Die Studie
Für die Studie “Psychological reactions to political scandals: Effects on emotion, trust, and the need of punishment” wurden in einem online-Experiment 458 Teilnehmern einer von zwei fiktiven Zeitungsberichten über einen Politiker vorgelegt: einerseits ein Bericht über die Urlaubsgewohnheiten des Politikers, andererseits ein Bericht über einen angeblichen Machtübergriff mit persönlicher Bereicherung.
Die Ergebnisse
Wie erwartet reagierten die Teilnehmer auf den Normbruch emotional mit Wut und Scham. Zudem gaben die Befragten an, dass solche Meldungen ihr politisches Vertrauen bedrohten. Interessanterweise fiel die wahrgenommene Bedrohung des politischen Vertrauens bei denjenigen Teilnehmern geringer aus, die generell über ein höheres politisches Vertrauen verfügten. Dieser Befund kann als eine Art Puffereffekt verstanden werden. Als Reaktion auf einen politischen Skandal schützt politisches Vertrauen vor Zynismus und Misstrauen gegenüber der politischen Elite im Allgemeinen.
Der Wunsch nach Bestrafung des Politikers wurde sowohl durch emotionale Reaktionen (Wut, Scham) als auch durch die wahrgenommene Bedrohung des politischen Vertrauens verstärkt.
Soziale Nähe, die einem Teil der Befragten suggeriert wurde, indem jener Politiker angeblich auch in dem Geburtsbundesland des jeweiligen Teilnehmers tätig war, hatte keine Auswirkung auf die Reaktionen der Befragten.
Fazit
Die Verfehlung eines einzelnen Politikers erschüttert vor allem dann das generelle Vertrauen in die Politik, wenn Personen bereits vorab über ein geringes politisches Vertrauen verfügen.
Weitere Informationen:
Jun. Prof. Dr. Tobias Rothmund
Universität Koblenz-Landau
Tel.: (06341) 280-31304
E-Mail: <link>rothmund@uni-landau.de
