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Angela D. Friederici erhält die Wilhelm-Wundt-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

18.09.2018

Für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen im Fach Psychologie wird Angela D. Friederici, Professorin für Neuropsychologie und Vize-Präsidentin der Max-Planck-Gesellschaft, die Wilhelm-Wundt-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) verliehen. „Mit Angela Friederici wird eine herausragende, kreative, weitsichtige und inspirierende Forscherin geehrt, die weltweit höchste Anerkennung genießt“, sagt Conny Herbert Antoni, Präsident der DGPs. Die Ehrung findet am Dienstag, dem 18. September 2018 im Rahmen des 51. Kongresses der DGPs in Frankfurt am Main statt.

Angela Friederici widmet sich seit fast vierzig Jahren der Erforschung von Sprache: Was macht sie aus, wie wird sie erworben, im Gehirn verarbeitet und repräsentiert? Im Fokus ihres wissenschaftlichen Interesses steht vor allem die Syntax, also die Struktur der Sprache. Angela Friederici ist davon überzeugt, dass die Fähigkeit, komplexe Sprache zu verarbeiten, die menschliche Sprache grundlegend von Kommunikationsweisen anderer Spezies unterscheidet. Bereits zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere begann Angela Friederici, ein Modell der Verarbeitung syntaktischer Information zu entwickeln und zu präzisieren. Diesem Modell zufolge verarbeiten wir Sprache zeitlich gesehen zuerst hinsichtlich ihrer Struktur, also der Syntax. Erst danach schauen wir auf die Bedeutung der Wörter. Die Ergebnisse von Angela Friedericis umfassenden Forschungsarbeiten mündeten in ihrer einflussreichen Theorie der Sprachverarbeitung. Diese Theorie wird hochgelobt, aber auch kritisch diskutiert, und hat auf der ganzen Welt interdisziplinäre Forschungsarbeiten angeregt. „Die internationale Reichweite ihrer exzellenten Forschung macht Angela Friederici zu einer würdigen Nachfolgerin in der Tradition Wilhelm Wundts und somit zu einer idealen Preisträgerin“ sagt Conny Antoni.

Aktuell beschäftigt sich die Forschergruppe von Angela Friederici mit den neuronalen Grundlagen unserer Sprache. Auf der Grundlage von Studien mit bildgebenden Verfahren formulierten sie ein Modell für die Entstehung und Entwicklung des neurobiologischen Netzwerks für Sprache vom frühesten Kindesalter bis zum Erwachsenenalter. In ihrem 2017 veröffentlichten Buch „Language in our brain“ hat Angela Friederici ihre Einsichten zu den neuronalen Grundlagen der Sprache sowohl für das Fachpublikum, als auch für fachfremde Leser anschaulich aufbereitet. 

Beeindruckend ist auch ihre außergewöhnliche Publikationsleistung, die sich in fast 500 Buchkapiteln und Fachzeitschriftbeiträgen niederschlägt. Die Jury und der Vorstand der DGPs betonen entsprechend die Vielfältigkeit und Produktivität der Forschungsarbeiten von Angela Friederici, die gleichzeitig durch ein sehr hohes theoretisches und methodisches Niveau gekennzeichnet seien. 

Die Würdenträgerin

Angela D. Friederici studierte von 1970 bis 1975 Germanistik und von 1975 bis 1980 Psychologie an den Universitäten Bonn und Lausanne. 1976 erfolgte die Promotion in Germanistik. Von 1978 bis 1979 war sie als Post Doc am MIT, USA. 1980 legt sie ihr Diplom in Psychologie ab. Die Habilitation im Fach Psychologie erfolgte 1986. Von 1980 bis 1987 forschte Angela D. Friederici am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, Nijmegen. Von 1989 bis 1994 war sie Professorin für Kognitionswissenschaft und Allgemeine Psychologie an der Freien Universität Berlin. Im Jahr 1994 war sie Gründungsdirektorin des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. Angela D. Friederici hat Honorarprofessuren an den Universitäten Leipzig (Psychologie), Potsdam (Linguistik) und Berlin Charité (Medizin). Seit 2014 ist sie Vize-Präsidentin der Max-Planck-Gesellschaft. Angela D. Friederici erhielt für ihre Arbeiten eine Vielzahl von Auszeichnungen, unter anderem den Leibniz-Preis der DFG.

Die Wilhelm-Wundt-Medaille

Die Wilhelm-Wundt-Medaille wird für herausragende wissenschaftliche Leistungen im Fach Psychologie verliehen. Diese Auszeichnung wird an aktive Forscherpersönlichkeiten vergeben, die durch bedeutende Arbeiten in der empirischen-psychologischen Grundlagenforschung höchste fachliche Anerkennung erfahren. Mit der Verleihung der Wilhelm-Wundt-Medaille ist die Ehrenmitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie verbunden. Mit dieser Auszeichnung sollen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen geehrt werden, deren empirische Arbeiten ein Forschungsprogramm repräsentieren, das innovative Ansätze und Problemlösungen in der psychologischen Grundlagenforschung verfolgt, das maßgeblichen Einfluss auf ein Forschungsgebiet der Psychologie hat und das nationale wie internationale fachliche Anerkennung findet.

 

Pressekontakt:

Dr. Anne Klostermann
Pressestelle DGPs
E-Mail: pressestelle(at)dgps.de
Tel.: 030 280 47718

 

Pressemitteilung (PDF)

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