Ich sehe, was Du wählst!: Wähler können das politische Lager einzelner Kandidaten an deren Gesichtern erkennen

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Ich sehe, was Du wählst!: Wähler können das politische Lager einzelner Kandidaten an deren Gesichtern erkennen

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Prof. Dr. Michaela Wänke von der Universität Mannheim hat die These untersucht, dass politische Ideologien aus dem Gesicht ablesbar sind. Als Co-Autorin von Jacub Samochowiec zeigt sie zusammen mit Klaus Fiedler in vier Untersuchungsreihen auf, dass Menschen in der Lage sind, allein durch das Betrachten des Äußeren von ihnen unbekannten Politikern, diese korrekt in ein politisches Rechts-Links-Schema einzuordnen.

„Unsere neueren Ergebnisse zeigen auch, dass sich das Aussehen auch auf die geäußerte Wahlabsicht auswirkt. Unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit kommt ein links aussehender Kandidat besser bei links eingestellten Wählern an und ein rechts aussehender eher bei rechts eingestellten“, erläutert Wänke.

In einer ersten Studie wurden Aufnahmen von Politkern aus dem Deutschen Bundestag verwendet, zwanzig vom „rechten“, zwanzig vom „linken“ politischen Lager des Hauses. 97 Studenten der Universität Basel wurden zufällig der einen oder anderen Gruppe zugeordnet und bekamen dann jeweils einen 15-sekündigen Videoclip ohne Ton sowie ein Foto zu sehen. Erstaunlicherweise trafen sie mehrheitlich die richtige Zuordnung, obwohl die Politiker aller Lager einen recht uniformen Kleidungs- und Frisurenstil pflegen.

Um dieses Ergebnis näher zu ergründen, wurden in einer weiteren Studie mittels einer Online-Befragung 82 eher unbekannte Schweizer Parlamentsmitglieder anhand deren offizieller Portraitfotografien von 403 Befragten eingeordnet. Dabei mussten die Politiker auf einer siebenstelligen Skala von „extrem links“ bis „extrem rechts“ einsortiert werden. Die tatsächliche politische Position der Politiker wurde über deren Abstimmungsverhalten im Parlament ermittelt. Erneut wurden die politischen Positionen allein durch das Betrachten überwiegend richtig erkannt.

Zwei weitere Studien stützten diese Ergebnisse. Dabei wurden 40 Studenten wiederum 82 Portraitfotos zur Einordnung in das politische Rechts-Links-Spektrum vorgelegt. Erneut lag die Erfolgsquote deutlich über der Zufallswahrscheinlichkeit. Um nun das entscheidende Kriterium herauszuarbeiten, wurden in der nächsten Studie die Fotos nochmals vorgelegt, allerdings mit herausgeschnittenem Kopf, sodass nur noch die Kleidung der Politiker eine Einordnung möglich hätte machen können. Dies gelang den Teilnehmern nicht. Sahen die Teilnehmer allerdings nur den Kopf ohne Kleidung, ordneten sie die Politiker mehrheitlich richtig zu. Ein Großteil der Wähler kann also tatsächlich an den Gesichtern der Politiker die grundlegende politische Haltung ablesen.

Prof. Dr. Michaela Wänke
Universität Mannheim
School for Social Sciences,
Dept. for Consumer Psychology
Tel: +49(0)621-1811620
E-Mail: <link>michaela.waenke@uni-mannheim.de