Hilfe für Opfer von Brandverletzungen

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Hilfe für Opfer von Brandverletzungen

Neues Gruppentraining begleitet Brandverletzte nach ihrer traumatischen Erfahrung zurück ins Leben

Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 1800 Menschen in Zentren für Schwerbrandverletzte behandelt. Das Leben der Betroffenen verändert sich nach ihrem Unfall tief greifend und oftmals bleibend. Brandverletzte leiden nicht nur an den Schmerzen und körperlichen Einschränkungen. Auch die ästhetischen Veränderungen und die Erinnerungen an den Unfall sind belastend. Viele Betroffene befürchten negative Reaktionen ihrer Mitmenschen und ziehen sich zurück. Häufige Folgen sind posttraumatische Belastungsstörungen, Alkoholabhängigkeit und Depression. Deutsche Psychologen haben nun ein neues Behandlungsprogramm entwickelt, durch das sich die Betroffenen weniger belastet fühlen und sich dem Alltag wieder optimistischer zuwenden können.

"Obwohl der Bedarf an psychosozialen Unterstützungsangeboten für Brandverletzte groß ist, mangelt es bisher an geprüften psychologischen Behandlungsprogrammen für diese Patientengruppe" sagt Babette Renneberg, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Freien Universität Berlin. In Zusammenarbeit mit den Schwerbrandverletztenzentren der BG Unfallklinik Ludwigshafen und des Unfallkrankenhauses Berlin haben sie und ihre Mitarbeiter ein verhaltenstherapeutisches Gruppentraining für Opfer von Brandverletzungen entwickelt und in drei Schwerbrandverletztenzentren und zwei Reha-Kliniken erprobt.

Früher Austausch mit anderen Betroffenen

Das Training richtet sich an Brandverletzte nach der Akutbehandlung. Es besteht aus acht Sitzungen, in denen die Teilnehmer über psychische und medizinische Folgen von Brandverletzungen informiert werden. Geschulte Psychologen leiten sie an, sich über ihre Erfahrungen im Umgang mit den körperlichen Veränderungen auszutauschen. Zusätzlich üben sie Verhaltensweisen für schwierige soziale Situationen ein. In Rollenspielen trainieren sie auf negative Bemerkungen über ihre Brandnarben zu reagieren und mit Fragen zu ihrem Unfall umzugehen.

An der Untersuchung nahmen insgesamt 86 Patienten mit Brandverletzungen teil. Zusätzlich zur gewohnten Nachbehandlung, die aus Narbenbehandlungen und Physiotherapie besteht, erhielten sie das Gruppentraining. Eine Kontrollgruppe mit 128 Patienten erhielt nur die Nachbehandlung. Beide Gruppen wurden zu drei Zeitpunkten - vor und nach der Behandlung sowie sechs Monate später - über ihre körperliche und psychische Gesundheit, ihre Ressourcen (darunter auch ihr Optimismus) und ihre Lebensqualität befragt.

Weniger Belastung, mehr Optimismus

Die Zufriedenheit der Brandverletzten mit dem Gruppentraining war sehr hoch: 90% der Teilnehmer vergaben die Note "sehr gut oder gut", 80% empfanden es als "sehr hilfreich oder hilfreich". Sechs Monate nach der Teilnahme waren die allgemeine psychische Belastung und die Belastung durch posttraumatische Symptome bei den Trainingsteilnehmern deutlich abgeschwächt. In der Kontrollgruppe zeigte sich dagegen keine Veränderung der Belastung. Brandverletzte äußern sich sechs Monate nach der Trainingsteilnahme auch zunehmend optimistischer, während sich der Optimismus in der Kontrollgruppe, die das Training nicht erhalten hatte, nicht veränderte.

"Gerade die Zeit nach der Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Reha-Einrichtung ist herausfordernd, weil die Patienten lernen müssen, mit den körperlichen Einschränkungen umzugehen und weil sie die medizinische Nachversorgung in ihrem Alltag organisieren müssen", sagt die Psychologin Annika Seehausen, eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der Studie. "Wir sind zuversichtlich, dass durch das Training die Hemmschwelle herabgesetzt wird, sich bei Bedarf weiterführende psychologische Hilfe zu suchen." 

Ansprechpartnerin für die Presse:

Anne Klostermann
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Marienstr. 30
10117 Berlin
E-Mail: <link>klostermann@dgps.de
Tel: 030 28047718

 

Die Originalstudie finden Sie hier:

<link http: www.burnsjournal.com article abstract external-link-new-window external link in new>www.burnsjournal.com/article/S0305-4179%2814%2900234-4/abstract

 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Babette Renneberg, Dipl.-Psych. Annika Seehausen
Freie Universität Berlin
Klinische Psychologie und Psychotherapie
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
E-Mail: <link>b.renneberg@fu-berlin.de
Tel: 030 838 55784