Wann ist ein Psychologe ein Psychologe?

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Wann ist ein Psychologe ein Psychologe?

Die Psychologen tun sich wie viele andere Disziplinen schwer mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Das zeigte sich bei einer Podiumsdiskussion der Arbeitsgruppe „Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie“ beim 47.

Kongress der Gesellschaft der Deutschen Psychologen in Bremen.

Gerade die Vertreter der Hochschulen auf dem Podium aber auch im Publikum wünschten sich das Diplom zurück. „Man kann die wissenschaftliche Breite wie beim Diplom mit einem Bachelor nicht erreichen“, sagte Professor Dr. Lutz Packebusch von der Hochschule Niederrhein in Krefeld. „Die Studenten können sich nur oberflächliches Wissen aneignen“, ergänzte Professor Dr. Gerhard Blickle von der Universität Bonn. Und auch Dirk Bergmann von der Ruhrkohle AG, der als Wirtschaftsvertreter auf dem Podium saß, erklärte, dass die neuen Bachelor- Absolventen zwar gut präsentieren und moderieren könnten, es jedoch vielfach schlecht aussähe, wenn es um wissenschaftliche Details ginge: „Man kann nicht immer Psychologie erwarten, wo Psychologie draufsteht.“

 

Als Choni Flöther vom Internationalen Zentrum für Hochschulforschung in Kassel jedoch die Ergebnisse der aktuellen KOAB-Studie vorstellte, zeigte sich, dass es für die Bachelor-Absolventen im Grunde nicht so schlecht aussieht. Über 80 Prozent der Bachelor-Absolventen schließen der Studie zufolge nach dem ersten Abschluss ein anderes Studium an, bei den Fachhochschul-Absolventen ist es immerhin die Hälfte. Diejenigen, die sofort in den Beruf wechseln, fänden ebenso schnell eine Stelle wie die Diplom-Psychologen, sagte Flöther. Es gebe allerdings einen deutlichen Unterschied zwischen den Uni- und den Fachhochschul-Absolventen: Während die Bachelor- und Diplom-Absolventen in etwa das gleiche Einstiegsgehalt erwarten können, verdienen die Uni-Bachelor-Absolventen weniger als die Absolventen mit einem Uni-Diplom.

 

Dass es die Fachhochschulen bei der Umsetzung der Bologna-Beschlüsse leichter haben, bestätigte auch Lutz Packebusch: „Die Fachhochschulen haben es leichter, da sie ihren Fokus auf die angewandte Forschung richten.“ Doch sie hätten durch die neuen Studiengänge auch den Zwang sich an den Berufsfeldern zu orientieren. Ein Problem dabei sei, dass bisher die Interdisziplinarität in den Studiengängen fehlt. Kontrovers diskutiert wurde, was der Bachelor nun enthalten sollte: Mehr Grundlagen, auf denen die Absolventen in Beruf oder Universität aufbauen können, oder mehr praxisorientierte Inhalte, damit die Bachelor-Psychologen gleich in der Wirtschaft einsetzbar sind. Auch auf die Frage, ob der Bachelor nun berufsqualifizierend sein sollte, konnten sich die Diskutanten nicht einigen. So sagte etwa Georg Felser von der Fachhochschule Wernigerode: „Es war ein Fehler, das Diplom zu zerschlagen. Der Bachelor sollte nicht die Regel sein.“ Und Carola Brücher-Albers, Präsidentin des Berufsverbands der Deutschen Psychologinnen und Psychologen, erklärte, dass beispielsweise die Bachelor-Absolventen in den angelsächsischen und anglo-amerikanischen Ländern zum Master angehalten würden, um später als Psychologen arbeiten zu können. Vielfach sei sogar eine Promotion erforderlich. Die Bachelor-Absolventen würden hingegen als Arbeitnehmer mit einer akademischen Ausbildung in vielfache Berufsfelder hineingehen und nicht explizit als Psychologen auftreten. Carola Brücher-Albers schlug vor, mit den Bachelor-Absolventen ins Gespräch zu kommen und zu fragen, ob sie quereinsteigen wollten.

 

Am Ende wünschte sich Professor Dr. Jörg Felfe von der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg weitere spezielle Studien über die Aussichten der Psychologie-Absolventen, insbesondere der Fachhochschul-Absolventen, um sich weiter über dieses Thema auseinandersetzen zu können.