Nachruf Paul B. Baltes

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Nachruf Paul B. Baltes

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Paul B. Baltes ist am 7. November 2006 im Alter von 67 Jahren in Berlin verstorben.

Paul B. Baltes hat mit Elan und zunächst gutem Erfolg eine Krebserkrankung bekämpft. Selbst vom Krankenbett aus blieb er aktiv, redigierte Texte und führte Telefongespräche. Nachdem sich sein Zustand so verschlechtert hatte, dass ihm dies nicht mehr möglich war, traf er die klare, nachdrückliche Entscheidung, weitere Diagnostik und Therapie abzubrechen. Er starb friedvoll zu Hause.

Zu den wichtigsten Forschungsthemen von Paul B. Baltes gehörten die geistige Entwicklung über die Lebensspanne, die Erforschung der Weisheit sowie methodologische Innovationen. Zusammen mit seiner verstorbenen Frau, Margret Baltes, entwarf er eine Theorie erfolgreicher menschlicher Entwicklung als Zusammenwirken von Selektion, Optimierung und Kompensation. Sein besonderes Interesse galt der unvollendeten Architektur des Lebenslaufs im hohen Alter.

Paul B. Baltes hat psychische Entwicklung im Wechselspiel von Allgemeinheit und Individualität, Selbstbestimmtheit und Widerfahrnis, Biologie und Kultur umfassend dargestellt. Die Ergebnisse seiner Forschung haben Wissenschaft und Gesellschaft neue Einsichten und Wege eröffnet. Paul B. Baltes erkundete den Möglichkeitsraum menschlichen Lebens im Geiste der Aufklärung. Er hat die Psychologie der Lebensspanne neu geordnet.

Paul B. Baltes war ein brillanter Wissenschaftler, ein weitsichtiger Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung sowie ein Vorbild und erfolgreicher Mentor zahlreicher junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung verdankt Paul B. Baltes sehr viel.

Das Kollegium: Jürgen Baumert, Gerd Gigerenzer und Ulman Lindenberger

 

Beisetzung und Trauerfeier

Die Beisetzung wird im engsten Familienkreise bei Saarlouis stattfinden. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wird eine akademische Trauerfeier veranstalten, deren Zeitpunkt zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben wird.

Paul B. Baltes hinterläßt seine Frau, Prof. Dr. Christine Windbichler, LL.M., und seine Kinder Anushka Baltes und Boris Baltes, PhD., mit Dawn McGraw, Gavin und Kai. Anstelle von Blumen kann an die Margret M. Baltes und Paul B. Baltes Stiftung gespendet werden, Konto-Nr. 05010275 00, Dresdner Bank, Bankleitzahl: 100 80000.

Beileidsbekundungen an die Familie können gesendet werden an: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, c/o Anke Schepers, Lentzeallee 94, 14195 Berlin (Dahlem).

 

Zum Lebenslauf von Paul B. Baltes

Paul B. Baltes promovierte 1967 an der Universität des Saarlandes mit einer bahnbrechenden Dissertation zu methodologischen Grundfragen der Entwicklungspsychologie. Anschließend verbrachte er zwölf Jahre als Professor der Psychologie und Professor der Humanentwicklung an verschiedenen amerikanischen Universitäten wie der Pennsylvania State University, wo er die Division of Human Development and Family Studies leitete.

Seit 1980 war Paul B. Baltes Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Von 1980 bis 2004 leitete er den Forschungsbereich Entwicklungspsychologie. 2005 gründete er das Internationale Max-Planck-Forschungsnetzwerk zur Alternsforschung. Er war zugleich Honorarprofessor für Psychologie an der Freien Universität Berlin und seit 2004 in Teilzeit Distinguished Professor of Psychology und Advanced Study Fellow an der University of Virginia.

Innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft hat Paul B. Baltes wichtige Aufgaben übernommen. Von 1985 bis 1988 war er Vorsitzender der Geisteswissenschaftlichen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft, von 1994 bis 1997 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates sowie kraft dieser Ämter Mitglied des Senats der Max-Planck-Gesellschaft. In diesen Funktionen sowie in zahlreichen Gremien wirkte er weitblickend an wichtigen Entscheidungen der Max-Planck-Gesellschaft mit. Für die Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie für die Nachwuchsförderung hat er sich maßgebend und unermüdlich eingesetzt.

Paul Baltes war in verschiedenen nationalen und internationalen Organisationen aktiv wie dem US Social Science Research Council, in dem er 1996 bis 2000 den Vorsitz des Board of Directors inne hatte, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Academia Europea. Er initiierte und leitete große interdisziplinäre Projekte: die Berliner Altersstudie, die mit dem Soziologen Neil Smelser herausgegebene 26-bändige International Encyclopedia of the Social and Behavioral Sciences, die International Max Planck Research School on the Life Course (LIFE) und das Max Planck International Research Network on Aging (MaxnetAging).

Paul Baltes war Autor oder Herausgeber von 18 Büchern und mehr als 250 Artikel und Kapiteln. Für seine wissenschaftliche Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt. Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Universitäten Genf, Jyväsklylä, Stockholm und der Humboldt-Universität zu Berlin und war auswärtiges Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Im Jahr 2000 wurde er in den Orden Pour le mérite der Wissenschaften und Künste aufgenommen. Seit 2001 war er Vizepräsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. 2004 erhielt er den Preis für das wissenschaftliche Lebenswerk der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.