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Annika Clamor erhält den Heinz-Heckhausen-Preis der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

17.09.2018

Für ihre zukunftsweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Schizophrenie-Forschung wird Dr. Annika Clamor von der Universität Hamburg mit dem diesjährigen Heinz-Heckhausen-Preis für Jungwissenschaftlerinnen und Jungwissenschaftler der DGPs ausgezeichnet. „Im Feld der Schizophrenie-Forschung, in dem Fortschritte trotz jahrzehntelanger intensiver Bemühungen um neue und wirksame Interventionen selten sind, ist es Annika Clamor gelungen, auf eine vielversprechende Maßnahme zur Prävention von Psychosen hinzuweisen“, erklärt Conny Herbert Antoni, Präsident der DGPs. Die Preisverleihung findet am Montag, dem 17. September 2018 im Rahmen des Psycho-Slams auf dem 51. Kongresses der DGPs in Frankfurt am Main statt.

Annika Clamor forscht zur Entstehung und Prävention psychotischer Symptome. Der Grundgedanke hinter ihren Forschungsarbeiten ist der, dass bei Menschen mit Schizophrenie stärkere Reaktionen auf Stress erfolgen als zum Beispiel bei Gesunden oder bei Menschen mit Depressionen. Da sich Stress auch anhand von körperlichen Reaktionen messen lässt, untersuchte Annika Clamor die Herzratenvariabilität, einen gut untersuchten Stressindikator. Sie fand heraus, dass Menschen mit Schizophrenie stärkere körperliche Reaktionen zeigen als andere Personengruppen, und sich in ihrer Herzratenvariabilität auch von anderen psychisch Erkrankten deutlich unterscheiden. Dieses Ergebnis verglich sie mit dem internationalen Forschungsstand. Sie fand ihre These bestätigt, dass die Herzratenvariabilität einen Ansatzpunkt für das bessere Verständnis der Entwicklung von psychotischen Symptomen bietet. Annika Clamor nutzte diese Erkenntnis und erforschte eine Intervention, die im Rahmen von Therapien gezielt eingesetzt werden kann, um die Stressreaktion bei Schizophrenie-Patienten zu reduzieren. Dafür setzte sie die Biofeedback-Methode bei Menschen mit milder Paranoia ein, die noch nicht dem Vollbild einer Schizophrenie entsprach. Mit dem Biofeedback lernte ein Teil ihrer Probandinnen und Probanden, die eigene Herzratenvariabilität bewusst zu beeinflussen. Annika Clamor konnte zeigen, dass sie anschließend mehr Kontrolle nach einem Stressor wahrnahmen als die Personen aus der Wartegruppe. Bei einem Teil von ihnen reduzierte sich sogar die paranoide Symptomatik – sofern sie die im Biofeedback enthaltene Anweisung zur Steuerung der Atmung umsetzen konnten. 

„Annika Clamor hat mit einem beispielhaften Vorgehen aus zunächst grundlagenorientierter Forschungsarbeit unter Berücksichtigung des internationalen Forschungsstandes Anwendungsmöglichkeiten für die Therapiepraxis abgeleitet und dadurch die Jury und den DGPs-Vorstand überzeugt“, sagt DGPs-Präsident Conny H. Antoni. 

Preisträgerin Annika Clamor und DGPs-Präsident Conny Antoni

Die Preisträgerin

Annika Clamor hat das Psychologiestudium von 2007 bis 2012 an der Universität Hamburg absolviert. Die Promotion mit dem Thema "Psychophysiologische Adaptivität, Stress und psychotische Symptome" erfolgte im Jahr 2016 am Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie bei Prof. Dr. Tania Lincoln. Während der Promotionszeit war sie für einen Forschungsaufenthalt an der Ohio State University tätig, wo sie am "Emotions and Quantitative Psychophysiology"-Lab ihren psychophysiologischen Schwerpunkt festigen konnte. Die Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin wurde im Jahr 2018 mit der Approbation beendet. Seit 2017 ist Annika Clamor als Postdoktorandin an der Universität Hamburg tätig und warb Fördermittel für ein DFG-Projekt ein.

Der Heinz-Heckhausen-Jungwissenschaftlerpreis: 

Mit dem Heinz-Heckhausen-Jungwissenschaftlerpreis wird eine herausragende Dissertation im Hauptfach Psychologie prämiert-. Der Preis ist mit 1000,- Euro dotiert.

Pressekontakt:

Dr. Anne Klostermann
Pressereferentin der DGPs
E-Mail: pressestelle@dgps.de 
Tel.: 030 280 47718

Pressemitteilung (PDF)

Laudatio (PDF)

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