Neue Forschungsgruppen in der Entwicklungspsychologie

Prof. Dr. Nicola Ferdinand, Bergische Universität Wuppertal

Prof. Dr. Louisa Kulke, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Weitere bisher vorgestellte Forschungsgruppen

 

 

 

Prof. Dr. Nicola Ferdinand, Bergische Universität Wuppertal

Nicola Ferdinand, Corinna Lorenz, Johannes Levin Graf, Jana Isabelle Braunwarth

 

Nicola Ferdinand hat im November 2019 die Leitung des Lehrstuhls für Psychologie mit Schwerpunkt Neurokognitive Entwicklung und Verhaltensregulation an der Bergischen Universität Wuppertal übernommen.

In unserer Forschung beschäftigen wir uns damit, wie sich die menschliche Fähigkeit zum adaptiven Verhalten über die Lebensspanne entwickelt. Dazu untersuchen wir, wie sich kognitive Prozesse, wie beispielsweise (implizites und explizites) Lernen und Gedächtnis, die Verarbeitung von Fehlern und Feedback, die Handlungsüberwachung und die kognitive Kontrolle von der Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter verändern. Zur Untersuchung dieser Entwicklungsprozesse setzen wir sowohl behaviorale als auch neurowissenschaftliche Methoden, wie das Elektroenzephalogramm (EEG), ein.

Neben diesen grundlegenden Mechanismen des Lernens und der Verhaltenskontrolle beschäftigen wir uns mit emotionalen und sozialen Einflüssen auf die kognitive Entwicklung. Speziell interessiert uns, wie emotionales Material oder soziale Kontexte das Lernen und unsere Fähigkeit zur kognitiven Kontrolle beeinflussen und ob man mit Hilfe von emotionalen Materialien die kognitive Leistungsfähigkeit, besonders in der Kindheit oder dem älteren Erwachsenenalter, stärken kann.

Außerdem interessiert uns die Interaktion von Motivation und Kognition. Obwohl man weiß, dass motivationale Anreize eine Wirkung auf die Bearbeitung vieler Aufgaben haben, ist der Anreiz selbst in den seltensten Fällen Gegenstand der Untersuchung, da man annimmt, dass er die zugrundeliegenden Prozesse nicht verändert. Diese Annahme muss aber besonders bei der Untersuchung der Fehler- und Feedbackverarbeitung hinterfragt werden, denn es besteht eine große Überlappung zwischen den Hirnarealen, die für die Verarbeitung von Anreizen und Belohnungen und denen, die für Lernen aus Fehlern und Feedback zuständig sind. Außerdem verändert sich der subjektive Wert verschiedener Anreize über die Lebensspanne. Aus diesem Grund untersuchen wir in einem aktuellen DFG-Projekt die Wirkung verschiedener Anreiztypen (z.B. monetäre Anreize, Leistungsfeedback, primäre Verstärker) auf die kognitiven Fähigkeiten über die Lebensspanne.

 

Auswahl aktueller Publikationen:

  • Ferdinand, N.K., & Hilz, M. (2020). Emotional feedback ameliorates older adults’ feedback-induced learning. PLOSOne, 15(4): e0231964.
  • Gajewski, P. D., Ferdinand, N. K., Kray, J., & Falkenstein, M. (2018). Understanding sources of adult age differences in task switching: Evidence from behavioral and ERP studies. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 92, 255–275.
  • Ferdinand, N. K., & Czernochowski, D. (2018). Motivational Influences on Performance Monitoring and Cognitive Control Across the Adult Lifespan. Frontiers in Psychology, 9, 1018.
  • Ferdinand, N. K., & Kray, J. (2017). Does language help regularity learning? The influence of verbalizations on implicit sequential regularity learning and the emergence of explicit knowledge in children, younger and older adults. Developmental Psychology, 53(3), 597–610.
  • Ferdinand, N. K., Becker, A. M. W., Kray, J., & Gehring, W. J. (2016). Feedback processing in children and adolescents: Is there a sensitivity for processing rewarding feedback? Neuropsychologia, 82, 31–38.
  • Ferdinand, N. K., & Kray, J. (2014). Developmental changes in performance monitoring: How electrophysiological data can enhance our understanding of error and feedback processing in childhood and adolescence. Behavioural Brain Research, 263, 122–132.
  • Ferdinand, N. K., & Opitz, B. (2015). Different aspects of performance feedback engage different brain areas: Disentangling valence and expectancy in feedback processing. Scientific Reports, 4(1), 5986.
  • Ferdinand, N. K., Mecklinger, A., Kray, J., & Gehring, W. J. (2012). The processing of unexpected positive response outcomes in the mediofrontal cortex. The Journal of Neuroscience, 32(35), 12087–12092.

 


Prof. Dr. Louisa Kulke, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Im August 2020 hat Louisa Kulke die Leitung der Neurokognitiven Entwicklungspsychologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg übernommen.

Die Juniorprofessur für Neurokognitive Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit den neurowissenschaftlichen und kognitiven Grundlagen der menschlichen Entwicklung, mit einem besonderen Fokus auf Aufmerksamkeit, Emotionen und sozialen Interaktionen. Mittels Elektroenzephalographie (EEG) und (mobilem) Eye-tracking können wir im Labor und in realistischen Interaktionen den Fokus der Aufmerksamkeit von Säuglingen, Kindern und Erwachsenen und die zugrundeliegenden Gehirnmechanismen messen.

Im Säuglingsalter und in der Kindheit finden einschneidende Entwicklungen der Aufmerksamkeit statt. So fällt es Neugeborenen sehr schwer, ihre Aufmerksamkeit kontrolliert zwischen zwei Objekten zu verschieben, während Erwachsene blitzschnell zwischen vielen verschiedenen Objekten hin und her blicken können. Die Entwicklung der gezielten Steuerung von Aufmerksamkeit messen wir unter anderem mit dem Fixation Shift Paradigma. Selbst wenn Menschen etwas gerade nicht ansehen, können sie ihre Aufmerksamkeit darauf richten, sogenannte „koverte“ Aufmerksamkeit. In unserem Labor erforschen wir die Entwicklung von koverter und overter Aufmerksamkeit mittels koregistriertem EEG und Eye-tracking. Hierdurch können wir identifizieren, ob das Gehirn verstärkt auf einen Reiz reagiert, auch wenn man ihn gerade nicht ansieht.

Dies ist in sozialen Situationen von besonderer Bedeutung. Während Menschen auf Bildschirmen (beispielweise beim Fernsehen) bevorzugt andere Menschen ansehen, ist es in sozialen Situationen (beispielsweise im vollen Aufzug) verpönt, fremden Menschen ins Gesicht zu starren. In einem laufenden DFG Projekt zum Thema „Overt and covert attention to emotional faces in realistic social situations“ untersuchen wir Aufmerksamkeit in sozialen Situationen. Mittels mobilem Eye-tracking können wir Augenbewegungen während natürlicher Interaktionen messen. Die Inhibition des direkten Blicks in sozialen Situationen kann davon abhängen, ob Menschen wissen, wie ihr direkter Blick auf Andere wirkt. Dazu benötigen Sie eine „Theory of Mind“, die es ihnen erlaubt, anderen Menschen Überzeugungen zuzuschreiben. Mit impliziter Theory of Mind beschäftigen wir uns durch die Messung antizipatorischen Blickverhaltens, unter anderem mittels mobilem Eye-tracking. Außerdem beteiligen wir uns am Many Babies 2 Projekt, einer internationalen Kooperationsstudie zu impliziter Theory of Mind.

Augenbewegungen und Aufmerksamkeit können durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, beispielsweise durch physikalische und emotionale Salienz. In diversen Projekten untersuchen wir den Einfluss emotionaler Gesichtsausdrücke auf overte und koverte Aufmerksamkeit. Insbesondere interessiert uns, ob emotionale Inhalte bereits frühe ereigniskorrelierte Potentiale wie die P1 beeinflussen oder erst spätere wie EPN oder LPC.

Zusammengefasst beschäftigen wir uns damit, wie sich Aufmerksamkeit in sozialen Interaktionen entwickelt und welche Faktoren darauf Einfluss nehmen.

Weitere Information erhalten Sie gerne von den Mitarbeiter*innen bzw. entnehmen Sie unserer Webseite:

https://neurodevpsychology.phil.fau.de/

 

Ausgewählte Publikationen

(zur vollständigen Publikationsliste: https://neurodevpsychology.phil.fau.de/publications/)

Kulke, L., Atkinson, J., & Braddick, O. (2020). Relation Between Event-Related Potential Latency and Saccade Latency in Overt Shifts of Attention. Perception, 49(4), 468-483.

Kulke, L., & Valuch, C. (2020). Predictive context biases binocular rivalry in children and adults with no positive relation to two measures of social cognition. Nature: Scientific Reports, 10, 2059.

Kulke L. (2019). Neural mechanisms of overt attention shifts to emotional faces. Neuroscience. 418, 59-68. https://doi.org/10.1016/j.neuroscience.2019.08.023.

Kulke, L., Von Duhn, B., Schneider, D., Rakoczy, H. (2018). Is implicit theory of mind a real and robust phenomenon? Results from a systematic replication study. Psychological Science, 10.1177/0956797617747090.

Kulke, L., Reiß, M., Krist, H., Rakoczy, H. (2018). How robust are anticipatory looking measures of Theory of Mind? Replication attempts across the life span. Cognitive Development, https://doi.org/10.1016/j.cogdev.2017.09.001.

Kulke, L., & Rakoczy, H. (2018). Implicit Theory of Mind–An overview of current replications and non-replications. Data in brief, 16, 101-104, doi: 10.1016/j.dib.2017.11.016. (JIF: 0.93)

Kulke L., Atkinson J., Braddick O. (2016). Neural mechanisms of attention become more specialised during infancy: Insights from combined eye tracking and EEG. Developmental Psychobiology. doi: 10.1002/dev.21494.

Kulke, L., Atkinson, J., Braddick, O. (2016). Neural differences between covert and overt attention studied using EEG with simultaneous remote eye tracking. Frontiers in Human Neuroscience 10(592). doi: 10.3389/fnhum.2016.00592.

 

 

 

Bisher vorgestellte Forschungsgruppen

2019

Prof. Dr. Lee Yee Shing (Universität Frankfurt)

Prof. Dr. Marco Schmidt, Universität Bremen

2018

Prof. Dr. Stefanie Höhl, Universität Wien

Prof. Dr. Julia Karbach und JProf. Dr. Tanja Könen, Universität Koblenz-Landau

2017

Prof. Dr. Michaela Riediger, Friedrich Schiller Universität Jena

Prof. Dr. Peter Titzmann, Leibniz-Universität Hannover

Prof. Dr. Gert Westermann, Lancaster University

2016

Prof. Dr. Norbert Zmyj, Technische Universität Dortmund

Prof. Dr. Birgit Träuble, Universität zu Köln

Prof. Dr. Denis Gerstorf, Humboldt-Universität Berlin

 

 


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