Sich im Zahlendschungel von Statistiken zurechtzufinden, fällt vielen Menschen schwer. Dr. Carmen Keller von der Eidgenössischen Hochschule Zürich empfiehlt, in Grafiken den unbekannten Risiken bekannte Vergleichsgrößen entgegenzustellen. Keller untersuchte, wie gut Menschen mit einem geringen Zahlenverhältnis ihr Risiko durch eine bestimmte Radonbelastung im Boden in einer Tabelle ablesen können. Das gelang den Probanden besser, wenn das Risiko der Radonbelastung mit einer bestimmten Anzahl Zigaretten verglichen wurde. Die gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens waren den Probanden vertraut.
Wie Stellungnahmen von Behörden oder Pharmafirmen wahrgenommen werden, zeigte Dr. Cornelia Betsch von der Universität Erfurt. Grundsätzlich waren Probanden skeptischer, wenn mögliche Risiken etwa von Impfungen in den Stellungnahmen völlig ausgeschlossen wurden. Nur wenige wollten sich impfen lassen. Glaubwürdiger erschienen Stellungnahmen, die Nebenwirkungen nicht ausschlossen. Auch die Quelle ist für die Glaubwürdigkeit entscheidend: Als die Psychologen eine ansonsten identische Homepage jeweils mit dem Logo eines Bundesamts oder eines Pharmaunternehmens versahen, hielten die Probanden die Informationen auf der Homepage des fiktiven Bundesamtes für glaubwürdiger.
Dr. Stephanie Kurzenhäuser vom Bundesinstitut für Risikobewertung konnte bestätigen, dass sich Besucher der Homepage des Instituts nach dem Lesen von Stellungnahmen zu bekannten und unbekannten Themen informierter fühlen und die darin beschriebene Risikobewertung übernehmen.
Doch nicht nur Behörden informieren über Gesundheitsthemen. Immer mehr Firmen bieten im Internet Gesundheitstests an. Wenn die Ergebnisse ankommen, sind jedoch viele Menschen verunsichert. Gute Nachrichten werden gerne angenommen, negativen wird eher weniger geglaubt, sagt Professor Dr. Britta Renner von der Universität Konstanz. In einer Vergleichsstudie mit Probanden aus Costa Rica, Deutschland und Südkorea zeigte sich, dass es auch darauf ankommt, ob die Teilnehmer die Antwort erwartet haben oder nicht. So akzeptierten die Probanden auch unerwartet positive Antworten weniger.
Einen ganz praktischen Ansatz wählte Dr. Tabea Reuter von der Universität Konstanz, um herauszufinden, wie sehr sich ihre Probanden von der Schweinegrippe bedroht fühlten: Sie schickte jedem Probanden einen Gutschein für ein Desinfektions-Set, das er sich in einem eigens eingerichteten Büro an der Universität abholen konnte.
Tatsächlich kamen nur die Probanden, die sich in einer Umfrage besorgter gezeigt hatten. Insgesamt nahmen nur neun Prozent der Teilnehmer den Weg auf sich. Wichtig ist, bei der Risikokommunikation nicht nur Zahlen zu präsentieren, sondern auch das Risiko als Gefühl mit einbeziehen, empfahl Reuter.
Nicht nur bei Impfungen, sondern auch bei Früherkennungsuntersuchungen sind Patienten auf Informationen über Nutzen und Risiken angewiesen. Offenbar haben sowohl Broschüren als auch Ärzte einen bestimmten Einfluss, erklärte Dr. Odette Wegwarth vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Die Patienten glaubten besonders Broschüren mit transparenten Informationen. Aber auch das Geld spielte bei der Entscheidung mit: Die Ärzte hatten den größten Einfluss auf die Entscheidung der Patienten bei Behandlungen, die nicht von der Krankenkasse übernommen wurden.
Kontakt:
Dr. Carmen Keller, ETH Zürich 0041-632 49 83, ckeller@--no-spam--ethz.ch
Dr. Cornelia Betsch, Universität Erfurt 0361-737 16 31 , cornelia.betsch@--no-spam--uni-erfurt.de
Professor Dr. Britta Renner, Universität Konstanz 07531 88-46 79, britta.renner@--no-spam--unikonstanz.de
Dr. Stephanie Kurzenhäuser, Bundesinstitut für Risikobewertung 030-18412-2186 Stephanie.Kurzenhaeuser@--no-spam--brf.bund.de
Dr. Odette Wegwarth, MPI für Bildungsforschung, 030-82406-695, wegwarth@--no-spam--mpibberlin.mpg.de
