Portrait Vorstandsmitglieder

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Portrait Vorstandsmitglieder

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm
Lehrstuhl Sozialpsychologie
Department Psychologie und Sportwissenschaft
Universität Erlangen-Nürnberg
Bismarckstr. 6
91054 Erlangen
Tel.: +49 9131-85-22307
Fax: +49 9131-85-24731
<link>vize1-praesidentin@dgps.de
Homepage: <link http: www.sozialpsychologie.phil.uni-erlangen.de extern>www.sozialpsychologie.phil.uni-erlangen.de

Zur Person

Nach dem Diplom in Psychologie mit den Nebenfächern Soziologie und Geschichten promovierte Andrea Abele-Brehm an der Universität Konstanz 1976 mit einer Arbeit über psychologischen Interaktionismus. Danach war sie Hochschulassistentin an der Universität Bielefeld in der Abteilung Sozialpsychologie, wo sie sich 1982 auch habilitierte. Von 1982 bis 1984 war sie Professorin an der Universität Bielefeld, 1984 wechselte sie als Professorin an die Universität Erlangen-Nürnberg, wo sie seit 1994 den Lehrstuhl für Sozialpsychologie leitet.

Andrea Abele-Brehm forscht in den Bereichen Sozialpsychologie mit den Schwerpunkten soziale Kognition, Akteur-Beobachter Unterschiede und fundamentale Dimensionen der Urteilsbildung, sowie in den Bereichen der Organisationspsychologie (berufliche Laufbahnentwicklung) und Positive Psychologie (Wohlbefindensforschung).

Andrea Abele-Brehm ist Mitglied des Fachgremiums Psychologie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie mehrerer wissenschaftlicher Beiräte und internationaler editorial boards. An der Universität Erlangen-Nürnberg ist sie im Vorstand des interdisziplinären Instituts für Arbeitsmarkt und Arbeitswelt.

2012 wurde Andrea Abele-Brehm mit dem "Preis für gute Lehre" ausgezeichnet, der vom Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst jährlich an die Dozenten der bayerischen Universitäten verliehen wird, die sich in besonderem Maße für eine hochwertige Lehre einsetzen.

Frau Abele-Brehm ist seit dieser Amtsperiode erste Vizepräsidentin der DGPs. Sie leitet die Kommission „Studium und Lehre“ und ist Mitglied der Kommission „Direktstudium Psychotherapie“.

 

Frau Abele-Brehm, warum haben Sie sich für die Psychologie entschieden, warum sind Sie Psychologin geworden?

Das war gar nicht so einfach – ich hatte breite Interessen von Geschichte über Soziologie und Psychologie bis hin zur Medizin; die Psychologie war dann ein sehr guter „Kompromiss“ und Geschichte und Soziologie habe ich als Nebenfächer studiert.

Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn meines Studiums noch keine genaue Vorstellung davon hatte, was ich als Psychologin später mal machen möchte. Ich fand alles einfach nur spannend. Im Gegensatz zu manchem Klischee hat mich dabei weniger die Tiefenpsychologie als die Skinner’sche Lerntheorie fasziniert, die ich u.a. im Rahmen eines tierexperimentellen Praktikums auch selbst erkunden konnte. Tatsächlich hat das Experiment mit einer Ratte mein Interesse für Sozialpsychologie und Stimmungsforschung geweckt.

Was bedeutet Psychologie als Wissenschaft für Sie, wo sehen Sie das Fach heute?

Die Psychologie ist eine Wissenschaft, die sich sehr breit mit menschlichem Erleben und Verhalten beschäftigt. Sie ist Naturwissenschaft, Sozialwissenschaft und Geisteswissenschaft gleichzeitig. Das macht sie faszinierend, aber auch schwer einzugrenzen.
Ich sehe heute einen starken naturwissenschaftlichen Zweig der Psychologie, der neben der methodisch-experimentellen Herangehensweise insbesondere durch eine Betonung neurowissenschaftlicher Fragestellungen gekennzeichnet ist.

Ich sehe aber auch einen wichtigen Schwerpunkt in der Anwendung grundwissenschaftlicher Erkenntnisse auf gesellschaftliche Fragestellungen – von der Psychotherapie bis zur Organisationsberatung, von der Programmevaluation bis zum Training sozialer Fertigkeiten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Was sind die wichtigen Themen der Psychologie bzw. der gegenwärtigen psychologischen Forschung?

Wichtige Themen sind z.B. der Zusammenhang zwischen „Gehirn und Geist“, also der Zusammenhang von neurowissenschaftlichen und erlebenspsychologischen Phänomenen oder die Debatte zu genetischen und Umwelteinflüssen auf die menschliche Entwicklung. Der Einfluss der Kultur auf Erleben und Verhalten, situative und dispositionale Determinanten des Handelns, die Lebenslaufpsychologie oder die Bedeutung sozialer Beziehungen sind prägende Themen der Forschung.

Alle diese Fragestellungen und Erkenntnisse sind für sich genommen spannend, sie sollten jedoch auch Grundlagen für die Analyse und Bearbeitung aktuell relevanter gesellschaftlicher Fragen sein. Zum Beispiel: was sagt uns die Forschung zu sozialen Beziehungen hinsichtlich der Gestaltung der heute so häufigen „Fernbeziehungen“?

Wo liegen Ihre eigenen Forschungsschwerpunkte, was ist das Spannende daran?

Ich bin Sozialpsychologin, die sich für ihre Forschung die alte und breite Definition von Floyd Henry Allport zu Eigen macht: Sozialpsychologie beschäftigt sich mit dem Einfluss, den die tatsächliche, vorgestellte oder implizierte Gegenwart Anderer auf Denken, Fühlen und Handeln hat. Anders formuliert geht es um sozialen Einfluss auf der intrapersonalen Ebene, hier interessiert mich die soziale Urteilsbildung vor allem hinsichtlich zugrunde liegender Inhaltsdimensionen; um sozialen Einfluss auf interpersoneller Ebene, hier interessieren mich insbesondere Perspektivenunterschiede zwischen Akteur und Beobachter; sowie um sozialen Einfluss auf intergruppaler Ebene, hier würde ich z.B. meine Forschungen zu „gender“ und zu Auswirkungen von Geschlechterstereotypen ansiedeln.

Wir arbeiten derzeit im Rahmen eines DFG Projekts an Akteur – Beobachter Unterschieden in der Interpretation von Verhaltensweisen. Dieses Projekt finde ich sehr spannend, weil es deutlich zeigt, dass die Wahrnehmungsperspektive („ich als Handelnder“ versus „ich als Beobachter“) immense Auswirkungen auf die Interpretation sozialer Sachverhalte hat und diese Forschung zu Perspektivenunterschieden gleichzeitig wichtiges Anwendungspotential hat. Beispiele wären hier das Verstehen und Missverstehen in Partnerschaften oder auch in Mitarbeiter – Vorgesetztenbeziehungen.

Ein anderes Projekt, das wir derzeit bearbeiten, bezieht sich auf die Determinanten des Selbstwertgefühls. Woraus schöpfen Menschen ihr Selbstwertgefühl? Ist dies zwischen verschiedenen Kulturen ähnlich? Verändern sich die Quellen des Selbstwertgefühls im Laufe des Lebens?

Ein drittes, von einem großen Industrieunternehmen gefördertes Projekt beschäftigt sich mit der Frage von Frauen in Führungspositionen sowie allgemeiner mit „diversity management“, d.h. dem Umgang mit Heterogenität, ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt.

Wie beschreiben Sie die DGPs, was macht die DGPs?

Die DGPs ist die Vertretung der wissenschaftlich tätigen Psychologinnen und Psychologen in Deutschland. Mehr als 80% aller Psychologieprofessorinnen und -professoren sind Mitglieder. Die DGPs versteht sich als Interessenvertretung der psychologischen Wissenschaft, Forschung und Lehre. Wir unterstützen Bestrebungen zum Ausbau der Psychologie an Hochschulen und Forschungseinrichtungen; wir organisieren wissenschaftliche Kongresse; wir erarbeiten Musterstudienordnungen für Bachelor- und Masterstudiengänge; wir beschäftigen uns mit der Weiterentwicklung des Promotionsstudiums und mit der Nachwuchsförderung; wir bieten spezifische Beratung, z.B. in Ethikfragen, an; wir wirken an Fort- und Weiterbildungsprogrammen für graduierte Psychologinnen und Psychologen mit; wir arbeiten mit psychologischen Berufsverbänden und europaweiten Psychologie-Organisationen zusammen; und wir betreiben intensive Pressearbeit. Dabei profitieren wir von einem großen Pool an Experten, um die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Psychologie breit zu vermitteln. Zudem beraten wir Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft bei psychologischen Aspekten gesellschaftlich relevanter Themen. Derzeit arbeiten wir an einer weiteren Professionalisierung der DGPs. Dafür wurde kürzlich das Zentrum für wissenschaftlich-psychologische Dienstleistungen der DGPs (ZWPD) gegründet. Dies erlaubt es nun, auch über ehrenamtliche Tätigkeit hinaus, psychologisch-wissenschaftliche Dienstleistungen, die auf dem neuesten Stand der Forschung sind, anzubieten.

Was ist Ihre eigene Aufgabe in der DGPs?

Ich bin erste Vizepräsidentin. Meine Arbeitsgebiete im Vorstand beziehen sich neben den laufenden Themen auf die Leitung des Kommission „Studium und Lehre“, auf die Mitarbeit in der Kommission „Direktstudium Psychotherapie“ und auf die Koordination zwischen der Kommission „Qualitätsstandards“ und dem Vorstand der DGPs. Außerdem bin ich auch bei der Pressearbeit involviert.

Da ich auch Fachkollegiatin der DFG für das Fach Sozialpsychologie bin, versuche ich, meine Erfahrungen im Zusammenhang von Forschungsförderung in die Arbeit der DGPs einzubringen.

Wenn man von einer Vision für die Zukunft sprechen würde, was wünschen Sie sich für die DGPs?

Dass sie auch eine Vertretung der Psychologie-Institute, d.h. nicht nur einzelner Personen, sondern von Institutionen wird, und ihre Professionalisierung vorantreibt.

Dass sie wissenschaftliche Erkenntnisse der Psychologie in die Gesellschaft hineinträgt und erprobte Verfahrensweisen zur Lösung psychischer und sozialer Probleme bereitstellt.

Wir brauchen ein Hauptstadtbüro und Präsenz bei politischen Entscheidungsträgern, um unsere gemeinsamen Anliegen noch besser vertreten zu können.

Was würden Sie sich für die Psychologie wünschen?

Ich hätte die Vision, dass Grundlagenforschung und Anwendungsbezug noch stärker verzahnt sind, als es heute der Fall ist und dass die Psychologie ihre Einheit trotz der Vielfältigkeit bewahrt. Ich würde unserem Fach aber auch wünschen, dass sich wieder mehr junge Männer für ein Psychologie-Studium entscheiden.

Gibt es auch einen visionären Wunsch für ihre Forschungsarbeit?

Ja, vor allem natürlich, dass wir spannende und wichtige Befunde erzielen und diese gut publizieren können. Ich wünsche mir aber auch, dass meine MitarbeiterInnen für ihre beruflichen Karrieren von der Zeit mit mir profitieren können und dass ich vor allem meine Studierenden begeistern kann.

Wie lautet der Wunsch für den wissenschaftlichen Nachwuchs, für die Studierenden der Psychologie?

Ich hoffe, dass sie nach dem Studium sagen, ich würde noch einmal die gleiche Entscheidung treffen und ich wünsche ihnen, dass sie Freude an ihrer Tätigkeit haben und an ihrem jeweiligen Platz dazu beitragen können, „die Welt zu einem etwas besseren Ort“ zu machen.