Am 12. August 2026 gab das Center for Open Science (COS) bekannt, dass das Open Science Framework (OSF) einen substanziellen Teil seiner Dienste zur kollaborativen Arbeit an Forschungsprojekten und insbesondere zur Unterstützung transparenter Forschung verändern wird (https://www.cos.io/osf-changes). Demnach wird das Erstellen und Teilen neuer Projekte und darin enthaltener Objekte (z.B. Daten, Code, Materialien) noch bis zum 16. November 2026 und das Bearbeiten bestehender Projekte bis zum 19. Februar 2027 unterstützt. Öffentlich zugängliche Projekte sollen dauerhaft erhalten und auffindbar bleiben. Zentrale Angebote wie Präregistrierungen und Preprints werden fortgeführt.
Damit entfallen jedoch wesentliche Funktionen des OSF als aktive Arbeits-, Kollaborations- und Speicherumgebung für Forschungsprojekte. Dies stellt viele Forschende vor erhebliche Herausforderungen, da das OSF insbesondere in der Psychologie zu einer zentralen Infrastruktur für transparente und reproduzierbare Forschung geworden ist. Die angekündigten Veränderungen nehmen die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs), der DFG-Schwerpunkt SPP 2317 META-REP und das Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID) daher zum Anlass, die Bedeutung verlässlicher und nachhaltiger Forschungsinfrastrukturen für Open Science zu unterstreichen.
Seit 2012 hat das OSF maßgeblich dazu beigetragen, Forschungsprodukte und -prozesse offen und transparent zu archivieren, zu organisieren und zur Nachnutzung zur Verfügung zu stellen. Damit hat das OSF in der Psychologie (und auch in anderen Disziplinen) Standards und Normen im Zusammenhang mit Open Science entscheidend gestärkt und ihre Verbreitung beschleunigt. Für diesen wegweisenden und 15 Jahre lang erbrachten Dienst für eine transparente, offene und reproduzierbare Forschung gebührt dem COS und allen voran Brian Nosek herzlicher Dank.
Welche Schlüsse können wir aus den Erfahrungen beim OSF ziehen?
Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich, dass zentrale Forschungsinfrastrukturen einer verlässlichen, langfristigen und institutionell abgesicherten Finanzierung bedürfen. Forschungsdaten und andere wissenschaftliche Produkte müssen möglichst dauerhaft zugänglich, auffindbar und nachnutzbar bleiben. Öffentlich finanzierten bzw. öffentlich abgesicherten Forschungsinfrastrukturen kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu. Non-profit Organisationen, die ausschließlich von Spenden und Drittmitteln abhängig sind, erhöhen das Risiko, dass die finanziellen Ressourcen nicht ausreichend und langfristig sichergestellt sind und die Infrastruktur - trotz der Erfolgsgeschichte und einer konstant hohen Nachfrage - wie im Falle des OSF eingestellt werden muss. Aus der Sicht der wissenschaftlichen Psychologie ist es deshalb sehr begrüßenswert, dass dies in Deutschland im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) sichergestellt werden soll.
Forschungsinfrastrukturen müssen, damit sie auch langfristig genutzt werden können, eine qualitätsgesicherte Nutzung durch Forschende entlang festgelegter Standards, Richtlinien und Kontrollmechanismen vorsehen, um eine Zweckentfremdung zu vermeiden und ein langfristiges kostenfreies Angebot für Forschende aufrecht zu erhalten. Aufgrund dieses notwendigen Aufwands auf Seiten der Infrastrukturanbieter sollten Forschende die Verfügbarkeit von Forschungsinfrastruktur verantwortungsvoll nutzen sollten und nicht als selbstverständlich erachten dürfen. Eine Forschungsinfrastruktur ist weder als kostenloser Cloudspeicher noch als Plattform für die universitäre Lehre gedacht.
Durch den Wegfall des intensiv genutzten OSF-Angebots wird die Umsetzung der Open Science-Prinzipien in der Forschung erschwert. Vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass ein sinnvolles, effektives, nachhaltiges Teilen von Daten und anderen Produkten - idealerweise im Sinne der FAIR-Prinzipien (d.h. Findable, Accesible, Interoperable, Reusable) - ressourcen- und zeitaufwändig sein kann, braucht es leicht bedienbare, niedrigschwellige Produkte, die Forschenden das Verwalten und Teilen von Daten erleichtern und sie gleichzeitig bei der Einhaltung datenschutzrechtlicher und ethischer Standards unterstützen. Der Anspruch an transparente Forschung sollte unbedingt weiterverfolgt werden und er sollte nicht an fehlenden oder suboptimalen Infrastruktur-Angeboten scheitern.
Welche alternativen Infrastrukturen können Forschende nun nutzen?
Wir empfehlen den Forschenden, sich zeitnah nach bestehenden neuen Plattformen und Repositorien umzusehen. Mit Zenodo, ResearchBox, Dataverse, und anderen generischen Plattformen steht eine Reihe von Optionen zur Verfügung. Darüber hinaus bietet das ZPID Dienste an, die den fachspezifischen Anforderungen der Psychologie gerecht werden.
Wir rufen Forschende nachdrücklich dazu auf, von diesen Angeboten Gebrauch zu machen und nicht die Veränderungen beim OSF zum Anlass zu nehmen, ihre Aktivitäten bei der Förderung von Offenheit und Transparenz ihrer Forschung zu reduzieren. Zugleich appellieren wir an Wissenschaftspolitik, Forschungsförderung und Wissenschaftsorganisationen, gemeinsam dafür Sorge zu tragen, dass hierfür leistungsfähige, interoperable und langfristig verlässlich finanzierte Infrastrukturen zur Verfügung stehen.
