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Aktuelle Studie: Psychologie prägt Forschung zu psychischen Störungen und Psychotherapie

04.03.2021

Eine aktuelle Analyse Klinischer Psycholog*innen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) zeigt anhand objektiver Indikatoren den Beitrag der Psychologie an Forschungsleistungen zu psychischen Störungen und deren Behandlung. Die Analyse dokumentiert, dass in Deutschland Forschungsleistungen im Bereich psychischer Störungen mehrheitlich von Psycholog*innen erbracht werden. Auch in der Versorgung psychisch kranker Menschen stellen Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen die größte Versorgergruppe dar.

Viele Groß- und Verbundprojekte, hohe Publikationsleistung

Für ihre Analyse identifizierten die Autor*innen für den Zeitraum 2000-2018 insgesamt 85 Verbund- und Großprojekte (> 500.000 Euro) unter klinisch-psychologischer Leitung sowie 10 Personenförderungen mit einem Gesamtfördervolumen von über 156 Millionen Euro. Eine Publikationsanalyse in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Psychologie ergab insgesamt 136.289 themenbezogene Veröffentlichungen von mehr als 81.000 Autor*innen aller Fachrichtungen. Von den 150 meistpublizierenden Autor*innen hatte die Mehrheit (63%) einen akademischen Abschluss in Psychologie. Die Analyse zeigt weiter, dass zunehmend aus den Themenbereichen der neurobiologischen Grundlagen psychischer Störungen und der Psychotherapieforschung publiziert wurde.

„Die von uns analysierten objektiven Leistungsindikatoren belegen den maßgeblichen Einfluss der Psychologie auf die interdisziplinäre Forschung“, sagt Jan Richter, Klinischer Psychologe von der Universität Greifswald und Erstautor der Studie. „Dieser Rolle wird die Psychologie aktuell auch in Förderprogrammen der Bundesregierung gerecht, zum Beispiel in dem ‚Forschungsnetz für psychische Erkrankungen‘ oder den ‚Forschungsverbünden zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen‘“.

Silvia Schneider, Sprecherin der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie in der DGPs, ergänzt: „Die Psychologie ist nicht nur wesentlicher Fortschrittsmotor für ein besseres Verständnis psychischer Störungen und deren Behandlung. Vielmehr wissen wir aus anderen Studien, dass psychologische Interventionen die hohen Krankheitsbelastungen und Gesundheitskosten infolge psychischer Störungen nachhaltig reduzieren.“  

Hintergrund

Die akademische Psychologie hat seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes aus dem Jahr 1999 eine dynamische Entwicklung genommen. In der Zeit von 2000 bis 2018 vervierfachte sich die Zahl der Professuren für Klinische Psychologie, Diagnostik und Psychotherapie. Inzwischen gibt es deutschlandweit 99 Professuren. In über 50 vernetzten Hochschulambulanzen werden heute jährlich über 50.000 Patient*innen aus dem gesamten Spektrum psychischer Störungen und über die gesamte Lebensspanne psychotherapeutisch behandelt. Diese strukturellen Weiterentwicklungen legten auch die Grundlage für umfassende Forschungsleistungen, die durch Analysen der DGPs für den deutschsprachigen Raum quantifiziert worden sind.

 

Referenz der Originalstudie:

Richter, J., Bittermann, A., Christiansen, H., Krämer, L. V., Kuhberg-Lasson, V., & Schneider, S. (im Druck). Der Forschungsbeitrag der deutschsprachigen Klinischen Psychologie zu Themen der psychischen Störungen und Psychotherapie. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie.

 

 

Kontakt bei Rückfragen:

Prof. Dr. Silvia Schneider

Klinische Kinder- und Jugendpsychologie

Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ)

Ruhr-Universität Bochum

Tel.: 0234 32 23168 

E-Mail: silvia.schneider@rub.de

DGPs-Pressemitteilung_20210403.pdf

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