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Elsbeth Stern erhält den Franz-Emanuel-Weinert-Preis der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

18.09.2018

Professorin Elsbeth Stern von der ETH Zürich wird von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) für ihre exzellenten und gesellschaftlich relevanten Forschungsarbeiten mit dem Franz-Emanuel-Weinert-Preis ausgezeichnet. „Elsbeth Stern setzt sich unermüdlich dafür ein, die Öffentlichkeit über die Aussagekraft von Forschungsergebnissen aufzuklären und so weit verbreiteten Vorurteilen entgegenzuwirken. Das macht sie zu einer Vorreiterin für die psychologische Bildung der Gesellschaft und zu einer ausgezeichneten Trägerin des Franz-Emanuel-Weinert-Preises“, sagt Conny Antoni, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Der Preis wird am 18. September 2018 während des 51. Kongresses der DGPs in Frankfurt am Main verliehen.

Wie kann guter Unterricht gelingen? Wie sollten Lerninhalte aufbereitet werden? Auf diese Fragen und noch viele mehr hat Elsbeth Stern in ihrer mehr als 30 Jahre andauernden Forschungsarbeit viele Antworten liefern können. Aus kognitionspsychologischer Perspektive hat Elsbeth Stern untersucht, wie wir Informationen verarbeiten, zum Beispiel, wie der Transfer von einem Wissensgebiet auf ein anderes gelingen kann, und damit wichtige Erkenntnisse für die Unterrichtsgestaltung liefern können.

Elsbeth Stern hat sich in vielen öffentlichen Vorträgen und Interviews konsequent gegen die weit verbreitete Vorstellung gewandt, dass Kinder nur lernen müssten, wie man lernt. Stattdessen konnte sie zeigen, dass effektives Lernen bedeutet, dass wir unsere Wissensrepräsentationen verändern müssen. Im Fokus ihrer Forschung steht der Aufbau von explizitem konzeptuellem Wissen, also das Verstehen von abstrakten Begriffen und Zusammenhängen. Verstehendes Lernen ist ihrer Überzeugung nach ein längerfristiger, konstruktiver Prozess, in dessen Verlauf Kinder ihr Vorwissen konzeptuell umstrukturieren. Sie konnte zeigen, dass Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Arbeitsaufträge so gestalten, dass verstehendes Lernen gefördert wird, auch lernwirksameren Unterricht erteilten.

Elsbeth Stern wandte sich in Interviews, Streitgesprächen und Essays gegen eine Vereinfachung der Probleme beim schulischen Lernen und warb dafür, Bildungsmaßnahmen, wie beispielsweise die Frühförderung, stärker wissenschaftlich zu überprüfen. Ein weiteres Thema, zu dem sie sich öffentlich positioniert, ist die Intelligenzforschung. Sie hat öffentlichkeitswirksam immer wieder darauf hingewiesen, dass eine hohe Erblichkeit von Intelligenz weder bedeutet, dass die Umwelt ohne Einfluss bleibt, noch dass sich ethnische Unterschiede genetisch erklären lassen. Dabei wies Elsbeth Stern immer wieder darauf hin, dass die Schulen als Entwicklungsraum für Intelligenz und deren Nutzung beim Wissenserwerb eine besondere Rolle zukommt.

Die Jury und den DGPs-Vorstand überzeugten ihre kompetente Verzahnung von Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie ihr Engagement für eine Verbesserung des Bildungssystems durch wissenschaftliche Erkenntnisse, wodurch sie viel zum Ansehen der wissenschaftlichen Psychologie beigetragen hat. Dies findet auch Ausdruck in ihren Tätigkeiten als Mitglied des Editorial Board von „Science“ von 2007 bis 2013 und als Expertin für das Ministerium für Bildung und Forschung. 

Die Preisträgerin

Elsbeth Stern begann ihr Psychologie-Studium 1977 in Marburg und schloss es 5 Jahre später in Hamburg ab, wo sie 1986 auch promovierte. Anschließend zog es Elsbeth Stern an das Max-Planck-Institut für psychologische Forschung nach München. Hier habilitierte sie 1994, kurz bevor sie die Professur für Pädagogische Psychologie an der Universität Leipzig antrat. 1997 wechselte sie an das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Seit 2006 ist Elsbeth Stern ordentliche Professorin für empirische Lehr- und Lernforschung und Vorsteherin des Instituts für Verhaltensforschung am Department für Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften der ETH Zürich.

Franz-Emanuel-Weinert-Preis

Mit dem Franz-Emanuel-Weinert-Preis sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet werden, die im Bereich der Psychologie hervorragende Forschung betrieben und diese Arbeit der Öffentlichkeit erfolgreich näher gebracht haben. Der Preis soll demnach an solche Forscherinnen und Forscher gehen, die mit ihrer psychologischen Arbeit dem öffentlichen Interesse in besonderer Weise gedient haben. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie würdigt damit exzellente wissenschaftliche Leistungen, die den großen Stellenwert der Forschungsarbeiten unseres Faches für die fundierte Behandlung gesamtgesellschaftlich relevanter Probleme dokumentiert.

Pressekontakt:

Dr. Anne Klostermann
Pressestelle DGPs
Marienstr. 30
10117 Berlin
E-Mail: pressestelle(at)dgps.de
Tel.: 030 280 47718

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