Prof. Dr. Roland Deutsch
Professur für Sozialpsychologie
Technische Universität Dresden
Zellescher Weg 17
01069 Dresden
schriftfuehrer@dgps.de
Zur Person
Roland Deutsch studierte Psychologie an der Universität Würzburg und war dort bis 2009 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Allgemeine Psychologie 2 tätig, zunächst als Doktorand, später als Assistent mit Lehraufgaben. Die Promotion in Würzburg erfolgte 2003. Von 2004 bis 2006 unterbrach er seine Arbeit in Würzburg für einen Forschungsaufenthalt an der Ohio State University in der Arbeitsgruppe von Professor Russell Fazio.
Im Wintersemester 2009/2010 vertrat er den Lehrstuhl für Sozialpsychologie an der Universität Jena und seit April 2010 leitet Roland Deutsch die Professur für Sozialpsychologie an der TU Dresden.
Seine Forschungsarbeiten liegen im Themenfeld der sozialen Kognitionsforschung mit einem Schwerpunkt auf Einstellungen und Stereotypen. Zudem forscht Deutsch zu motivationspsychologischen Fragestellungen mit einem Schwerpunkt auf Annäherungs-/Vermeidungsmotivation.
Seit 2012 ist er Mitglied des SFB 940 (Volition and Cognitive Control) an der TU Dresden.
Roland Deutsch ist Mitglied in den Editorial Boards der Zeitschriften European Journal of Social Psychology, Cognition and Emotion und Social Cognition.
Herr Prof. Deutsch, warum haben Sie sich für die Psychologie entschieden und warum sind Sie Psychologe geworden?
Nach der Schule interessierte ich mich einerseits sehr für die Philosophie und dabei vor allem die Erkenntnistheorie. Andererseits fand ich auch die Naturwissenschaften sehr spannend, insbesondere in Bezug auf den Menschen. Letztlich habe ich mich für die Psychologie als Studienfach entschieden, weil sie in meiner Vorstellung beide Aspekte vereinte. Und tatsächlich hat das Studium meine Erwartungen von Anfang an erfüllt. Sehr schön war, dass die Studienordnung, nach der ich damals in Würzburg studiert habe, tatsächlich sowohl Pflichtveranstaltungen in der Philosophie als auch einen großen Anteil biologischer Psychologie vorsah. Das hat mich begeistert, das hat also schon am Anfang ganz gut gepasst.
Wo sehen Sie die Psychologie als Wissenschaft heute?
Die Psychologie hat sich zu einer in der Wissenschaftslandschaft fest verankerten, aber sehr vielfältigen Disziplin entwickelt. Die weite Spannbreite des Faches zeigt sich heute darin, dass manche Institute an der Naturwissenschaftlichen Fakultät angesiedelt sind, andere bei den Geisteswissenschaften, wieder andere in der Nähe der Sozialwissenschaften. Die große Vielfalt birgt einerseits große Chancen. Sie ermöglicht es, ein sehr breites Spektrum von Phänomenen innerhalb einer Disziplin zu untersuchen und dabei viele unterschiedliche Prozesse zu analysieren. Aber die Vielfalt birgt natürlich auch Herausforderungen. Beispielsweise sind die untersuchten Vorgänge in der molekulargenetisch arbeitenden Psychologie doch sehr verschieden von denjenigen, die z.B. in kulturvergleichenden Forschungslinien untersucht werden. Dies erschwert die Kommunikation und Integration von Theorien und Forschungsergebnissen. Der DGPs und mir ganz persönlich ist es sehr wichtig, die Einheit der Psychologie angesichts der Diversität zu fördern.
Bei der genannten großen Diversität innerhalb der Psychologie - gibt es da ein, zwei große Themen, die Sie sehen?
In der Grundlagenforschung sehe ich momentan nur wenige Einzelthemen, die sich in sehr vielen Bereichen der Psychologie wiederfinden. Eines davon ist sicherlich, dass zunehmend viele Psychologen biologische Grundlagen des Erlebens und Verhaltens der Menschen untersuchen. Methoden, die vor vielleicht 15 Jahren nur hier und dort zugänglich waren, können Psychologen heute viel häufiger nutzen, etwa die funktionelle Magnetresonanztomografie.
Auf der Seite der praktischen Probleme, denen sich psychologische Wissenschaft zuwendet, stehen wir vor einer Reihe großer Herausforderungen. Dazu gehören z.B. die zunehmende Zahl psychischer Erkrankungen oder der demographische Wandel in der Arbeitswelt.
Sehen Sie eine Vision für das Fach, etwas, was die Psychologie erreichen könnte?
Es gibt innerhalb unseres Faches durchaus unterschiedliche Terminologien, unterschiedliche hypothetische Konstrukte und auch Unterschiede in den fundamentalen theoretischen Gerüsten, mit denen sich Psychologen dem Erleben und Verhalten annähern. Ein Ziel der Psychologie als Fach sollte es sein, hier eine Integration und eine stärkere Vereinheitlichung zu erreichen.
Wo liegen Ihre eigenen Forschungsschwerpunkte?
In einem großen Forschungsstrang beschäftigen wir uns momentan mit der Entwicklung und Verbesserung von Methoden, mittels derer wir mentale Konstrukte wie z.B. soziale Einstellungen oder Stereotype messen können, ohne Befragungen durchführen zu müssen. In einem zweiten Strang interessiert uns das Zusammenspiel affektiver Zustände einerseits und Denkvorgängen, Wahrnehmung sowie Aufmerksamkeit andererseits. Wir untersuchen z.B. wie affektive Zustände, positive wie negative, die geistige Flexibilität beeinflussen.
Eine Frage zur DGPs, aus Ihrer Sicht, wozu ist sie da, was soll sie erreichen?
Wissenschaft ist im Kern ein demokratisches, auf Vielfältigkeit und Kleinstaatlichkeit fußendes Unternehmen. Die DGPs will in dieser "föderalen Landschaft" dabei helfen, einheitliche Grundstrukturen zu entwickeln, die Forschung und Lehre stärken. Dazu gehört auch, die wissenschaftliche Psychologie nach Außen zu vertreten. Das erfolgt in unterschiedlicher Form, z.B. in Empfehlungen zur Organisation des Studiums, der Erarbeitung wissenschaftlicher Standards oder der Vertretung der Psychologie im Dialog mit politischen Instanzen.
Die DGPs hat vor kurzem einen Fakultäten-Tag angeregt. Ist das ein Beispiel dafür, wie Sie sich eine übergreifende Zusammenarbeit vorstellen?
Der Fakultäten-Tag ist ein gutes Beispiel für eine Struktur, die es Vertretern der psychologischen Wissenschaft leichter machen kann, ihre Interessen besser zu vertreten. Bisher hat die DGPS ein Mandat für ihre Mitglieder, nicht aber für ganze Institute oder Fachbereiche an den Hochschulen.
Um den Fakultäten-Tag zu gründen, sind allerdings noch einige Schritte notwendig. Wir wollen das gut und sorgfältig mit der Mitgliedschaft absprechen und planen. Dazu wird es diesem Planungsprozess einige Rückmeldeschleifen geben.
Welche Aufgaben erfüllen Sie innerhalb der DGPs?
Als Schriftführer fallen mir unterschiedliche Aufgaben zu. Zu allererst und im wahrsten Sinne des Wortes geht es in Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle um jeglichen Schriftverkehr der DGPs. So beantworten wir beispielsweise Anfragen von außen, geben Pressemitteilungen heraus und betreuen den Internetauftritt der Gesellschaft. Darüber hinaus engagiere ich mich in der Öffentlichkeitsarbeit, z.B. in Hintergrundgesprächen mit Journalisten. Ich bin Mitglied der Kommission Studium und Lehre, in der wir uns intensiv mit der Umsetzung der Bologna-Reform beschäftigen.
Was wünschen Sie sich für die Studierenden der Psychologie - oder auch von ihnen?
Ganz konkret wünsche ich mir für die Studierenden, dass es ihnen allen möglich sein wird, einen Master-Abschluss zu machen. Das wird derzeit kontrovers diskutiert, aber meiner Meinung nach ist für unser Fach die Ausbildung bis zum Master sehr wichtig. Ich wünsche den Studierenden dabei auch mehr Freiheiten. Sie sollten sich nicht eingeengt fühlen, nicht denken, einen ganz bestimmten Weg gehen zu müssen. Es ist vielleicht nicht zeitgemäß, aber ich begreife das Studium zu einem großen Teil nicht nur als Berufsausbildung, sondern als Persönlichkeitsbildung und im engeren Sinn als intellektuelle Bildung. Dazu gehört die Möglichkeit, in einem gewissen Rahmen frei seinen intellektuellen Neigungen nachzugehen. Ich wünsche den Studierenden Randbedingungen an den Hochschulen und in der Gesellschaft, die einen solchen Freiraum ermöglichen und wertschätzen.
Und von den Studenten wünsche ich mir, dass sie einen solchen Raum auch nutzen.
