Die Fachgruppe Pädagogische Psychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) vergibt regelmäßig mehrere Auszeichnungen, um hervorragende wissenschaftliche Leistungen im Bereich der pädagogisch-psychologischen Forschung zu würdigen. Auf dieser Seite finden Sie die bisherigen Preisträger:innen der Fachgruppe.
Informationen zu den aktuellen Ausschreibungen und Bewerbungsmodalitäten finden Sie auf dieser Seite >>
Dissertationspreis der Fachgruppe Pädagogische Psychologie
Der Dissertationspreis zeichnet herausragende Promotionsarbeiten im Bereich der Pädagogischen Psychologie aus, die durch besondere theoretische, methodische und praktische Relevanz hervorstechen.
Der Preis würdigt den Beitrag junger Wissenschaftler:innen zur Weiterentwicklung des Fachgebiets.
| Jahr | Preisträger:in | Titel der Arbeit |
| 2025 | Valentin Emslander | An Exploration of Factors Driving School Success in Diverse Students Through Meta-Analytic and Value-Added Modeling |
| Marina Klimovich | Mindless Reading: Identifying Contributing Factors and Approaches to Mitigation | |
| 2023 | Gerald Marc Weiher | Arbeitsbezogene Rumination bei Lehrkräften |
| 2021 | Jasmin Breitwieser | Overcoming Obstacles on the Road to Learning Success: An Intraindividual Perspective on Students’ Goal Striving Processes |
| Jan Lenhart | Learning Words from Stories: How Method of Story Delivery and Questioning Styles Influence Children’s Vocabulary Learning | |
| 2019 | Sascha Schneider | The impact of decorative pictures on learning with media |
| 2017 | Marlit Annalena Lindner | Der Einfluss multipler Repräsentationen auf die Bearbeitung von Multiple-Choice-Aufgaben. Ein kognitionspsychologischer Ansatz zur Validierung von Leistungstests. |
| 2015 | Anke Heyder | Mehr als Erwartungen und Werte: Zur Rolle von Stereotypen für den differenziellen Schulerfolg von Mädchen und Jungen |
| 2013 | Anna-Katharina Praetorius | Messung von Unterrichtsqualität durch Ratings |
| Hanna Dumont | Elterliche Hausaufgabenhilfe unter dem Blickwinkel sozialer Disparitäten: Eine Untersuchung pädagogisch-psychologischer Prozesse | |
| 2011 | Anna Südkamp | Diagnostische Kompetenz : zur Genauigkeit der Beurteilung von Schülerleistungen durch Lehrkräfte |
| 2009 | Stefanie Pieschl | To calibrate or not to calibrate? Conditions and processes of metacognitive calibration during hypermedia learning |
| Uta Klusmann | Berufliches Beanspruchungserleben und Unterrichtsverhalten von Lehrkräften: Zur Rolle persönlicher und institutioneller Ressourcen | |
| 2007 | Katrin Rakoczy | Motivationsunterstützung im Mathematikunterricht : Unterricht aus der Perspektive von Lernenden und Beobachtern |
Nachwuchspreis der Fachgruppe Pädagogische Psychologie
Der Nachwuchspreis würdigt herausragende Forschungsarbeiten junger Wissenschaftler:innen die im Rahmen eines Konferenzbeitrags vorgestellt werden und anschließend publiziert werden sollen. Ausgezeichnet werden Beiträge, die durch onnovative Fragestellungen, theroretische Fundierung und methodigsche Qualität überzeugen.
| Jahr | Preisräger:in |
| 2025 | Johanna Grimm |
| 2023 | Marina Klimovich |
| Florian Luft | |
| 2021 | Janina Täschner |
| Valentin Emslander | |
| 2019 | Cordelia Menz |
| Cora Parrisius | |
| 2017 | Maja Flaig |
| Elisabeth Plieger | |
| 2015 | Isabelle Häfner |
| Stefan Janke | |
| 2013 | Anna-Theresia Decker |
| 2011 | Katharina Westermann |
| Katharina Lambert | |
| 2007 | Michaela Schmidt |
| Sandra Hübner | |
| 2005 | Sabine Hauser |
| Thiemo Müller-Kalthoff | |
| Gabriel Nagy |
Kooperationsstipendium der Fachgruppe Pädagogische Psychologie
Mit dem Kooperationsstipendium förder die Fachgruppe gemeinsame Forschungsvorhaben von Nachwuchswissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Institutionen. Ziel ist es, wissenschaftliche Zusammenarbeit, interdisziplinären Austausch und methodische Innovation zu stärken.
Hier finden Sie Berichte zu den geförderten Projekten.
„Forschungssynthese zur Wirksamkeit schulbasierter Interventionen zur Förderung des Wohlbefindens von Lehrkräften“
Kooperationspartner:innen: Josina Schriek (HU Berlin), Justine Stang-Rabrig (TU Dortmund); Gyde Wartenberg (HU Berlin)
Worum geht es in dem geförderten Projekt?
Lehrkräfte gehören einer Berufsgruppe mit einem erhöhten Stress- und Belastungserleben an. Dies führt dazu, dass Lehrkräfte vermehrt von Burnout-Symptomen und psychosomatischen Beschwerden berichten. Darüber hinaus kommt es dadurch zu krankheitsbedingten Fehlzeiten und Berufswechselintentionen (Madigan & Kim, 2021; Robert Bosch Stiftung, 2024). Erste Studien zeigten zudem, dass ein beeinträchtigtes berufliches Wohlbefinden mit reduzierter Unterrichtsqualität sowie geringerer Schüler:innenmotivation und -leistung assoziiert ist (Klusmann et al., 2022; Wartenberg et al., 2023).
Diese Aspekte verdeutlichen die hohe Relevanz des Wohlbefindens von Lehrkräften, auch für die Funktionsfähigkeit und Bildungsqualität von Schulen. Vor diesem Hintergrund hat die Förderung des beruflichen Wohlbefindens von Lehrkräften zunehmendes gesellschaftliches, politisches und auch wissenschaftliches Interesse erlangt. Bisherige Interventionsansätze zur Unterstützung des Wohlbefindens konzentrierten sich vorrangig auf individuelle Maßnahmen zur Kognitions- und Verhaltensänderung, auf die Stärkung persönlicher Ressourcen und den Aufbau individueller Fähigkeiten (Iancu et al., 2018). Theoretische und empirische Arbeiten betonen jedoch darüber hinaus die Relevanz von Umweltfaktoren. Auch wenn ein Großteil der Variation im beruflichen Wohlbefinden von Lehrkräften nicht zwischen den Schulen, sondern innerhalb von Schulen liegt (van Droogenbroeck et al., 2021), gelten Interventionsansätze, die auf individuelle Merkmale abzielen, als besonders wirksam, wenn das Arbeitsumfeld die neu erworbenen Kompetenzen, beispielsweise durch schulweite Maßnahmen zur Stärkung des Schulklimas oder durch das Vorhandensein ausreichender Ressourcen, unterstützt (Walton & Yeager, 2020). Bislang fehlen jedoch systematische Übersichtsarbeiten, die die Art und Effektivität kontextorientierter, verhältnisbezogener Interventionen zur Förderung des beruflichen Wohlbefindens von Lehrkräften zusammenfassen. Diese Forschungslücken wurden im Rahmen des Kooperationsstipendiums adressiert. Anhand einer präregistrierten systematischen Forschungssynthese sollte (1) das Spektrum der derzeit verfügbaren, kontextbezogenen Interventionen zur Verbesserung des Wohlbefindens von Lehrkräften identifiziert, (2) die Ansätze, Inhalte und Durchführungsformate dieser Interventionen zusammengefasst und (3) die Qualität und Wirksamkeit dieser Interventionen analysiert werden.
Wofür wurden die Preisgelder eingesetzt?
Die Förderung ermöglichte drei Projekttreffen in Präsenz zur Planung und erfolgreichen Durchführung des Vorhabens sowie zum Austausch mit der Expertin im Bereich Lehrkraftwohlbefinden Prof. Dr. Uta Klusmann. Außerdem wurde das Preisgeld für die Beschaffung einer KI-basierten Software zur schnellen und systematischen Erstellung von Überblicksarbeiten genutzt, insbesondere zur Literaturverwaltung und zum Abstractscreening, sowie für die Englischkorrektur des entstandenen Manuskripts.
Welche Ergebnisse wurden erzielt?
Insgesamt konnten auf Basis einer systematischen Literatursuche (d. h., Datenbanken, Zitationssuche und Anfrage unveröffentlichter Daten) 20 Studien mit 24 unabhängigen Stichproben (492 Schulen, 7.265 Lehrkräften) in die vorliegende Forschungssynthese eingeschlossen werden. Der Großteil der Studien wurde in Europa durchgeführt und in den letzten zehn Jahren veröffentlicht. Die meisten Interventionen waren schulweit implementierte, individuelle bzw. verhaltensbezogene Maßnahmen (z. B. Achtsamkeitstrainings, Ansätze der Positiven Psychologie oder Programme zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen), während strukturelle Maßnahmen zur Veränderung schulischer Rahmenbedingungen deutlich seltener untersucht wurden.
Erste Ergebnisse deuten auf die Wirksamkeit schulweit implementierter Maßnahmen hin. Deskriptiv zeigten sich über die unterschiedlichen Studien hinweg kleine bis mittlere positive Effekte schulweit implementierter, verhaltensbezogener Interventionen auf das berufliche Wohlbefinden von Lehrkräften. Insbesondere achtsamkeitsbasierte Ansätze, Interventionen aus der Positiven Psychologie und Programme zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen erscheinen auf Schulebene vielversprechend, wenngleich signifikante Effekte nur in einem Teil der Studien berichtet wurden. Für strukturelle, verhältnisbezogene Maßnahmen zur Veränderung von Schulorganisation oder -klima ist die empirische Evidenz bislang deutlich schwächer: Die wenigen vorhandenen Studien zeigen keine substantiellen Effekte auf das Wohlbefinden von Lehrkräften.
Die Ergebnisse der Forschungssynthese zeigen einen deutlichen Forschungsbedarf zu schulbasierten Interventionen zur Förderung des beruflichen Wohlbefindens von Lehrkräften. Bisher konzentriert sich die Forschung vor allem auf individuelle, verhaltensbezogene Maßnahmen, während verhältnisorientierte und strukturelle Ansätze auf Schulebene bislang nur unzureichend untersucht sind. Zukünftige Studien sollten daher stärker kontextbezogene Interventionen mit größeren Stichproben und methodisch robusten Designs evaluieren. Schulen können dabei als zentrale Orte der Prävention dienen, indem Maßnahmen auf Schulebene individuelle Veränderungen unterstützen und langfristig zur Sicherung der Qualität schulischer Bildung beitragen.
Eine englischsprachige Publikation ist in Vorbereitung. Zusätzlich ist eine deutschsprachige Zusammenfassung der effektiven schulweiten Interventionsprogrammen geplant, um das generierte Wissen für die Praxis aufzubereiten.
Erste Ergebnisse wurden auf der PAEPS 2025 vorgestellt und diskutiert. Des Weiteren wurden (inter-)nationale Symposien bei der GEBF 2026 und AERA 2026 geplant und angenommen, um neue Perspektiven auf individuelle und schulweite Maßnahmen zur Förderung des Wohlbefindens (angehender) Lehrkräfte systematisch zusammenzubringen. Weiterhin ist ein Symposium zu diesem Thema für die DGPs 2026 eingereicht.
Das DGPs-Kooperationsprojekt dient als wichtige Vorarbeit für die weitere Zusammenarbeit. Ein weiterführendes Projekt, für das ein gemeinsamer Drittmittelantrag gestellt werden soll, ist in Planung.
„Der Einfluss kognitiver und metakognitiver Prompts auf das Lernen mit Erklärvideos“
Kooperationspartner:innen: Dr. Marie-Christin Krebs (Justus-Liebig-Universität Gießen) & Emely Hoch (Leibniz-Institut für Wissensmedien, Tübingen; Universität Zürich)
Worum geht es in dem geförderten Projekt?
Erklärvideos sind ein beliebtes Medium, weil sie komplexe und abstrakte Sachverhalte verständlich und oft auch unterhaltsam vermitteln (z. B. Endres et al., 2020). Bisherige Forschung zeigt, dass sie auch als Lernmedium durchaus effektiv sein können (z.B. Noetel et al., 2021). Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Videos lernförderlich gestaltet (z.B. Mayer, 2021) und lernwirksam eingesetzt werden (z.B. Krebs et al., 2024). Dies ist insbesondere wichtig, da das Lernen mit Erklärvideos metakognitiv herausfordernd sein kann. So kann die vereinfachte Darstellung und unterhaltsame Aufbereitung dazu führen, dass die Lernenden die Inhalte als besonders leicht verständlich wahrnehmen. Diese Wahrnehmung kann Lernende jedoch dazu verleiten, ihren tatsächlichen Wissensstand nach dem Anschauen des Videos zu überschätzen (i.e., Verständnisillusion; Kulgemeyer & Wittwer, 2023; Salomon, 1984). Zudem kann ein eher passives Konsumieren der Videoinhalte dazu führen, dass Lernende sich ihrer Überschätzung nicht bewusstwerden. Insgesamt birgt dies die Gefahr, dass Lernende nach Anschauen eines Erklärvideos nachfolgende Lernmaterialien nur noch oberflächlich verarbeiten, was sich langfristig negativ auf Lernergebnisse auswirken kann.
Vor diesem Hintergrund wird im Projekt untersucht, ob die Anregung zu einer aktiveren Auseinandersetzung mit den Videoinhalten möglichen negativen Folgen entgegenwirken kann. Eine solche aktive Auseinandersetzung lässt sich beispielsweise dadurch fördern, indem Lernenden nach dem Anschauen des Erklärvideos Fragen gestellt werden, die darauf abzielen, Abrufprozesse (z.B. Eitel et al., 2022), generative Prozesse (z.B. Fiorella et al., 2020) und Überwachungsstrategien (z.B. Szpunar et al., 2014) anzuregen (i.e., Prompts; Berthold et al., 2007). Bisherige Forschung zeigt, dass inhaltsbezogene Prompt-Fragen das Lernen mit Erklärvideos und einem anschließenden Lehrbuchtext fördern können (Krebs, et al., 2024). Da diese jedoch materialspezifisch sind, stellt sich die Frage, ob generische Prompt-Fragen, die auf die Reflexion des aktuellen Verständnisses abzielen (z.B. Hoch et al., 2023), ebenfalls lernförderliche Effekte haben können. Auf dieser Grundlage wird im Projekt untersucht, ob und wie inhaltsbezogene und reflexionsanregende Prompt-Fragen Lernende dabei unterstützen können, ihren Lernprozess angemessen zu regulieren und dadurch (auch längerfristig) erfolgreich mit Erklärvideos zu lernen.
Um dieser Frage nachzugehen, wurde im Rahmen des Projekts eine präregistrierte experimentelle Lernstudie mit einem 2x2 Zwischensubjektdesign und zwei Messzeitpunkten (Termin 1 im Labor, Termin 2 online) durchgeführt. In der Lernstudie erhielten die Teilnehmenden nach Anschauen eines Erklärvideos entweder keine Prompt-Fragen (Kontrollbedingung), inhaltsbezogene Prompt-Fragen, metakognitive Prompt-Fragen oder eine Kombination beider Arten von Prompt-Fragen bevor sie in einer zweiten Lernphase mit einem Lehrbuchtext weiterlernten. Um zu überprüfen, ob sich kurz- und längerfristige Effekte auf den Lernerfolg durch die Prompt-Fragen zeigen, absolvierten alle Lernenden sowohl direkt nach Abschluss der zweiten Lernphase als auch eine Woche später einen Wisssenstest. Auf Grundlage bisheriger Forschung erwarten wir, dass Lernende, die nach dem Anschauen eines Erklärvideos Prompt-Fragen erhalten, sowohl besser im direkten und im verzögerten Wissenstest abschneiden, als auch mehr Zeit und Anstrengung in eine weitere Lernphase investieren als Lernende ohne Prompt-Fragen.
Wofür wurden die Preisgelder eingesetzt?
Die Förderung ermöglichte die Finanzierung der Aufwandsentschädigung für die Proband:innen.
Welche Ergebnisse wurden erzielt?
Vorläufige Ergebnisse des Projekts wurden auf der Fachgruppentagung der Pädagogischen Psychologie (PAEPS) 2025 in Jena im Rahmen des Symposiums „Effektiv Lehren und Lernen mit Videos: Empirische Perspektiven auf Gestaltung und Kontext“ (organisiert von von Sören Traulsen und Lysann Zander), vorgestellt. Nach Abschluss der Datenanalyse ist die Publikation der Studie in einer internationalen Fachzeitschrift geplant.