitarbeiter/innen bzw. entnehmen sie unserer Webseite: www.uni-koblenz-landau.de/de/landau/fb8/entwicklungspsychologie

 

Ausgewählte Publikationen:

(zur vollständigen Publikationsliste: www.uni-koblenz-landau.de/de/landau/fb8/entwicklungspsychologie/Team)

  • Karbach J. & Kray, J. (2009). How useful is executive control training? Age differences in near and far transfer of task-switching training. Developmental Science, 12, 978-990.
  • Karbach, J., Mang, S., & Kray, J. (2010). Transfer of verbal self-instruction training in older age: Evidence from task switching. Psychology & Aging, 25, 677-683.
  • Karbach, J. & Verhaeghen, P. (2014). Making working memory work: A meta-analysis of executive control and working memory training in younger and older adults. Psychological Science, 25, 2027–2037.
  • Könen, T., & Karbach, J. (2018). Self-reported cognitive failures in everyday life: A closer look at their relation to personality and cognitive performance. Assessment. Advance online publication.
  • Könen, T., Dirk, J., & Schmiedek, F. (2015). Cognitive benefits of last night's sleep: Daily variations in children's sleep behavior are related to working memory fluctuations. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 56, 171–182.
  • Morey, C.M., Hadley, L.V., Buttelmann, F., Könen, T., Meaney, J.-A., Auyeung, B., Karbach, J., & Chevalier, N. (2018). The effects of verbal and spatial memory load on children’s processing speed. Annals of the New York Academic of Sciences. Advance online publication.

Im März 2017 hat Michaela Riediger die Leitung des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Center for Lifespan Developmental Science übernommen.

Unser Team vertritt einen lebensspannenpsychologischen Ansatz, lehrt und erforscht also Entwicklung als einen die gesamte menschliche Lebensspanne umfassenden Prozess. Eines unserer zentralen Forschungsinteressen betrifft sozio-emotionale Entwicklungsprozesse von der Kindheit bis ins hohe Alter. Wie und warum unterscheiden sich Personen unterschiedlichen Alters in ihrem emotionalen Erleben und ihren sozio-emotionalen Kompetenzen, beispielsweise der Fähigkeit, emotionale und mentale Prozesse anderer Personen zu verstehen? Welche anlagebedingten und kontextuellen Einflussfaktoren prägen die sozio-emotionale Entwicklung einer Person und tragen zu diesbezüglichen interindividuellen Unterschieden bei? Welche Rolle spielen solche sozio-emotionalen Prozesse für die lebenslange Entwicklung in anderen Lebensbereichen, etwa der Gesundheit? Eng damit verknüpft beschäftigen wir uns auch mit der Entwicklung selbstregulativer Prozesse, etwa der Emotionskontrolle. Schließlich interessieren wir uns auch dafür, wie sich subjektive Vorstellungen über menschliche Entwicklung auf die eigene Entwicklung und den Umgang mit Personen unterschiedlichen Alters auswirken.  Unser Forschungsansatz ist neben der Breite untersuchter Lebensphasen auch durch Vielfalt von Untersuchungsmethoden gekennzeichnet. Wir kombinieren ambulatorische und experimentelle Untersuchungsmethoden in quer- und längsschnittlichen Erhebungsdesigns.

Eine beispielhafte Studie ist das Multi-Method Ambulatory Assessment (MMAA) Projekt. Hierbei handelt es sich um eine längsschnittliche Erhebung einer deutschlandweiten altersheterogenen Stichprobe von fast 600 Personen im Altersbereich ab der späten Kindheit bis ins sehr hohe Erwachsenenalter. Anliegen des Projektes ist die Untersuchung des Zusammenspiels von emotionalen, motivationalen, kognitiven und physiologischen Prozessen im Alltag. Seit 2007 wurden fünf Erhebungswellen durchgeführt. Dabei wurden verschiedene ambulatorische Erhebungsverfahren (Experience Sampling, Erfassung von kognitiver Performanz im Alltag, ambulatorische Messung kardiovaskulärer, respiratorischer und körperlicher Aktivität, Messung von Hormonkonzentrationen im Alltag, Location-Tracking) mit experimentellen Paradigmen in laborähnlichen Kontexten kombiniert. Detailliertere Informationen zu diesem und unseren weiteren Forschungsprojekten sind auf unserer Homepage zu finden (http://www.devpsy.uni-jena.de).

Besonders am Herzen liegt uns auch die Förderung des nationalen und internationalen Netzwerkes von Wissenschaftlerinnen, die zu lebensspannenpsychologischen Themen forschen. Diesem Zweck dient das in Jena neu gegründete Center for Lifespan Developmental Science (CELISE, www.celise.uni-jena.de). Das CELISE ist ein institutions- und disziplinübergreifendes Forschungsnetzwerk zu grundlagen- und anwendungsbezogenen Fragen der Lebensspannenentwicklung, das vielfältige Möglichkeiten zu Kooperation, Austausch und Weiterbildung bietet.  

Wenden Sie sich gerne an uns, wenn Sie weiterführende Fragen zum Jenaer Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie oder dem CELISE haben!   

Homepage des Lehrstuhls: http://www.devpsy.uni-jena.de

Homepage des CELISE: http://www.celise.uni-jena.de

 

Eine Auswahl aktueller Publikationen:
(zur vollständigen Publikationsliste: www.devpsy.uni-jena.de/Publications.html)

  • Blanke, E. S., Rauers, A. & Riediger, M. (2016). Does being empathic pay off? Associations between performance-based measures of empathy and social adjustment in younger and older women. Emotion, 16, 671-83. doi: 10.1037/emo0000166
  • Cohrdes, C., Wrzus, C., Frisch, S., & Riediger, M. (2017, June 5). Tune yourself in: Valence and arousal preferences in music-listening choices from adolescence to old age. Developmental Psychology. Advance online publication. doi.org/10.1037/dev0000362
  • Klipker, K., Wrzus, C., Rauers, A., Boker, S. M., & Riediger, M. (2017). Within-person changes in salivary testosterone and physical characteristics of puberty predict boys' daily affect. Hormones and Behavior, 95, 22-32. doi.org/10.1016/j.yhbeh.2017.07.012
  • Riediger, M. & Luong, G. (2016). Happy to be unhappy? Pro- and contra-hedonic motivation from adolescence to old age. In A. D. Ong & C. E. Löckenhoff (Eds.) Emotion, Aging, and Health (pp. 97-118). Washington, D.C.: APA. doi:10.1037/14857-006
  • Riediger, M.*, Voelkle, M. C.*, Schaefer, S., & Lindenberger, U. (2014). Charting the life course: Age differences and validity of beliefs about lifespan development. Psychology and Aging, 29(3), 503-520. doi:10.1037/a0036228 (*shared first-authorship)
  • Riediger, M., Wrzus, C., Klipker, K., Müller, V., Schmiedek, F., & Wagner, G. G. (2014). Outside of the laboratory: Associations of working-memory performance with psychological and physiological arousal vary with age. Psychology and Aging, 29(1), 103-114.doi:10.1037/a0035766
  • Wrzus, C., Wagner, G. G. & Riediger, M. (2016). Personality-situation transactions from adolescence to old age. Journal of Personality and Social Psychology, 110, 782-799. doi:10.1037/pspp0000054

Seit Herbst 2016 ist die Arbeitseinheit für Entwicklungspsychologie im Institut für Psychologie in der Leibniz Universität Hannover mit Prof. Dr. Peter F. Titzmann neu besetzt.

In unserer Forschungsgruppe beschäftigen wir uns mit der kulturellen Heterogenität in modernen Gesellschaften, wobei uns ganz besonders das Zusammenspiel normativer und migrationsbedingter Veränderungen interessiert. Unsere Zielgruppen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund, die gleichzeitig mit altersgradierten Entwicklungsaufgaben und migrationsbedingten Akkulturationsaufgaben konfrontiert sind. Wie diese Prozesse zusammenspielen untersuchen wir in mehreren entwicklungspsychologisch relevanten Lebensbereichen.

Einer dieser Lebensbereiche ist die Familie. Hier untersuchen wir u.a. Eltern-Kind-Beziehungen und -Interaktionen. Beziehungen in Familien mit Migrationshintergrund werden im Jugendalter beispielsweise durch normative Autonomieentwicklung aber auch durch eine akkulturationsbedingte Umkehr der Eltern-Kinder-Rolle (z.B. durch die im Vergleich zu den Eltern schnellere kulturelle Adaptation der Kinder) verändert. Ein weiterer durch Akkulturation und Entwicklung stark betroffener Lebensbereich sind die Beziehungen zu Gleichaltrigen. Zentrale von uns untersuchte Themen in diesem Lebensbereich sind interethnische Freundschaften, Delinquenz und Diskriminierungs- und Viktimisierungserfahrungen.

In unseren Untersuchungen rückt des Weiteren zunehmend die Frage nach den Resilienzfaktoren, die jungen Menschen mit Migrationshintergrund dabei helfen können mit den entwicklungsbedingten und akkulturativen Anforderungen erfolgreich umzugehen. Zu diesen Faktoren gehören soziokulturelle Kompetenzen im Umgang mit zwei oder mehr Kulturen, die Entwicklung einer (bi-)kulturellen Identität sowie das Herstellen positiver und tragfähiger sozialer Bindungen. Unsere Erkenntnisse leiten wir vor allem aus quantitativen Analysen basierend auf intrafamiliären Dyaden sowie komparativen Gruppenvergleichen von Längsschnittdaten her, die auch Ländervergleiche beinhalten.

Gegenwärtig besteht unser Team aus zwei Postdocs, einer Doktorandin und zwei studentischen Hilfskräften: Dr. Heike Drexler beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung von Identität und Selbstkonzept, sowie Bewältigungsprozessen und Selbstregulation. Dr. Alison Benbow geht unter anderem der Frage nach, wie Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund aktiv den Umgang mit mehreren Kulturen, und mit Diversität im Allgemeinen, gestalten. Lara Aumann untersucht Mutter-Kind-Beziehungen in Familien mit Migrationshintergrund, zum Beispiel die Auswirkungen von Akkulturation auf Mutter-Kind-Interaktionen. Unser Team wird unterstützt von den Masterstudierenden Mareike Nissen und Matthias Hiestermann.

Unsere Forschung spiegelt sich auch in der Lehre wider. So bieten wir zum Beispiel Lehrveranstaltungen zu multikulturellen Gesellschaften und Diversität an. In der Lehre betreuen wir vor allem Studierende im Master Bildungswissenschaften und sind in der Lehramtsausbildung (Master Lehramt Gymnasien, Master Lehramt Sonderpädagogik) tätig. Außerdem beteiligen wir uns an der Ausbildung in den Studiengängen zum Bachelor Sonderpädagogik und Master Sonderpädagogik und Rehabilitationswissenschaften, sowie zum fächerübergreifenden Bachelor. Wir legen einen besonderen Wert auf die Vermittlung von grundlegenden entwicklungspsychologischen Erkenntnissen und Forschungsmethoden sowie auf ein grundlegendes Verständnis empirischen wissenschaftlichen Arbeitens. Außerdem übernehmen wir auch Teile der methodischen Ausbildung der Studierenden.

Für weitere Informationen steht das Team der Hannoveraner Entwicklungspsychologie gerne zur Verfügung.

Zur Homepage der Arbeitseinheit: https://www.psychologie.uni-hannover.de/startseite_psychologie.html

Zur Homepage von Prof. Dr. Peter F. Titzmann: https://www.petertitzmann.com/deutsch/willkommen/

 

Ausgewählte Publikationen:

  • Benbow, A. E. F., & Rutland, A. (2017). Competence matters! Understanding biculturalism in ethnically diverse adolescents. Journal of Community and Applied Social Psychology, 27, 366–373. doi: 10.1002/casp.2312
  • Drexler, H. (2013). Selbstwissen und Selbstregulation. Bewältigungsprozesse unter Betrachtung der individuellen Selbstkonstruktion. Dissertation, Universität Hildesheim. (online unter: http://opus.bsz-bw.de/ubhi/volltexte/2013/207/).
  • Jugert, P., & Titzmann, P. F. (2017). Trajectories of victimization in ethnic diaspora immigrant and native adolescents: Separating acculturation from development. Developmental Psychology, 53(3), 552-566.
  • Titzmann, P. F. (2014). Immigrant adolescents’ adaptation to a new context: Ethnic friendship homophily and its predictors. Child Development Perspectives, 8(2), 107-112.
  • Titzmann, P. F., & Gniewosz, B. (2017). With a little help from my child: A dyad approach to immigrant mothers’ and adolescents’ socio-cultural adaptation. Journal of Adolescence, Advance online publication.
  • Titzmann, P. F., & Lee, R. M. (accepted for publication). Adaptation of young immigrants: A developmental perspective on acculturation research. European Psychologist.
  • Titzmann, P. F., & Silbereisen, R. K. (2012). Acculturation or development? Autonomy expectations among ethnic German immigrant adolescents and their native German age-mates. Child Development, 83(5), 1640-1654.
  • Titzmann, P. F., Silbereisen, R. K., & Mesch, G. (2014). Minor delinquency and immigration: A longitudinal study among male adolescents. Developmental Psychology, 50(1), 271-282.

In meiner Forschungsgruppe (gegenwärtig zwei Postdocs, sechs Doktoranden und eine Master-Studentin) untersuchen wir die frühkindliche kognitive Entwicklung in einem multidisziplinären Ansatz, der verschiedene experimentelle Methoden (Messung von Blickbewegungen und Pupillenveränderungen mit stationären und mobilen Eye Trackern; EEG/ERP; NIRS) mit Computermodellierung vereint. Dabei setzen wir gegenwärtig zwei Schwerpunktthemen:

1. Curiosity-based learning:
In diesem Schwerpunkt untersuchen wir, wie Kleinkinder ihre Welt ‘erforschen’. In traditionellen Studien mit Kleinkindern werden diesen oft passiv vorherbestimmte Reize dargeboten. Dieser Ansatz berücksichtigt jedoch nicht die intrinsische Motivation der Kleinkinder, ihre Umwelt aktiv zu erforschen. Wir untersuchen, ob die Auswahl von Informationen durch Kleinkinder systematisch ist und von welchen Faktoren sie abhängt. Zum Beispiel werden Kleinkinder mit einer Gruppe von Reizen präsentiert, die perzeptuell mehr oder weniger ähnlich zueinander sind. Wir fragen, ob Kleinkinder bevorzugt solche Reize auswählen, die besonders ähnlich zu gerade untersuchten Reizen sind, oder besonders unterschiedlich zu den vorigen Reizen, oder ob sie eine mittlere Ähnlichkeit zu vorigen Reizen bevorzugen. Wir untersuchen auch den Einfluss, den Sprache auf diesen Explorationsprozess hat. Werden Objekte, die benannt werden, anders untersucht als solche ohne Namen? Und wir verwenden Computermodellierung, um die Mechanismen zu erforschen, die selbstmotivierter Exploration zugrunde liegen.

2. Frühkindliches Wort- und Objektlernen:
Wie lernen Kleinkinder die Namen von Objekten? Wie verändern sich Objektrepräsentationen beim Übergang von vorsprachlicher zu sprachbasierter Kognition?
In diesem Themenkomplex untersuchen wir verschiedenen Aspekte des Wortlernens. Welche Blickbewegungen über Objekte zeigen Kinder, wenn sie den Namen für ein Objekt hören?  Können vorsprachliche Kinder Objektnamen dazu verwenden, Kategorien zu formen? Was ist der Status früher Objektnamen – referentiell, wie generell angenommen, oder ‚nur’ akustische Objekteigenschaften? Beeinflusst die Kenntnis eines Namens die mentale Repräsentation von Objekten, auch in Situationen, wenn dieser Name nicht gehört wird? Lassen sich individuelle Unterschiede beim Wortlernen durch Temperament erklären? Wie kategorisieren Kleinkinder,  wenn Objektnamen und visuelle Ähnlichkeit im Kontrast zueinander stehen? Welche Eigenschaften von Objekten (z.B. Variabilität von Eigenschaften der Objekte oder des Hintergrundes, auf dem sie präsentiert werden) beeinflussen, wie leicht Kleinkinder deren Namen lernen?

Über diese Schwerpunkte hinaus entwickle ich Computermodelle (künstliche neuronale Netze), die den Zusammenhang von kognitiver und Gehirnentwicklung untersuchen, indem sie durch den Lernprozess ihre Struktur verändern. Diese Netze habe ich bisher auf den Erwerb der Verbflektion im Englischen und Deutschen angewandt, interessiere mich aber sehr, sie auch auf weitere Bereiche der (früh-)kindlichen Entwicklung anzuwenden.

Weitere Themen, die in meiner Gruppe, auch in Kollaboration mit Kollegen, untersucht werden, sind die Entwicklung von Kommunikation (Zeigen, Interaktion mit der Mutter) und ERP Studien zur Kategorienverarbeitung in Erwachsenen.


Webseiten:

Meine Homepage: www.lancaster.ac.uk/psychology/people/gert-westermann 
Meine Lab-Page: wp.lancs.ac.uk/westermann-lab/


Publikationsauswahl:

  • Westermann, G. and Mani, N. (eds.) (in press) Early Word Learning. Hove: Psychology Press.
  • Althaus, N. and Westermann, G. (2016). Labels constructively shape object categories in 10-month-old infants. Journal of Experimental Child Psychology, 151: 5-17. DOI:10.1016/j. jecp.2015.11.013
  • Hepach, R., & Westermann, G. (2016). Pupillometry in infancy research. Journal of Cognition and Development, 17: 359-377. DOI:10.1080/15248372.2015.1135801
  • Westermann, G., (2016). Experience-dependent brain development as a key to understanding the language system. Topics in Cognitive Science. DOI: 10.1111/tops.12194   
  • Twomey, K., & Westermann, G. (2015). A neural network model of curiosity-driven infant categorization. Proceedings of the Fifth IEEE Joint International Conference on Development and Learning and on Epigenetic Robotics
  • Westermann, G. and Mareschal, D. (2014) From perceptual to language-mediated categorization. Philosophical Transactions of the Royal Society B, 369, 20120391
  • Westermann, G. and Ruh, N. (2012). A neuroconstructivist model of past tense development and processing. Psychological Review, 119, 649-667     
  • Westermann, G., Mareschal, D., Johnson, M., Sirois, S., Spratling, M., & Thomas, M. (2007). Neuroconstructivism. Developmental Science, 10, 75-83

Die Forschung am Lehrstuhl Entwicklungspsychologie (www.dortmunderkinderstudien.tu-dortmund.de) beschäftigt sich mit sozial-kognitiven Phänomenen, die sich während Kindheit und Jugend entwickeln und die im Erwachsenenalter volle Funktionsreife entfalten.

Ein Forschungsbereich untersucht das Imitationsverhalten von Kindern. In experimentellen Studien, in denen Modelleigenschaften oder situative Gegebenheiten manipuliert werden, versuchen wir herauszufinden, unter welchen Bedingungen Kinder imitieren und unter welchen Bedingungen nicht. Diese sogenannte selektive Imitation ermöglicht Rückschlüsse auf die kognitiven Mechanismen, die an der Imitation beteiligt sind. Rückschlüsse auf die soziale Komponente der Imitation werden so ebenfalls möglich. Diese soziale Komponente der Imitation untersuchen wir vertieft in korrelativen Studien, in denen Temperamentsmerkmale der Kinder mitberücksichtigt werden.

Ferner beschäftigen wir uns mit der Entwicklung moralisch geprägten Verhaltens. Dabei interessiert uns das erste Auftreten moralanalogen Verhaltens im ersten Lebensjahr, beispielsweise die Präferenz von prosozialen gegenüber antisozialen Akteuren. Des Weiteren gilt unser Interesse der Rolle der Gruppenmitgliedschaft bei kooperativem und kompetitivem Verhalten im Vorschul- und Schulalter. Außerdem untersuchen wir die Effektivität von Maßnahmen die beabsichtigen unter natürlichen Bedingungen, wie beispielsweise dem Schulkontext, zu einer Reduktion der Abwertung von Außengruppenmitgliedern zu führen.

Ein weiteres Forschungsinteresse gilt der Entwicklung des Ich-Bewusstseins bei Kindern, das typischerweise mit dem Rougetest assoziiert ist. Hier interessieren uns zum einen mögliche Vorläufer des Ich-Bewusstseins im ersten Lebensjahr, wie die Kontingenzwahrnehmung der Kinder und kontingentes Verhalten der Eltern, und zum anderen die weitere Entwicklung des Ich-Bewusstseins bis zum Schulalter. Darüber hinaus erforschen wir Zusammenhänge zwischen dem Ich-Bewusstsein und dem Verständnis von Bewusstseinsvorgängen anderer.

Schließlich widmen wir uns auch Fähigkeiten, die im Verdacht stehen, typisch menschlich zu sein: Der Theory of Mind und dem Zeitverständnis. Im Fokus stehen dabei die Debatte um das erste Auftreten einer Theory of Mind sowie die Bedeutung von scheinbar irrelevanten Eigenschaften einer Person für die Zuschreibung von Überzeugungen. Beim Zeitverständnis interessieren wir uns für seine Bedeutung beim Bedürfnisaufschubs sowie für Möglichkeiten, Zeitverständnis bei Kindern zu trainieren.

Orthogonal zu den genannten Forschungsbereichen verläuft ein Forschungsstrang, der sozial-kognitive Fähigkeiten unter widrigen Bedingungen wie Stress, Nährstoffdefiziten und Frühgeburtlichkeit untersucht. Auf Grundlage dieser Ergebnisse lassen sich Implikationen für präventive Maßnahmen für Familien mit besonderen Herausforderungen ableiten, sowie Bereiche identifizieren, die bei bestehenden emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten Ziel klinischer oder pädagogischer Interventionen sein könnten.

In der Lehre sind wir vor allem in der Lehramtsausbildung tätig. Wir bilden Lehrer aus, die an Gesamtschulen, Gymnasien und Berufsschulen Psychologie als Unterrichtsfach lehren werden. Daher legen wir einen besonderen Wert auf die Vermittlung von grundlegenden entwicklungspsychologischen Erkenntnissen und Forschungsmethoden in der Entwicklungspsychologie sowie auf die Reflexionsfähigkeit von entwicklungspsychologischen Forschungsergebnissen.

Zur Homepage der Forschungsgruppe: http://www.psych.tu-dortmund.de/cms/psych/de/forschung/entwicklung/index.html 

 

Ausgewählte Publikationen:

  • Seehagen, S., Schneider, S., Rudolph, J., Ernst, S., & Zmyj, N. (2015). Stress impairs cognitive flexibility in infants. PNAS, 112, 12882–12886. doi: 10.1073/pnas.1508345112 
  • Zmyj, N. & Bischof-Köhler, D. (2015). The development of gender constancy in early childhood and its relation to time comprehension and false-belief understanding. Journal of Cognition and Development, 16, 455-470. doi: 10.1080/15248372.2013.824881 
  • Zmyj, N., Buttelmann, D., Carpenter, M. & Daum, M. M. (2010). The reliability of a model influences 14-month-olds' imitation. Journal of Experimental Child Psychology, 106, 208-220. doi: 10.1016/j.jecp.2010.03.002 
  • Zmyj, N., Daum, M. M., Prinz, W., Nielsen, M. & Aschersleben, G. (2012). Fourteen-month-olds’ imitation of differently aged models. Infant and Child Development, 21, 250-266. doi: 10.1002/icd.750 
  • Zmyj, N., Jank, J., Schütz-Bosbach, S. & Daum, M. M. (2011). Detection of visual-tactile contingency in the first year after birth. Cognition, 120, 82-89. doi: 10.1016/j.cognition.2011.03.001 

Seit Sommer 2014 ist der Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie an der Universität zu Köln neu besetzt und sorgt mit seiner experimentell ausgerichteten Forschung zur kognitiven Entwicklung in der frühen Kindheit für reges Treiben in den Kölner Universitätsräumen. Unser primäres Forschungsinteresse gilt einer breiten Erfassung des gesamten Spektrums frühkindlicher Kognition. Entsprechend erstrecken sich unsere Arbeiten über unterschiedliche Themengebiete der kognitiven Entwicklung und schließen neben der Grundlagenforschung auch anwendungsbezogene Studien in der pädagogischen und klinischen Entwicklungspsychologie mit ein.

Im Zentrum unserer grundlagenorientierten Forschungsarbeiten stehen Studien zum frühen Konzept- und Kategorienerwerb. In diesem Zusammenhang interessieren wir uns v.a. für die frühe Verarbeitung von kausaler und funktionaler Information. Diesem Bereich lassen sich auch unsere aktuellen Studien zur Wahrnehmung von Bewegungsinformation (animacy perception) sowie zur frühen Wahrnehmung kausaler Hinweisreize bei der Objektkategorisierung zuordnen. Hierbei stützen wir uns auf die Erfassung des Blickverhaltens (Eyetracking) sowie auf die Erhebung neuropsychologischer Maße  (ERP).

Im Bereich der sozial-kognitiven Entwicklung führen wir Studien zu frühen Theory of Mind Kompetenzen sowie zur Verarbeitung von Ausgrenzungsinformation (Ostracism Forschung).  Gerade im Bereich der Ostracism-Forschung ist die Frage nach den ontogenetischen Anfängen entsprechender Informationsverarbeitung noch weitgehend offen. Derzeit erarbeiten wir diesbezüglich neue Paradigmen, die für den Einsatz im Kindergarten- und Vorschulalter geeignet sind.

Dem Schnittfeld zwischen grundlagenorientierter und anwendungsorientierter Forschung lassen sich unsere Studien zur Bedeutung sozial-interaktiver Lehr-Lernkontexte für den frühen Wissenserwerb zuordnen. Im Zentrum dieser Arbeiten steht die empirische Untersuchung der kontrovers diskutierten Annahmen der “Human Pedagogy Theory“  zum Erwerb generischen Wissens in spezifisch definierten Lehr-Lernkontexten. Des Weiteren untersuchen wir mögliche Zusammenhänge zwischen frühen Informationsverarbeitungsprozessen und späteren Intelligenzmaßen. Hierbei geht es uns v.a. um das Zusammenspiel von frühen basalen Verarbeitungsprozessen (z.B. Habituationsverläufe) und späteren Schulleistungen.

Im Bereich klinisch-psychologischer Entwicklungsforschung arbeiten wir derzeit in enger Kooperation mit Professor Reck (LMU München) an empirischen Studien  zum Zusammenhang dysfunktionaler (depressiver und angstgestörter) Mutter-Kind-Interaktionen und deren Auswirkungen auf die spätere sozial-kognitive Entwicklung.

Methodische Spezifika:

In unseren derzeitigen Studien an der Universität zu Köln kombinieren wir klassische Verhaltensmaße mit Blickbewegungsanalysen (Eyetracking) und neurophysiologischen Maßen  (EEG, ERP). In diesem Vorgehen sehen wir einen fruchtbaren Weg zu einem umfassenderen Verständnis kognitiver Prozesse und ihrer entwicklungsbedingten Veränderung.

In der Lehre vertreten wir das Fach Entwicklungspsychologie über die Lebensspanne in seiner gesamten Breite. Neben einer fundierten theoretischen Ausbildung sind auch praktische Anteile (z.B., Entwicklungsdiagnostik oder experimentelle Lehreinheiten) fester Bestandteil der entwicklungspsychologischen Ausbildung im Bachelor- wie im Masterstudium.

Für weitere Informationen steht das Team der Kölner Entwicklungspsychologie gerne zur Verfügung.

Zur Homepage der Kölner Entwicklungspsychologie: www.hf.uni-köln.de/36455

 

Ausgewählte Publikationen:

  • Licata, M., Zietlow, A.-L., Träuble, B., Sodian, B., & Reck, C. (2016). Maternal Emotional Availability and its Association with Maternal Psychopathology, Attachment Style Insecurity and Theory of Mind.Psychopathology. In press.
  • Šimkovic, M. & Träuble, B. (2015). Pursuit tracks chase: Exploring the role of eye movements in the detection of chasing. PeerJ., DOI 10.7717/peerj.1243
  • Pauen, S., Träuble, B., Hoehl, S., & Bechtel, S. (2015) „Show me the world – Object categorization and socially-guided object learning in infancy“. Child Development Perspectives, 9, 111-116.
  • Träuble, B. & Bätz, J. (2014) Shared function knowledge: Infants' attention to function information in communicative contexts. Journal of Experimental Child Psychology, 124, 67-77.
  • Träuble, B., Pauen, S., & Poulin-Dubois, D. (2014). Speed and direction changes induce the perception of animacy in 7-month-old infants. Frontiers in Psychology. doi: 10.3389/fpsyg.2014.01141

Der Lehrstuhl für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin (https://www.psychologie.hu-berlin.de/de/prof/devped) beschäftigt sich mit Fragen zur Individualität des Alter(n)s. Wir gehen diesen Fragestellungen auf sehr unterschiedlichen Ebenen nach.

Ein erster Ansatz ist die Untersuchung der kontextuellen Einbettung individueller Entwicklungsverläufe und der hier vielfach stattfindenden dynamischen Ko-Regulation kontextueller und individueller Faktoren. Hierbei betrachten wir verschiedenartige Facetten von Kontexten, seien diese (i) Charakteristika von Lebenspartnern und des Mikrosystems Partnerschaft, welche zeitlebens einen zentralen sozialen Kontext für menschliche Entwicklung darstellen (Hannah Schade), (ii) Merkmale der räumlichen und sozialen Lebensumwelt von Menschen wie etwa die Gesundheitsversorgung am Wohnort (Dr. Nina Vogel), oder (iii) historische Lebensbedingungen, die sich bspw. in Unterschieden im Erleben und Verhalten zwischen Geburtskohorten (oder Todeskohorten) manifestieren (Dr. Gizem Hülür). So konnten wir u.a. zeigen, dass heute 75-Jährige geistig fitter und glücklicher als 75-Jährige vor 20 Jahren sind und sich auch im Durchschnitt weniger einsam fühlen und ihr Leben als weniger fremdbestimmt einschätzen (Gerstorf et al., 2015; Hülür et al., 2016a). Hierbei untersuchen wir die genannten Potentiale psychologischer Adaptationsprozesse – und deren Grenzen – auf unterschiedlicher Zeitebenen. Ein Beispiel hierfür wäre das Phänomen des terminal decline, nach dem insbesondere die letzten Lebensmonate und -jahre bei vielen Menschen durch sehr starken gesundheitlichen, körperlichen und geistigen Abbau gekennzeichnet sind und deshalb nicht typischen Stabilitäts- und Veränderungsverläufen (im Alter) entsprechen.

Ein zweiter Forschungsstrang konzentriert sich auf die Untersuchung der oftmals dynamischen und multi-direktionalen Wechselbeziehungen in der Entwicklung zentraler (psychologischer) Funktionsbereiche im Erwachsenenalter und hohen Lebensalter. Im Zentrum stehen hier Fragen danach, ob und wie sich wahrgenommene Kontrolle – eine wesentliche Facette erfolgreichen Alterns – in der zweiten Lebenshälfte verändert und dies (sei es als Bedingungsfaktor oder als Folge) mit Komponenten körperlicher Gesundheit und sozialer Unterstützung assoziiert ist (Johanna Drewelies). So konnten wir u.a. zeigen, dass wahrgenommene Kontrolle bis zur Lebensmitte relativ stabil bleibt und nicht nur das Ausmaß individuell wahrgenommener Kontrolle, sondern auch die wahrgenommene Kontrolle des Lebenspartners mit individueller Gesundheit und Gesundheitsverhalten älterer Erwachsener assoziiert sind. Auch im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung beleuchten wir, wie Persönlichkeit mit anderen Entwicklungsprozessen zusammenhängt und interagiert (Swantje Müller). Unser Fokus liegt dabei vor allem auf der Untersuchung von Persönlichkeitsveränderungen im hohen Alter und zeitlich geringem Abstand zum Tod („Todesnähe“), über deren Verlauf, Ursachen und Folgen bisher nur wenig bekannt ist. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass Persönlichkeit nicht nur ein wichtiger Prädiktor von Gesundheit und Wohlbefinden im Alter ist, sondern auch durch altersassoziierte Abnahmen gesundheitsbezogener Ressourcen beeinflusst wird. Eine weitere zentrale Komponente unseres Forschungsprofils bezieht sich auf die körperliche Aktivität und Möglichkeiten der Aktivitätsförderung in fortgeschrittenen Lebensphasen (Dr. Nanna Notthoff). Ziel ist es, den Einfluss ausgewählter psychologischer Prozesse und Phänomene zu identifizieren. Zum Beispiel untersuchen wir längsschnittlich im Rahmen eines EU-Projektes, ob und welche Aktivitäten im Alter tatsächlich abnehmen (u.a. weniger strukturierter Sport, aber mehr Lifestyle Aktivitäten) und welche Rolle persönliche Charakteristika (u.a. Motivation und persönliche Ziele), soziale Umwelten (u.a. Fremdbilder) und räumliche Umwelten (walkability) spielen.

Um unseren Forschungsfragen nachzugehen, nutzen wir Daten großer (makro-längsschnittlicher), lokaler und nationaler Untersuchungen aus Deutschland (u.a. Sozio-oekonomisches Panel) und anderen Ländern (u.a. Seattle Longitudinal Study, Health and Retirement Study, Australian Longitudinal Study of Ageing, British Household Panel). Daneben haben in den letzten Jahren mikro-längsschnittliche ambulante Untersuchungen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese prozessorientierten Ansätze erlauben eine situative Erfassung des täglichen Lebens älterer Menschen und ihrer Lebenspartner und ermöglichen es, wichtige intrapersonelle und zwischenmenschliche Anpassungsdynamiken in der Alltagsbewältigung abzubilden. Derzeit läuft bspw. eine Studie, für die wir Lebenspartner im Alter von 70+ Jahren für eine Woche mit jeweils einem iPad ausstatten, über das wir die Teilnehmer/innen 7-mal täglich kontaktieren und zu ihrem momentanen Befinden, ihren Aktivitäten und Herausforderungen, ihrem Stresserleben und ihrem gemeinsamen Lebenskontext befragen. Zeitgleich erheben wir physiologische Indikatoren wie Kortisol, um näher zu beleuchten, ob und inwiefern subjektives Stresserleben mit physiologischer Reaktivität (des Partners) einhergeht. Durch eine Integration von mikro-längsschnittlichen und makro-längsschnittlichen Studiendesigns können wir Rückschlüsse über die Vernetzung von Entwicklungsprozessen auf unterschiedlichen Zeitebenen ziehen, wie also bspw. der Lebensalltag durch vorherige langfristige Entwicklungsprozesse über Jahre und Jahrzehnte mitbestimmt ist und ebenso zukünftige längerfristige Entwicklungsverläufe beeinflusst. So konnten wir u.a. zeigen, dass kognitive Leistungsfähigkeit möglicherweise als limitierender Faktor für alltägliches Affekterleben und -verarbeiten wirkt (Hülür, Hoppmann, Ram, & Gerstorf, 2015; Hülür et al., 2016b). Derzeit arbeiten wir daran, derartig kombinierte Designs mit Laboruntersuchungen zu erweitern, um adaptive Fähigkeiten gleichermaßen unter kontrollierten Bedingungen und in vivo als Teil alltäglicher Handlungsroutinen abbilden zu können.

In unserer Forschung profitieren wir sehr stark von intensiven Kooperationen mit internationalen Kolleginnen und Kollegen in Nordamerika und Australien. Stellvertretend seien hier Nilam Ram (Pennsylvania State University, USA), Christiane Hoppmann (University of British Columbia, Kanada) und Mary Luszcz (Flinders University, Australien) genannt. Ebenso zentral für unsere Arbeit ist der interdisziplinäre Austausch, um Fragen zum Wie und Warum der Vielfalt und Individualität des Alter(n)s umfassend nachgehen zu können. Exemplarisch hierfür steht die Berliner Altersstudie II, in der Mediziner, Genetiker, Immunologen, Ökonomen, Sozialwissenschaftler und Psychologen gleichberechtigt beteiligt sind (https://www.base2.mpg.de/de/projektinformation/team).
Wir freuen uns, dass unsere langjährige Mitarbeiterin Dr. Gizem Hülür die nächste Karrierestufe nimmt und zum August 2016 eine Assistenzprofessur an der Universität Zürich angetreten hat.

Ausgewählte Publikationen:

  • Drewelies, J., Chopik, W. J., Hoppmann, C. A., Smith, J. & Gerstorf, D. (2016). Linked lives: Dyadic associations of mastery beliefs with health (behavior) and health (behavior) change among older partners. Journals of Gerontology, Series B: Psychological Sciences and Social Sciences. doi: 10.1093/geronb/gbw058
  • Gerstorf, D., Hoppmann, C. A., Löckenhoff, C. E., Infurna, F. J., Schupp, J., Wagner, G. G., & Ram, N. (2016). Terminal decline in well-being: The role of social orientation. Psychology and Aging, 31, 149-165. doi: 10.1037/pag0000072
  • Gerstorf, D., Hoppmann, C. A., & Ram, N. (2014). The promise and challenges of integrating multiple time-scales in adult developmental inquiry. Research in Human Development, 11, 75-90. doi: 10.1080/15427609.2014.906725
  • Hülür, G., & Ram, N., & Gerstorf, D. (2015). Historical improvements in well-being do not hold in late life: Studies of birth-year and death-year cohorts in national samples in the US and Germany. Developmental Psychology, 51, 998-1012. doi: 10.1037/a0039349
  • Notthoff, N. & Carstensen, L.L. (2014). Positive messaging promotes walking in older adults. Psychology and Aging, 29, 2, 329-341. doi: 10.1037/a0036748
  • Müller, S., Wagner, J., Drewelies, J., Duezel, S, Eibich, P., Specht, J. Demuth, I., Steinhagen-Thiessen, E., Wagner, G. G., & Gerstorf, D. (2016). Personality development in old age relates to physical health and cognitive performance: Evidence from the Berlin Aging Study II. Journal of Research in Personality. doi: 10.1016/j.jrp.2016.08.007