Theorie des Geistes: Psychologe Prof. Dr. Josef Perner mit Wissenschaftspreis geehrt

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Theorie des Geistes: Psychologe Prof. Dr. Josef Perner mit Wissenschaftspreis geehrt

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Der Psychologe Professor Dr. Josef Perner von der Universität Salzburg wurde am 29. Januar für seine Forschungsarbeiten zur „Theorie des Geistes“ mit dem Bielefelder Wissenschaftspreis geehrt. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre im Gedenken an den Soziologen Niklas Luhmann von der Stiftung der Sparkasse Bielefeld vergeben.

Josef Perner (geboren 1948) hat mit Untersuchungen in den 1980er Jahren ein neues Forschungsfeld begründet: die Erforschung der Theorie des Geistes. Seine Studien zeigen, dass sich schon kleine Kinder als Wesen mit Gedanken, Gefühlen und Absichten wahrnehmen. In experimentellen Studien ist es ihm gemeinsam mit seinem Salzburger Kollegen Heinz Wimmer gelungen, mit objektiven Methoden nachzuzeichnen, wie Kinder bereits in frühen Lebensjahren eine „Theorie des Geistes“ entwickeln. Diese Studien haben gezeigt, wie sich schon in früher Kindheit die Vorstellung herausbildet, dass menschliche Individuen geistige Wesen sind, deren Handeln von Gedanken, Gefühlen und Absichten bestimmt wird.

Die Theorie des Geistes ist eine interdisziplinäre Forschungsrichtung der Kognitionswissenschaft. Sie bringt Aspekte und Fragen von vier Forschungsbereichen zusammen: der Philosophie des Geistes („Wie lassen sich Begriffe mentaler Zustände, die wir einander zuschreiben, analysieren?“), der Entwicklungspsychologie („Wie werden solche Begriffe erworben?“), der vergleichenden Psychologie („Wie haben sich solche Fähigkeiten evolutionär entwickelt? Wer verfügt über sie?“) und der Kognitions- und Neuropsychologie („Was sind die kognitiven und neuronalen Grundlagen dieser Fähigkeiten?“). Auf all diesen Gebieten hat Josef Perner wegweisende theoretische und empirische Beiträge geliefert.

Perner sei Pionier und Architekt eines weltweiten Forschungsnetzwerkes geworden, sagt Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld und Vorsitzender der Jury für den Wissenschaftspreis. Er erfülle in besonderer Weise ein Kriterium des Bielefelder Wissenschaftspreises: interdisziplinär und problemoffen zu forschen wie Niklas Luhmann.

Vor der Preisverleihung diskutierte Perner auf einem Kolloquium zu seinen Ehren mit Forscherkolleginnen und -kollegen zum Thema „Theorie des Geistes, Simulation und Metakognition“ (Theory of Mind, Simulation and Meta-Cognition). Eröertert wurden theoretische und empirische Fragen der derzeitigen Forschung zur Theorie des Geistes.