Die Ergebnisse einer gerade von den Mannheimer Psychologen Alexander Pundt und Felicia Herrmann im Journal of Occupational and Organizational Psychology veröffentlichten Studie zeigen, dass es sich für eine Führungskraft lohnt, im Umgang mit ihren Mitarbeitern Humor einzusetzen. Allerdings nur, wenn dieser Humor sozialer Art, also wohlwollend und positiv ist.
Für ihre Studie ließen die Autoren insgesamt 152 Personen (82 Frauen und 69 Männer) aus verschiedenen Berufsbranchen ihre Beziehung zu ihren Führungskräften und deren Humor beurteilen. In der Online durchgeführten Befragung unterschieden die Autoren sozialen Humor (z.B. mit anderen freundschaftlich zu scherzen, um sie zu erheitern) von aggressivem Humor (z.B. andere auszulachen oder zu verspotten).
Die Befragten beurteilten den Humor ihrer Führungskraft anhand einer Reihe von Äußerungen, zu denen sie den Grad ihrer Zustimmung angeben sollten, wie "Meine Führungskraft mag es, andere zum Lachen zu bringen" (positiver Humor) oder "Wenn meine Führungskraft jemanden nicht leiden kann, nutzt er/sie oft Humor, um denjenigen zu verspotten" (aggressiver Humor). Die Beziehung zur Führungskraft wurde ebenfalls anhand einer Reihe von Äußerungen erfragt, für die die Befragten ihre Zustimmung angeben sollten, z.B. wie stark sie sich mit ihrer Führungskraft identifizierten, oder in welchem Ausmaß die Führungskraft das Potenzial der Mitarbeiter erkennt, sie bei Bedarf unterstützt und ihnen notfalls auch auf eigene Kosten "aus der Patsche" helfen würde.
Die Teilnehmer füllten den Fragebogen im Abstand von sechs Wochen zweimal aus. Dadurch konnte untersucht werden (a) wie sich die Beziehung zum Vorgesetzten in dieser Zeit verändert; (b) wie sich die Einschätzung des Humors verändert; und (c) wie sich die Humoreinschätzung bei der ersten Messung auf die Beziehungseinschätzung bei der zweiten Messung auswirkt.
Beziehungsaufbau durch Humor
Die Forscher nehmen an, dass der Humor einer Führungskraft sowohl die Beziehung beeinflusst, als auch wie sehr sich die Mitarbeiter mit der Führungskraft identifizieren. Um diese Annahme zu untersuchen, analysierten sie die Zusammenhänge zwischen den Humorbewertungen und den Beziehungsbewertungen. Die Ergebnisse zeigen: Mitarbeiter, deren Führungskräfte häufig positiven Humor nutzten, bewerteten die Beziehung zu ihren Vorgesetzten nach Ablauf der sechs Wochen positiver. Auch die Identifikation des Mitarbeiters mit der Führungskraft veränderte sich in eine positive Richtung. Mitarbeiter hingegen, deren Führungskräfte aggressiven Humor zeigten, beurteilten die Beziehung zu ihrem Vorgesetzten schlechter. Die Autoren vermuten, dass humorvolles Auftreten einer Führungskraft als ein Angebot an die Mitarbeiter angesehen werden könnte, sich mit ihr zu identifizieren, während aggressiver Humor eher zu einem Distanzaufbau führt. Die Identifikation mit der Führungskraft spielt eine Schlüsselrolle im Aufbau einer Beziehung zwischen Mitarbeiter und Führungskraft, die von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt ist.
"Auch im seriösen Wirtschaftsleben hat Humor also einen berechtigten Platz" sagt Alexander Pundt. "Aufgrund der Ergebnisse unserer Studie sehe ich jedenfalls keinen Grund, Humor - zumindest positiven Humor - aus der Führung von Mitarbeitern zu verbannen."
Die Originalstudie finden Sie hier:
Pundt, A. & Herrmann, F. (2015). Affiliative and aggressive humour in leadership and their relationship to leader-member exchange. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 88, 108-125.
Weitere Informationen:
Dr. Alexander Pundt
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Arbeits- und Organisationspsychologie
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