Aktuelles

Stellungnahme des DGPs-Vorstands zur Begründung der APS für die Entlassung von Klaus Fiedler

Vorstand Stellungnahme

Der Vorstand der DGPs hat sich intensiv sowohl mit der Begründung der Association for Psychological Science (APS) vom 15.12.2022 als auch mit den Vorgängen, die zur Entlassung unseres DGPs-Mitglieds als Herausgeber der Zeitschrift „Perspectives on Psychological Science" geführt haben, beschäftigt und nimmt dazu wie folgt Stellung.

Die Association for Psychological Science (APS) hat am vergangenen Donnerstag ihr Statement zur Entlassung von Prof. Dr. Klaus Fiedler als Herausgeber der Zeitschrift "Perspectives on Psychological Science" aktualisiert und die Gründe für die Demission benannt (https://www.psychologicalscience.org/news/news-release/2022-december-editorial-statement.html). Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat sich intensiv sowohl mit dieser Begründung als auch mit den Vorgängen, die zur Entlassung unseres DGPs-Mitglieds geführt haben, beschäftigt (vgl. auch unser Statement vom 09.12.2022, https://www.dgps.de/aktuelles/details/statement-des-dgps-vorstands-zu-den-vorwuerfen-gegen-mitglied-klaus-fiedler/). Aus unserer Sicht werden sowohl die prozedurale Handhabung des Vorgangs als auch die vorgelegten inhaltlichen Begründungen dem Fall nicht hinreichend gerecht. Wir möchten daher folgendes feststellen:

  • Klaus Fiedler ist vorgeworfen worden, als Herausgeber falsch und zudem rassistisch gehandelt zu haben. Der Vorwurf des Rassismus gehört unserer Meinung nach zu den schwerwiegendsten Anschuldigungen, die man gegen eine Person vorbringen kann. Die APS hat sich in ihrer Urteilsbegründung den Rassismusvorwurf nicht zu eigen gemacht, aber auch nichts unternommen, um Klaus Fiedler gegen diesen Vorwurf in Schutz zu nehmen. Wir halten das für unangemessen und rufschädigend.
  • Um es ganz klar zu formulieren: Die DGPs verurteilt jede Form von Rassismus, und auch Klaus Fiedler verurteilt jede Form von Rassismus. Gäbe es für uns auch nur den geringsten Zweifel hieran, so hätte die DGPs Klaus Fiedler nicht im September dieses Jahres die Wilhelm-Wundt-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und, hiermit verbunden, die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Zu dieser Entscheidung stehen wir uneingeschränkt.
  • Selbstverständlich kann man Klaus Fiedlers Entscheidungen und Handlungen als Herausgeber im hier vorliegenden Fall kritisch hinterfragen. Wir wünschen uns, dass dies unter Einbezug der Perspektive beider Seiten geschieht. Zudem sollten die Rahmenbedingungen, unter denen Herausgeber*innen üblicherweise ihrer Tätigkeit nachgehen, berücksichtigt werden. Selbst wenn man dann zu dem Ergebnis käme, dass Klaus Fiedler in diesem konkreten Fall Fehler unterlaufen sind, wäre es aus unserer Sicht unverhältnismäßig, ihn auf der Grundlage der fehlerhaften Handhabung eines einzelnes Falls von der Herausgebertätigkeit zu entbinden. Und schon gar nicht rechtfertigt es aus unserer Sicht die massive Vorverurteilung, die unter anderem in sozialen Netzwerken stattgefunden hat und immer noch stattfindet.
  • Dieser Fall wirft aus unserer Sicht grundsätzliche Fragen im Hinblick auf Richtlinien und Rahmenbedingungen für herausgeberische Tätigkeit auf. Wie kann man sicherstellen, und wie können Herausgeber*innen auch selbst sicherstellen, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt? Das mag zunächst einmal "in Hindsight" so erscheinen, als wäre es einfach zu beantworten, aber Herausgeber*innen müssen "in Foresight" agieren. Wie können oder sollen Herausgeber*innen beispielsweise vorab sicherstellen, dass die üblicherweise sehr kleine Stichprobe von Personen, die ein Review zu einem Manuskript vorlegen, hinsichtlich aller kritischen Merkmale, die durch ein Papier tangiert werden, eine gewisse Repräsentativität aufweist? Wie lässt sich die Zusammensetzung der Reviewer-Stichprobe optimieren, ohne dass zugleich die heutzutage ebenfalls sehr wichtige Geschwindigkeit des Review-Prozesses vernachlässigt wird? Und wie viel Freiheit will man Herausgeber*innen in der Beurteilung und Handhabung von Manuskripten zugestehen? Diese Fragen möchten und werden wir in Zusammenarbeit mit unseren Kommissionen erörtern, und wir werden hierzu, soweit es uns möglich ist, Vorschläge vorlegen und veröffentlichen.