Berufsfelder

Absolventinnen und Absolventen der Psychologie finden Einsatzfelder in ganz unterschiedlichen Arbeitsgebieten. Die Spannbreite reicht von der privaten Praxis, über die Arbeit in öffentlichen Beratungsstellen und Kliniken, in Wirtschaft und Verwaltung, bis hin zu Forschung und Lehre. Psychologen und Psychologinnen arbeiten in der Regel entweder im Angestellten- oder Beamtenverhältnis oder machen sich selbständig und bieten ihre Dienstleistungen oder Produkte auf dem freien Markt an. Die nachfolgende Liste gibt - in alphabetischer Reihenfolge - einen Überblick über die zentralen Berufsfelder für Psychologen und Psychologinnen.

Arbeits - und Organisationspsychologie (AO)

Arbeits - und Organisationspsychologen beschäftigen sich häufig mit der Passung von Arbeiternehmer und Arbeitsplatz. Ziel ist neben der Erhöhung der Arbeitszufriedenheit die Vermeidung oder Verringerung von Fehlern, die unter schlechten Arbeitsbedingungen bei geringer Aufmerksamkeit und hoher Belastung passieren können. Analysiert werden sowohl physische (Licht, Lärm…) als auch psychische (Mobbing, wenig Lob…) Faktoren.

Das Aufgabengebiet reicht von der Analyse von Mensch-Maschine-Systemen über Personalauswahl und Personalentwicklung bis hin zur Organisationsberatung und -entwicklung.

Arbeits - und Organisationspsychologen arbeiten vor allem in Wirtschaftsunternehmen und Unternehmensberatungen, aber auch bei den psychologischen Diensten der Bundes- und Länderverwaltungen, der Bundesanstalt für Arbeit und der Bundeswehr. Sie sind häufig in Personalabteilungen von Unternehmen tätig und dort vorwiegend für die Personalauswahl und -entwicklung zuständig. Weitere Einsatzbereiche betreffen die verkehrspsychologische Beratung, den Marketing-, Medien- und Werbebereich sowie Aus- Fort- und Weiterbildungseinrichtungen der Wirtschaft und öffentlichen Organisationen.

Forensische und Rechtspsychologie

Ein bekanntes Berufsfeld ist das der Polizeipsychologen. Dieses reicht von der Verhandlung bei Geiselnahmen bis zur Planung von Einsätzen über die Beratung und Betreuung von Polizeibeamten nach schwierigen Situationen bis zur Erstellung von Täterprofilen. Oft fällt auch der Bereich Personalplanung und Auswahl in den Tätigkeitsbereich der Polizeipsychologen.

Weitere Tätigkeiten für Rechtspsychologen ergeben sich bei Gericht, z.B. als Gerichtspsychologen oder freiberufliche Gerichtsgutachter. Hier geht es unter anderem um die Betreuung von Zeugen und Prozessteilnehmern, aber auch um Gutachten zur Glaubwürdigkeit oder Korrektheit von Aussagen vor Gericht oder zur Schuldfähigkeit eines Angeklagten.

Darüber hinaus arbeiten Psychologen in Justizvollzugsanstalten im Bereich der Diagnostik oder Therapie, was z.B. für die Rehabilitation und soziale Wiedereingliederung Relevanz besitzt.

Forschung und Lehre

Im Mittelpunkt stehen die Weiterentwicklung der Psychologie als Wissenschaft und die Weitergabe psychologischer Erkenntnisse und Kompetenzen an Studierende. Dies kann sowohl an Universitäten und Fachhochschulen als auch an außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in der Forschung in der freien Wirtschaft geschehen. Zu den Anforderungen an Nachwuchswissenschaftler gehören in der Regel der Nachweis einer zusätzlichen wissenschaftlichen Qualifikation in Form einer Promotion, Lehre und Mitarbeit in Forschungsprojekten.

Um sich als Hochschullehrer oder Hochschullehrerin an Universitäten zu qualifizieren, war es bislang die Regel, dass nach erfolgreicher Promotion die Habilitation angestrebt wird. Dafür wird neben der Erstellung einer weiteren bedeutenden wissenschaftlichen Arbeit (klassische Habilitationsschrift) oder mehrerer bedeutender Publikationen in internationalen Fachzeitschriften (publikationsorientierte Habilitationsschrift) der Nachweis hochschuldidaktischer Kompetenzen verlangt. Nach Verleihung der Lehrbefähigung (venia legendi) durch eine Fakultät kann man den Titel Dr. habil. und/oder Privatdozent (PD) führen und sich um Professorenstellen bewerben. Im Zuge der Einführung von Juniorprofessuren wird die Habilitation in Zukunft jedoch möglicherweise an Bedeutung verlieren. Entscheidend für die Qualifikation zum Hochschullehrerberuf werden in Zukunft neben hochschuldidaktischer Eignung in erster Linie mehrere bedeutende Publikationen in anerkannten internationalen Fachzeitschriften sowie die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln für Forschungsprojekte sein. Für die Tätigkeit an Fachhochschulen werden in der Regel neben der Promotion auch berufspraktische Erfahrungen vorausgesetzt.

Neben der in der Regel an Hochschulen praktizierten Grundlagenforschung besteht auch die Möglichkeit, an Forschungsprojekten in der freien Wirtschaft mitzuwirken. Der Schwerpunkt liegt dort auf der Beantwortung konkreter Fragestellungen und der Entwicklung anwendungsorientierter Lösungen.

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Die klinische Psychologie ist der störungsbezogene Teil der Psychologie. Im Mittelpunkt stehen psychische Störungen und Krankheiten, deren Diagnose und ihre Behandlung.

Klinische Psychologen und Psychologinnen besitzen die Kompetenz, psychische Störungen zu diagnostizieren und verfügen über Kenntnisse und Kompetenzen im Bereich der €tiologie (Ursachenlehre), Epidemiologie (Verbreitung) und Therapie. Häufig ist der Arbeitsbereich in Kliniken (z.B. psychosomatische Kliniken, Fachkliniken, Rehabilitationseinrichtungen) oder in der klinischen Forschung angesiedelt. Darüber hinaus bieten auch Gesundheitsämter und Beratungsstellen (z.B. Suchtberatung, Kinder- und Jugendberatung, Ehe- und Partnerschaftsberatung) interessante Betätigungsfelder.

Die Tätigkeit als Psychologischer Psychotherapeut/in erfordert eine Approbation, die eine 3-5 jährige Therapieausbildung (in Vollzeit oder berufsbegleitend) als postgraduale Ausbildung nach dem Diplom oder Masterabschluss in Psychologie voraussetzt. Danach kann sie bzw. er wissenschaftlich anerkannte psychotherapeutische Verfahren zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert einsetzen, sofern dort Psychotherapie indiziert ist. Diese Tätigkeit kann in einer Klinik ausgeführt werden oder selbständig als niedergelassener Therapeut. Um die erbrachte Leistung mit den Krankenkassen abzurechnen, ist allerdings eine (limitierte) Kassenzulassung erforderlich. Zur Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten werden neben Psychologen auch Pädagogen und Sozialpädagogen (FH) zugelassen. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten arbeiten mit Patienten bis zum Alter von 21 Jahren, unter ähnlichen Bedingungen wie Psychologische Psychotherapeuten.

Ein weiterer Arbeitsbereich ist die Neuropsychologie, die sich mit den psychisch messbaren Eigenschaften von neurologischen Beeinträchtigungen und deren Therapie befasst. Diese können durch Unfälle aber auch als Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen entstanden sein. Auch die Neuropsychologische Rehabilitation gewinnt immer mehr an Bedeutung. Bei diagnostizierten Defiziten (z.B. Ausfälle im Gedächtnis oder in bestimmten Wahrnehmungsbereichen) kann versucht werden, diese gezielt durch Training zu verbessern.

Markt- und Meinungsforschung, Kommunikations- und Medienpsychologie

In diesem Arbeitsfeld wird die Wirkung von Informationen und Botschaften über verschiedene Medien analysiert und der Einsatz von Informationen zur Erzielung bestimmter Effekte auf Einstellungen und Verhaltensweisen der Empfänger überprüft. Dabei kann es um die Ermittlung der Motive verschiedener Konsumenten gehen und um die Art der Präsentation bestimmter Produkte, aber auch um Einstellungen von Personen gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen oder Gesetzesvorlagen.

Pädagogische Psychologie

Häufig handelt es sich um eine forschende und entwickelnde Tätigkeit, bei der es um die Vermittlung von Wissen, Bildung und Erziehung geht. Aufgabe von pädagogischen Psychologen kann z.B. die Entwicklung und Erprobung neuer Unterrichtskonzepte sein, aber auch die Vermittlung neuer Unterrichts- und Erziehungsformen an Eltern und Lehrer.

Eine besondere Stellung nehmen dabei Schulpsychologen und Schulpsychologinnen ein. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckt sich in der Regel auf ganze Schulbezirke, in denen er u.a. für die Erstellung von Gutachten zur Schullaufbahnberatung, Entscheidungen über eine Sonderbeschulung sowie die Durchführung von Seminare und Schulungen für Lehrer zuständig ist. Neben dem schulpsychologischen Dienst bieten pädagogische Psychologen Kindern und Jugendlichen auch Hilfestellungen in Beratungsstellen, Kinder- und Jugendheimen und andere soziale Einrichtungen an.

Darüber hinaus stellt auch die Erwachsenenbildung ein interessantes Tätigkeitsfeld dar. Dazu gehören neben dem Beratungssektor (Erziehungs-, Bildungs-, Familien-, Schullaufbahn-, Studien- und Berufsberatung), auch Weiterbildungen zu verschiedensten Themengebieten. Diese werden auch zunehmend in privaten Institutionen nachgefragt (z.B. in Instituten für Lernförderung).

Verkehrspsychologie

Zu den Aufgaben von Verkehrspsychologen gehören die Begutachtung der Fahreignung, die Erforschung von Unfallursachen und die Mitarbeit bei der Planung von Straßenführungen und Verkehrslenkung. Nach entsprechender Weiterbildung ist auch eine gutachterliche Tätigkeit möglich.

Weitere Tätigkeitsfelder

Über die beschriebenen Berufsfelder hinaus gibt es eine Reihe neuer Gebiete, in denen die Mitarbeit von Psychologen und Psychologinnen nachgefragt wird. Dazu gehören

Gesundheitspsychologie und Rehabilitationspsychologie

Neben der Heilung oder Linderung von psychischen und somatischen Krankheitssymptomen ist der präventive Bereich, d.h. die Vermeidung von Störungen oder die Reduktion der Folgen bereits eingetretener Störungen, ein zunehmend wichtiges Arbeitsfeld. Dazu gehört z.B. die Entwicklung von Programmen zur Stressbewältigung oder die Beratung und Betreuung von adipösen Patienten hinsichtlich einer Umstellung ihrer Ernährungs- und Lebensgewohnheiten.

Sportpsychologie

Sportpsychologen beraten z.B. Leistungssportler bei der Gestaltung ihres Trainingsplans und der Optimierung ihres Leistungsstands, aber auch bei Motivationstiefs.

Freizeitpsychologie

In diesem Arbeitsfeld werden Einstellungen und Motive von Konsumenten im Freizeitsektor untersucht, um die Angebote auf verschiedene Zielgruppen abzustimmen. Dazu gehört auch der Bereich der Informationsgestaltung und -präsentation.

Politische Psychologie

Politische Psychologen arbeiten und forschen z.B. im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung oder in der Politikberatung.

Umwelt- oder Ökopsychologie

Umweltpsychologen untersuchen die Einstellung von Bürgern zu Aspekten des Umweltschutzes und deren Verhaltenswirksamkeit. Ein wichtiger Aufgabenbereich besteht in der Konzipierung von Maßnahmen zur Erhöhung des Umweltbewusstseins und der Gestaltung eines ökologischen Lebensumfeldes.


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