Mit Ungehorsam aus der Zwangsjacke Bachelor

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Mit Ungehorsam aus der Zwangsjacke Bachelor

Wie in einer Zwangsjacke fühlen sich viele Bachelor-Studenten durch starre Studienpläne und ständige Prüfungen. Bei einer Podiumsdiskussion auf dem 47. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) diskutierten Dozenten und Studenten mit der Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz Professor Dr. Margret Wintermantel. DGPs-Präsidentin Professor Dr. Ursula M. Staudinger kündigte eine Bologna-Kommission an.

Bei der Diskussion kristallisierten sich zwei Hauptprobleme der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge heraus: Studenten aus Frankfurt und Magdeburg kritisierten zum einen, durch starre Studienvorgaben in Zeitnot zu geraten. Zum anderen stellten sie die Frage, wer sie als Bachelor-Psychologen überhaupt einstellen würde.

 

Dass die Studierenden in den Bachelor-Studiengängen stärker gestresst sind als ihre Kollegen in Diplom-Studiengängen, bestätigt eine Studie, die Julia Obergfell und Laura Schmidt von der Universität Heidelberg vorstellten. Danach liegt es in erster Linie nicht an den Anforderungen an die Studierenden, sondern an den fehlenden Entscheidungsfreiräumen. Die Studienleiterin Professor Dr. Monika Sieverding rief daher Studierende und Lehrende zum „kollektiven Ungehorsam“ auf. Sie sollten sich die fehlenden Freiräume einfach nehmen: „Irgendwann liegt die durchschnittliche Studiendauer bei acht Semestern – dann werden sich die Universitäten den Gegebenheiten anpassen.“

 

Privatdozent Dr. Ulrich Ebner-Priemer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ergänzte:

„Wenn wir Stress bei Schichtarbeitern und Burnout bei Lehrern untersuchen, dann sollten wir uns auch um unsere Studenten kümmern.“ Ebner-Priemer schlug statt deutschlandweiter Surveys lokale Studien an einzelnen Universitäten vor, um die genaue Studiensituation vor Ort abzubilden.

 

Mögliche Lösungen für den Ausbruch aus der Zwangsjacke Bachelor zeigte auch Dr. Daniel Hausmann von der Universität Zürich. Die Studenten sollten mehr Mitsprache bekommen und die Dozenten ihrerseits transparent machen, welchen Arbeitsaufwand sie von den Studierenden erwarten. Zudem sollten spezielle Didaktikkurse für Dozenten und alternative Prüfungsformen den Stress für Dozenten und Studierende senken.

 

Als Fürsprecher für den Bachelor sieht Professor Dr. Werner Greve aus Hildesheim in dem neuen Studienabschluss sogar eine Chance. Für Bachelor-Absolventen ergäben sich ganz neue Berufsfelder, etwa in der Leitung von Kindertagesstätten oder von Erwachsenenbildungsstätten.

 

Dem schloss sich die Präsidentin der Hochschulrektoren-Konferenz an. Magret Wintermantel forderte, dass die Studenten nach dem Bachelor eine Wahl haben sollen zwischen der Spezialisierung im Master oder dem Einstieg in den Beruf. Die Psychologie habe damit die Chance neue Berufsfelder für sich zu erobern, so Wintermantel. Solange jedoch Stellenangebote für Bachelor-Absolventen rar seien, müssten die Universitäten genügend Master-Plätze bereithalten. Die Spielräume der Universitäten seien durch knappe finanzielle Mittel begrenzt.

 

Am Ende der Diskussion versprach Staudinger in einer eigenen Bologna-Kommission der DGPs die Diskussion weiterzuführen und der Frage nachzugehen, was der Bachelor leisten soll.