Zum Welttag der Wissenschaft für Frieden und Entwicklung 2025 schließt sich die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) dem diesjährigen Thema der UNESCO mit Nachdruck an: „Vertrauen, Transformation und Morgen: Die Wissenschaft, die wir für 2050 brauchen.“
Vertrauen in Wissenschaft ist Grundlage einer aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft. Transformation gelingt nur, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse gehört, verstanden und in politische wie gesellschaftliche Prozesse integriert werden. Wissenschaft von heute muss Zukunft antizipieren, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch reflektieren und sie verantwortungsvoll mitgestalten.
Vertrauen und Freiheit als Fundament wissenschaftlicher Verantwortung
Wissenschaft lebt vom Vertrauen der Gesellschaft in ihre Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit – Vertrauen, das nur durch Freiheit, Transparenz und Integrität entstehen kann. Die DGPs steht für Forschung, die unabhängig von politischen, ideologischen und ökonomischen Interessen betrieben wird. Nur unabhängige Wissenschaft kann das Vertrauen in Wissen und Forschung dauerhaft stärken. Gerade in Zeiten zunehmender Fehlinformation, Polarisierung und gesellschaftlicher Verunsicherung ist dieser Beitrag zu einer resilienten, offenen Gesellschaft unverzichtbar.
Transformation gestalten – mit psychologischer Expertise
Die vielfältigen Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft – technische und gesellschaftliche Entwicklungen, globale Herausforderungen wie Klimawandel, erodierende Demokratien oder kriegerische Auseinandersetzungen weltweit – erfordern ein tiefes und differenziertes, wissenschaftlich fundiertes Verständnis menschlichen Erlebens und Verhaltens. Psychologische Forschungsergebnisse beschreiben und erklären, wie Wandel gelingt: wie Motivation, Selbstwirksamkeit und Sinn entstehen, wie Menschen mit Herausforderungen umgehen und wie Kooperation über Grenzen hinweg gestärkt werden kann.
Die wissenschaftliche Psychologie umfasst die Erforschung grundlegender kognitiver, emotionaler, motivationaler und sozialer Prozesse des menschlichen Erlebens und Verhaltens – ebenso wie deren Anwendung in Gesundheit, Bildung, Arbeit, Technik und Gesellschaft. Diese Vielfalt spiegelt sich in der DGPs wider: einer Fachgesellschaft mit 17 Fachgruppen, die alle relevanten Teilgebiete der wissenschaftlichen Psychologie abdecken, sowie zahlreiche Kommissionen und Interessengruppen. Sie ermöglichen es, komplexe Zukunftsfragen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und wissenschaftlich fundierte Antworten zu geben.
Eine verantwortungsvolle Wissenschaft beruht auf einem lebendigen Zusammenspiel von Grundlagen- und Anwendungsforschung. Nur wenn beide Bereiche gefördert und sinnvoll verbunden werden, kann Psychologie zugleich neues Wissen schaffen und konkrete gesellschaftliche Lösungen bieten.
Vier Leitlinien für eine Wissenschaft der Zukunft
Aktuell verfolgt die DGPs vier zentrale Ziele, die dem UNESCO-Motto „Vertrauen, Transformation und Morgen“ entsprechend den Beitrag der Psychologie zu einer sich wandelnden und zukunftsfähigen Wissenschafts- und Gesellschaftslandschaft stärken:
- Verantwortungsübernahme in Krisenzeiten: Wissenschaftliche Psychologie bietet Orientierung und Unterstützung in gesellschaftlichen Umbrüchen.
- Einheit und Vielfalt des Faches: Unterschiedliche Perspektiven und Ansätze bereichern eine lebendige und verlässliche Wissenschaft.
- Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Junge Forschende gestalten die Wissenschaft von morgen – sie verdienen faire Bedingungen, Chancengerechtigkeit und Freiräume für Innovation.
- Brückenbauen und Netzwerken: Interdisziplinäre Kooperation sowie Dialog mit Politik, Medien und Gesellschaft stärken Vertrauen und Wirkung wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Psychologische Wissenschaft für eine zukunftsfähige Gesellschaft
Vorstand, Fachgruppen, Kommissionen und Interessengruppen der DGPs arbeiten gemeinsam an Projekten, die psychologische Erkenntnisse in gesellschaftlich relevante Handlungsfelder transferieren und nutzbar machen – etwa in Nachhaltigkeit, Bildung, Demokratieförderung, Gesundheit, Künstlicher Intelligenz sowie in Forschung und Lehre. Diese Zusammenarbeit stärkt die praktische Wirksamkeit psychologischer Forschung und fördert den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.
Die DGPs versteht Psychologie als Teil einer Welt im Wandel – einer Wissenschaft, die durch Integrität Vertrauen schafft, Verantwortung übernimmt und Zukunft mitgestaltet. Zum Welttag der Wissenschaft 2025 ruft die DGPs dazu auf, wissenschaftliche Freiheit zu schützen und psychologische Expertise als einen wichtigen Schlüssel für die Gestaltung einer nachhaltigen, gerechten und humanen Zukunft zu nutzen.
Der Vorstand der DGPs
Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier, Prof. Dr. Annette Kluge, Prof. Dr. Jörn Sparfeldt, Prof. Dr. Ulrich Ansorge, Prof. Dr. Matthias Nückles, Dr. Matthias Sperl & Prof. Dr. Robert Kumsta
