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Die Angst bewältigen – und damit den eigenen Kindern eine Chance geben

27.05.2014

Eine neue Studie zeigt: Eltern, die an einer Angststörung leiden und diese psychotherapeutisch behandeln lassen, können damit nicht nur sich selbst helfen, sondern auch ihren Kindern.

Kinder von psychisch kranken Eltern entwickeln selbst häufiger psychische Störungen als die Kinder gesunder Eltern. Wie kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden, und welche Rolle spielt dabei die psychotherapeutische Behandlung des erkrankten Elternteils?

Dieser Frage ist jetzt ein deutsch-schweizerisches Forscherteam um die klinische Kinder- und Jugendpsychologin Prof. Silvia Schneider nachgegangen. In einer kürzlich bei „Psychotherapy and Psychosomatics“ veröffentlichten Studie berichten die Forscher über die Ergebnisse einer zehn Jahre umfassenden Längsschnittstudie, in der sie 43 Patienten mit Angststörungen und deren 54 Kinder untersuchten. Von den Patienten machten 35 Mütter und Väter eine speziell für Angststörungen entwickelte kognitive Verhaltenstherapie. Die Forscher befragten die Eltern und Kinder jeweils vor und nach der psychotherapeutischen Behandlung der Eltern.

Neue Erkenntnisse – neue Hoffnung für die Kinder

Frau Prof. Schneider und ihren Kollegen gelang es erstmals zu zeigen, dass Kinder, deren Eltern eine spezielle Therapie machten, seltener selbst zu Angstgedanken neigten und auch seltener depressive Symptome entwickelten als Kinder, deren Eltern keine Therapie in Anspruch genommen hatten.

Kinder stark machen

Wenn ein Elternteil psychisch erkrankt ist, dann sind auch die Kinder Leidtragende. Für sie ist das Zusammenleben mit dem erkrankten Elternteil geprägt von Unsicherheiten. Sie verstehen nicht, was mit ihren Eltern geschieht und wissen oftmals nicht, mit wem sie über ihre Ängste und Sorgen sprechen können. Eine psychotherapeutische Behandlung der Eltern bietet hier einen Ausweg. „Aus der Lernpsychologie ist schon lange bekannt, dass Modelllernen ein wichtiger Faktor für Lernprozesse ist“, erklärt Prof. Silvia Schneider. „Kinder, deren Eltern sich einer Psychotherapie unterziehen, lernen also am Beispiel ihrer Eltern, dass sie Problemen nicht hilflos gegenüber stehen, sondern diese selbst in Angriff nehmen können.“ Und diese Lernprozesse machen Kinder stark.

Weitere Forschung notwendig

Prof. Jürgen Margraf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), war ebenfalls an der Studie beteiligt: „Die Ergebnisse legen den Grundstein für zukünftige Studien. Für Angststörungen konnte gezeigt werden, dass die psychotherapeutische Behandlung der Eltern gewinnbringend für den eigenen Nachwuchs ist. Es wird von großem Interesse sein herauszufinden, welchen Beitrag die Behandlung der Eltern generell zur Vorbeugung von psychischen Erkrankungen ihrer Kinder leisten kann.“

Die Originalstudie finden Sie hier:

Schneider, S., In-Albon, T., Nuendel, B. & Margraf, J. (2013). Parental panic treatment reduces children´s long-term psychopathology: A prospective longitudinal study. Psychotherapy and Psychosomatics, 82, 346-348.

 Weitere Informationen:

Prof. Dr. Silvia Schneider
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Psychologie
Arbeitseinheit Klinische Kinder- und Jugendpsychologie
Bochumer Fenster 3/14
Massenbergstraße 9-13
44787 Bochum

Tel.: +49 (0) 234 32 – 23168
Email: silvia.schneider@ruhr-uni-bochum.de

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