Mitteilungsdetail

DGPs-Vorstand ruft Ehrengericht zur Prüfung der Anschuldigungen gegen Hans-Ulrich Wittchen an

03.03.2021

Im Januar 2019 wurde gegen den Psychologen und das DGPs-Mitglied Professor Dr. Hans-Ulrich Wittchen von der TU Dresden der Vorwurf erhoben, Daten einer Studie zur Personalsituation in psychiatrischen Kliniken nicht durchgängig ordnungsgemäß erhoben zu haben. Im April 2019 hat das Rektorat der TU Dresden eine Untersuchungskommission eingesetzt, um diese Anschuldigungen zu prüfen. Der Bericht der Untersuchungskommission wurde vergangene Woche abgeschlossen und liegt dem DGPs-Vorstand vor. Die Untersuchungskommission kommt zu dem Schluss, dass vorsätzliche Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis vorliegen. Der DGPs-Vorstand erachtet die von der Kommission vorgelegten und bewerteten Sachverhalte als sehr schwerwiegend und hat entschieden, den Fall an das Ehrengericht der DGPs zu übergeben. Die Aufgabe des Ehrengerichts besteht darin, satzungsgemäße Konsequenzen zu prüfen. Der DGPs-Vorstand bezieht hiermit nicht nur zu diesem Fall, sondern generell zum Thema wissenschaftliches Fehlverhalten klar Stellung:

Offene, transparente Forschung: Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie setzt sich seit vielen Jahren für eine offene, transparente und nachvollziehbare Forschungspraxis ein (https://www.dgps.de/index.php?id=2001118). Datenfälschung, Machtmissbrauch, Mobbing und Intransparenz stellen grundlegende Verstöße gegen die ethischen Prinzipien psychologischer Forschung dar. Der DGPs-Vorstand verurteilt solche Verstöße ausdrücklich. Es gelten für etablierte und renommierte Vertreterinnen und Vertreter unseres Faches die gleichen hohen Qualitätskriterien wie für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Für Letztere gelten Qualitätskriterien im Rahmen von Promotionen und Habilitationen als fester Bestandteil des Karriereweges.

Ombudsgremium der DGPs: Dass Anschuldigungen auch öffentlich werden, kann zwar als Beleg für Selbstreinigungsprozesse der Wissenschaft verstanden werden, allerdings machen vergangene Fälle auch deutlich, wie hoch die Hürden für ‚Whistleblower‘ sind, ihren Verdacht zu äußern, Gehör zu finden und wie hoch die Angst vor Repressalien und negativen Karrierekonsequenzen ist. Wissenschaftsdisziplinen müssen daher niederschwellige Möglichkeiten schaffen, um Verdachtsfälle ohne Konsequenzen diskutieren zu können. Deshalb hat die DGPs hat im Jahr 2020 ein zentrales Ombudsgremium eingerichtet. Es versteht sich als eine erste niedrigschwellige Anlaufstelle für DGPs-Mitglieder bei Fragen des wissenschaftlichen Fehlverhaltens und Fehlverhaltens am Arbeitsplatz (https://www.dgps.de/index.php?id=2001257) – insbesondere dann, wenn institutionelle Einrichtungen nicht oder noch nicht angesprochen werden sollen oder keine Unterstützung leisten.

Zusammenarbeit in Verdachtsfällen: Der DGPs-Vorstand ruft alle Mitglieder auf, auch weiterhin gemeinsam für eine verlässliche, transparente und reproduzierbare Forschung einzustehen und in Verdachtsfällen zusammenzuarbeiten. Nur so kann das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft erhalten bleiben und Fehlverhalten entgegengetreten werden.

In schwerwiegenden Fällen von wissenschaftlichem Fehlverhalten oder Machtmissbrauch können DGPs-Mitglieder auch selbst das Ehrengericht der DGPs anrufen.

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