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Brigitte Röder erhält die Wilhelm-Wundt-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

16.09.2020

Für ihre wegweisenden wissenschaftlichen Leistungen in der Psychologie wird Brigitte Röder, Professorin für Biologische Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Hamburg, die Wilhelm-Wundt-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) verliehen. „Mit Brigitte Röder ehren wir eine herausragende und international hoch angesehene Forscherin. Es gibt weltweit nur wenige Forschende, die mit gleicher Konsequenz und Beachtung Themen der neuronalen Plastizität und neuronalen Grundlagen der kognitiven Entwicklung verfolgen“, erklärt Birgit Spinath, Präsidentin der DGPs. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, dem 16. September 2020 im Rahmen einer virtuellen Sitzung statt.

Brigitte Röder hat an der Universität Hamburg den Lehrstuhl für Biologische Psychologie und Neuropsychologie inne. Als ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der neuronalen Plastizität untersucht sie mit ihrem Team Menschen, die dauerhaft seit Geburt erblindet sind oder deren Sehen später im Leben wiederhergestellt wurde. Am Modell von erblindeten Probanden hat Brigitte Röder durch eine Kombination von experimentalpsychologischen Methoden sowie elektrophysiologischen und bildgebenden Verfahren zeigen können, dass sich das Gehirn blinder Menschen zur Kompensation für die Blindheit systematisch umorganisiert. Unter anderem zeigte ihre Arbeitsgruppe, dass die normalerweise für Sehfunktionen zuständigen Hirngebiete bei erblindeten Personen systematisch durch nicht-visuelle Aufgaben aktiviert werden, wie zum Beispiel der Verarbeitung von Sprache oder taktiler Information. Brigitte Röder beschäftigt sich außerdem mit der Integration von Informationen verschiedener Sinnessysteme und der Kognitiven Entwicklungsneuro¬wissen¬schaft. Blinde Menschen bieten Forschenden eine seltene Gelegenheit, sensible Phasen in der Hirnentwicklung zu untersuchen. Neu-Sehende haben beispielsweise Probleme damit, Gesichter zu erkennen – ein Hinweis darauf, dass diese Fähigkeit während einer sensiblen Phase ausgebildet wird. Auf der neuronalen Ebene hat Brigitte Röder mit ihrem Team herausgefunden, dass die funktionelle und strukturelle Spezialisierung von bestimmten Bereichen des Gehirns an sensible Fenster gekoppelt ist. Diese Fenster scheinen jedoch nicht für alle Funktionsbereiche zu existieren: zum Beispiel können Neu-Sehende lernen, Handlungen oder Lebewesen auf der Basis der ihnen eigenen Bewegung zu identifizieren. „Brigitte Röders Befunde sind nicht nur für die neurowissenschaftliche Theorienbildung bedeutsam, sie zeigen auch Möglichkeiten für angewandte Maßnahmen auf, zum Beispiel, ob und wie Funktionen nach einer Schädigung des Nervensystems reaktiviert werden können“, sagt DGPs-Präsidentin Birgit Spinath.  
Die Ergebnisse ihres beeindruckenden Forschungsprogramms hat Brigitte Röder unter anderem in Nature, Nature Neuroscience, und PNAS publiziert. Die enorm hohe Anerkennung der Arbeiten von Frau Röder zeigt sich auch in einem ERC Advanced Grant (2010) und dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG (2014). Brigitte Röder ist nicht nur eine Spitzenforscherin. Sie nutzt ihre umfangreichen Drittmittel auch und gerade um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. An der Liste der von ihr betreuten Diplomarbeiten und Promotionen ist auch abzulesen, dass sie insbesondere junge Frauen bei ihrer akademischen Qualifikation fördert.

Die Würdenträgerin

Frau Röder hat an der Philipps-Universität Marburg Psychologie studiert und dort 1995 promoviert. Nach zwei Jahren an der University of Oregon (USA) hat sie, zurück in Marburg, den Grundstock für ihr Schaffen im Bereich der neuronalen Plastizität gelegt und dort 2002 habilitiert. Kurz nach der Habilitation im Jahr 2003 übernahm Frau Röder ihren jetzigen Lehrstuhl für Biologische Psychologie und Neuropsychologie der Universität Hamburg. Zusätzlich ist sie mit einer Zweitmitgliedschaft in der Medizinischen Fakultät an der Universität Hamburg tätig. Die Ergebnisse ihres beeindruckenden Forschungsprogramms hat Frau Röder unter anderem in Nature, Nature Neuroscience, und PNAS publiziert. Frau Röder ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (seit 2008), Akademie der Wissenschaften in Hamburg (seit 2007) und der Hector Fellow Akademie (seit 2018). Seit 2019 ist sie Mitglied des DFG Senates.

Die Wilhelm-Wundt-Medaille

Die Wilhelm-Wundt-Medaille wird für herausragende wissenschaftliche Leistungen im Fach Psychologie verliehen. Diese Auszeichnung wird an aktive Forscherpersönlichkeiten vergeben, die durch bedeutende Arbeiten in der empirischen-psychologischen Grundlagenforschung höchste fachliche Anerkennung erfahren. Mit der Verleihung der Wilhelm-Wundt-Medaille ist die Ehrenmitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie verbunden. Mit dieser Auszeichnung sollen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen geehrt werden, deren empirische Arbeiten ein Forschungsprogramm repräsentieren, das innovative Ansätze und Problemlösungen in der psychologischen Grundlagenforschung verfolgt, das maßgeblichen Einfluss auf ein Forschungsgebiet der Psychologie hat und das nationale wie internationale fachliche Anerkennung findet.

DGPs-Pressemitteilung_Wundtmedaille_Brigitte_Roeder.pdf

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