Mitteilungsdetail

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie ehrt das wissenschaftliche Lebenswerk von Andrea Abele-Brehm

16.09.2020

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) würdigt mit Professorin Andrea Abele-Brehm von der Universität Erlangen-Nürnberg eine äußerst produktiv arbeitende Wissenschaftlerin und engagierte Fachvertreterin. „Mit Andrea Abele-Brehm ehren wir in diesem Jahr eine Wissenschaftlerin, die mit ihren wegweisenden Arbeiten in verschiedenen Feldern der Sozial- und Organisationspsychologie international hohe Anerkennung erfahren hat“, sagt DGPs-Präsidentin Birgit Spinath. „Sie hat darüber hinaus mit ihrer breitgefächerten Expertise entscheidende Impulse für die Weiterentwicklung unseres Fachs gegeben.“ Der Preis wird am 16. September 2020 in virtueller Form verliehen.

Andrea Abele-Brehm ist Seniorprofessorin an der Universität Erlangen-Nürnberg. Sie forscht seit vielen Jahrzehnten zu verschiedenen Themen der Sozial- und Organisationspsychologie. Dabei zeichnet sich ihr wissenschaftliches Werk durch eine enge Verzahnung von grundlagen- und anwendungsbezogenen Fragestellungen aus. So hat Andrea Abele-Brehm in einem eher grundlagenorientierten Forschungsschwerpunkt zur sozialen Kognition entscheidende Dimensionen der Urteilsbildung identifiziert und Akteur-Beobachter-Unterschiede bei der Nutzung dieser Urteilsdimensionen erkannt, die sie im „Dual-Perspective-Model“ zusammengefasst hat. So beurteilen Akteure ihre Handlungen eher unter der Perspektive von Kompetenz und Durchsetzungsfähigkeit, während Beobachter die Handlungen anderer eher unter der Perspektive von Soziabilität und Moral beurteilen.
In einem stärker anwendungsbezogenen Forschungsschwerpunkt untersucht Andrea Abele-Brehm die berufliche Laufbahnentwicklung. Dieses Forschungsprogramm fokussiert auch eine geschlechtervergleichende Perspektive und führte zur Formulierung des „Sozial-kognitiven Modells der beruflichen Entwicklung“. Eine Reihe von Studien dazu zeigt, dass vor allem positive Selbstwirksamkeitserwartungen und Zielklarheit langfristig und geschlechterunabhängig für die berufliche Laufbahnentwicklung bedeutend sind. Elternschaft und damit verbundene Arbeitszeitreduktion wirkt sich bei Frauen ungünstig für die weitere berufliche Laufbahn aus, während umgekehrt Väter beruflich sogar erfolgreicher als Männer ohne Kinder waren. In Trainingsprogrammen können die Gewinnung von Zielklarheit und positive Selbstwirksamkeitserwartungen vermittelt werden.
Eine weitere Forschungslinie befasst sich mit der Analyse des Wohlbefindens. Hier konnte Andrea Abele-Brehm eindrucksvoll belegen, dass Berufserfolg eine Determinante von Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden ist – allerdings nur dann, wenn die Person den objektiv erreichten Berufserfolg auch subjektiv hoch bewertet.
Aus Sicht der Jury und des DGPs-Vorstands hat Andrea Abele-Brehm ein national wie international viel beachtetes wissenschaftliches Werk vorgelegt, das Implikationen für verschiedene Bereiche der Psychologie hat und über hohe Anwendungsrelevanz verfügt. Birgit Spinath fasst zusammen: „Neben ihren Forschungsleistungen hat Andrea Abele-Brehm vielfältige Beiträge zur Weiterentwicklung der Psychologie als Wissenschaft und zur Qualitätssicherung in Studium und Lehre verfasst und durch ihre unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit wesentlich zur Steigerung des Ansehens der Psychologie in der Gesellschaft beigetragen.“

Die Würdenträgerin

Andrea Abele-Brehm studierte in Konstanz Psychologie, Soziologie und Geschichte und promovierte dort 1976. Nach mehreren kleineren Forschungsaufenthalten in Großbritannien und den USA übernahm sie eine wissenschaftliche Assistentenstelle an der Universität Bielefeld und habilitierte sich dort 1982. Von 1982 bis 1984 bekleidete sie eine Professur für Sozialpsychologie an der Universität Bielefeld. 1984 nahm sie den Ruf auf eine Professur für Sozialpsychologie und Angewandte Sozialpsychologie an die Universität Erlangen-Nürnberg an. Andrea Abele-Brehm war von 2012 bis 2014 gewähltes Mitglied des Fachkollegiums Psychologie der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von 2012 bis 2014 Vizepräsidentin und von 2014 bis 2016 Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Seit Oktober 2016 ist Andrea Abele-Brehm Senior Fellow der Universität Erlangen-Nürnberg und seit 2017 Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, deren Vizepräsidentin sie seit 2019 ist.

Ehrung für das Wissenschaftliche Lebenswerk

Mit dieser Ehrung werden Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Psychologie gewürdigt, deren wissenschaftliche Aktivitäten Forschung und Lehre im Fach Psychologie über einen langen Zeitraum hinweg nachhaltig beeinflusst haben. Die Bedeutung des wissenschaftlichen Werkes zeigt sich unter anderem an dem Einfluss, den es auf die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der nächsten Generation und auf Belange der Öffentlichkeit und der Gesellschaft hat. Zugleich würdigt die DGPs damit wissenschaftliche Leistungen, die als Markierungspunkte in der Geschichte der Psychologie gelten können.

DGPs-Pressemitteilung_Lebenswerk_Abele-Brehm.pdf

<- Zurück zu: Archiv


nach oben