Mitteilungsdetail

Ralph Hertwig mit Leibniz-Preis der DFG ausgezeichnet

16.03.2017

Der Psychologe Ralph Hertig (Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin) ist von der DFG für seine wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Psychologie des menschlichen Urteilens und Entscheidens mit dem Leibnitz-Preis 2017 ausgezeichnet worden. Der DGPs-Vorstand gratuliert dem DGPs-Mitglied Ralph Hertwig sehr herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung!

In der Begründung für ihre Entscheidung schreibt die DFG, dass Hertwigs Arbeiten unser Verständnis der Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Rationalität erweitern. Hertwig erforscht, mit welchen Strategien Menschen angesichts begrenzten Wissens, begrenzter kognitiver Ressourcen und oft begrenzter Zeit trotzdem gute Entscheidungen treffen und ihr Handeln organisieren. Wesentlich ist dabei die Einsicht, warum in der Begrenzung auch eine Stärke liegt, wie also adaptive Heuristiken als einfache Faustregeln zur Problemlösung in einer unsicheren Welt ebenso wirksam sein können wie komplexe Optimierungsmodelle. Ein weiterer bedeutender Beitrag Hertwigs zur Entscheidungsforschung ist die Unterscheidung zwischen erfahrungsbasierten und beschreibungsbasierten Einschätzungen von Risiken. Sie macht nachvollziehbar, dass etwa die dramatischen Konsequenzen des Klimawandels in der Bevölkerung systematisch unterschätzt werden, weil zwar zur Beschreibung des Problems umfassende Informationen vorliegen, eigene alltägliche Erfahrungen – die Menschen ihren Entscheidungen in erster Linie zugrunde legen – hingegen kaum.

Ralph Hertwig ist seit 2012 Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, wo er den Forschungsbereich Adaptive Rationalität leitet. Hertwig begann seine wissenschaftliche Laufbahn 1995 am Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung in München, 1997 wechselte er an das Max-Planck-Institut in Berlin. Von 2000 bis 2002 war er Research Fellow an der Columbia University. 2003 habilitierte sich Hertwig an der Freien Universität Berlin, 2005 erhielt er einen Ruf als Professor für Kognitionswissenschaft und Entscheidungspsychologie an der Universität Basel, von wo aus er auf seine jetzige Position wechselte.

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG verliehen. Pro Jahr können bis zu zehn Preise mit einer Preissumme von jeweils 2,5 Millionen Euro verliehen werden. Mit den zehn Preisen für 2017 sind bislang insgesamt 348 Leibniz-Preise vergeben worden. Davon gingen 115 in die Naturwissenschaften, 101 in die Lebenswissenschaften, 79 in die Geistes- und Sozialwissenschaften und 53 in die Ingenieurwissenschaften. Da Preis und Preisgeld in Ausnahmefällen geteilt werden können, ist die Zahl der Ausgezeichneten höher als die der Preise. Insgesamt haben bislang 374 Nominierte den Preis erhalten, darunter 326 Wissenschaftler und 48 Wissenschaftlerinnen. Die feierliche Preisverleihung fand am 15. März 2017 in Berlin statt.

<- Zurück zu: Archiv


nach oben