Der Valentinstag am 14. Februar gilt in vielen Ländern der Erde als „Tag der Liebenden“. Obwohl die Tradition aus dem Christentum stammt, ist sie mittlerweile auch in Asien verbreitet. Zur Geschichte: Im 5. Jahrhundert führte die Kirche den Gedenktag des Märtyrers Valentinus ein. Der Legende nach führte er verbotene Taufen und Hochzeiten mit römischen Soldaten durch und wurde dafür von den römischen Herrschern hingerichtet. Der Tochter seines Wärters, die er während seiner Gefangenschaft geheilt haben soll, soll er zum Abschied „von deinem Valentinus“ geschrieben haben.
Die katholische Kirche hat den Gedenktag 1969 aus dem Römischen Generalkalender gestrichen. Dennoch ist der Valentinstag inzwischen in der europäischen und nordamerikanischen Kultur verwurzelt. In Deutschland hat nicht zuletzt die Werbung für Blumen und Süßigkeiten rund um dieses Tag zur allgemeinen Verbreitung beigetragen.
„In der Liebesbeziehung gilt Ähnliches wie in jeder anderen menschlichen Beziehung. Man sollte das geben, was man bekommen möchte: Freundlichkeit, Rücksicht, Respekt“, so Prof. Dr. Jürgen Margraf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs). Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – das gilt auch für die Paarbeziehung. Ohne eigene Bemühungen um den Partner ist eine lebendige Beziehung nicht aufrecht zu erhalten. Deshalb bietet der Valentinstag eine Gelegenheit, sich beim Partner für die gemeinsame Zeit zu bedanken. Im Alltag kommt dies ja meist zu kurz.
Die Liebe
Doch wer ist eigentlich Liebender? Und was ist die Liebe? Generationen von Dichtern, Denkern und ganz gewöhnlichen Menschen haben sich den Kopf über dieses Mysterium zerbrochen. Mittlerweile haben Psychologie und Neurowissenschaft Antworten auf den Zustand des Verliebtseins gefunden: Verliebte zeigen ähnliche Symptome wie psychisch Kranke, ihre Zurechnungsfähigkeit ist herabgesetzt (rosa Brille). „Die neuronalen Muster im Gehirn sind vergleichbar mit Zuständen, die durch Rauschmittel verursacht wurden. Der Körper schüttet Botenstoffe aus, die das Belohnungszentrum im Gehirn anregen. Ein ähnlicher Vorgang geschieht im Übrigen auch, wenn ein Forscher eine wissenschaftliche Entdeckung macht – allerdings hält der Zustand gewöhnlich nicht so lange an wie bei Liebenden“, so Prof. Dr. Manfred Hassebrauck von der Bergischen Universität Wuppertal.
Der US-amerikanische Psychologie Robert Sternberg entwickelte1986 die „Dreieckstheorie der Liebe“: Die verschiedenen Formen der Liebe ergeben sich danach im Spannungsfeld zwischen Vertrautheit, Leidenschaft und Bindung. Bei Verliebten die Leidenschaft sehr ausgeprägt, doch besteht selten eine konkrete Bindungsabsicht. Mit der Zeit baut sich die Vertrautheit auf und danach fällt die Entscheidung für eine langfristige Bindung.
Die vollendete Liebe
Wenn in einer Paarbeziehung nach einiger Zeit das „Prickeln“ der Anfangszeit fehlt, sollte man die Beziehung nicht gleich aufgeben, betont der Psychologe Prof. Hassebrauck. Wichtiger ist seiner Ansicht nach die Vertrautheit, denn fehle diese, bleibe eine leere Liebe zurück. Da es kaum möglich sei, Leidenschaft auf Dauer zu erhalten, sei die „vollendete Liebe“, bei der alle drei Dimensionen Vertrautheit, Leidenschaft und Bindung zusammenkommen, sehr selten.
Haben wir die Liebe auf den Kopf gestellt?
Heute ist die klassische Liebesreihenfolge häufig auf den Kopf gestellt: Es besteht eine Bindungsabsicht, aber es fehlt die passende Partnerin oder der passende Partner. Auf Partnerschaftsbörsen im Internet versuchen Millionen Deutsche, diesen Zustand zu ändern. Sie hoffen, dass sich die Liebe einstellen wird, wenn sie die von Computerprogrammen ausgewählte Person mit ähnlichen Interessen näher kennenlernen.
Prof. Hassebrauck berichtet von Umfragen, nach denen heute bereits jede dritte Beziehung im Internet begonnen habe. Im Hinblick auf die Partnersuche im Internet rät er, nichts vorzutäuschen, denn niemand könne sich auf lange Sicht verstellen. Das Foto des Profils sollte aktuell und nicht retuschiert sein. Das erste Treffen sollte an einem öffentlichen Ort stattfinden, nicht in der privaten Wohnung. Dabei gilt: Nicht nur von sich selbst erzählen, sondern Interesse am Gegenüber zeigen und Fragen stellen. Nicht immer haben die Menschen beim Date ähnliche Absichten. Deshalb rät Prof. Hassebrauck, auf das eigene Bauchgefühl zu hören, wenn einem etwas seltsam vorkommt.
Kontakt:
Prof. Dr. Manfred Hassebrauck
Bergische Universität Wuppertal
Tel.: 0202 – 439 2320
Email: hassebrauck@uni-wuppertal.de
<link http: www.sozialpsychologie.uni-wuppertal.de index.php personen manfred-hassebrauck.html extern>www.sozialpsychologie.uni-wuppertal.de/index.php/personen/manfred-hassebrauck.html
