Prof. Dr. Stefanie Höhl, Universität Wien

 

 

Stefanie Höhl hat im September 2017 die Leitung des Arbeitsbereichs für Entwicklungspsychologie an der Universität Wien übernommen. 

Die sozial-kognitive Entwicklung in der frühen Kindheit verläuft rasant und stellt die Weichen für spätere Kompetenzen. Gerade die Entwicklung im Säuglingsalter stellt uns jedoch noch vor zahlreiche Rätsel. Unser Forschungsfokus liegt auf der sozialen und kognitiven Entwicklung im Altersbereich zwischen der Geburt und der Einschulung. Um kognitiven Mechanismen sowie deren neuronalen Grundlagen in der frühen Kindheit auf die Spur zu kommen, setzen wir vielfältige Methoden ein. So nutzen wir sowohl Verhaltensexperimente und Eye-Tracking als auch neurophysiologische Verfahren wie EEG und funktionelle NIRS. Neben experimentellen Studien zur sozial-kognitiven Entwicklung befassen sich laufende Projekte des Arbeitsbereichs mit Familienentwicklung im Lebenslauf und dem Übergang ins Erwachsenenalter. 

In unserer experimentellen Forschung beschäftigt uns insbesondere die Frage, wie Babys und Kinder andere Menschen wahrnehmen und von ihnen lernen. Wir untersuchen daher die neuronalen und kognitiven Mechanismen von geteilter Aufmerksamkeit, Imitation sowie von kooperativem Problemlösen. Wann immer möglich, erforschen wir soziales Lernen und Kooperation in dynamischen Live-Interaktionen. Dabei messen wir Verhalten und Gehirnaktivität beider Interaktionspartner simultan. Somit können wir gegenseitige Abstimmung und Synchronität untersuchen, die sozialen Austausch und erfolgreiche Kommunikation kennzeichnen. Wenn wir uns „auf einer Wellenlänge“ mit anderen befinden, sind unsere rhythmischen Gehirnaktivitäten nämlich bestens auf die kommunikativen Signale unseres Gegenübers eingestellt. Wir wissen bisher jedoch fast nichts darüber, welche Rolle neuronale Synchronität für das soziale Lernen und den Spracherwerb spielen. Auch physiologische Rhythmen wie Herzfrequenz und Respiration sind in diesem Kontext von großem Interesse, da Babys auf die Ko-Regulation physiologischer Stressreaktionen durch ihre Bezugspersonen angewiesen sind. Neben Kindern und ihren Bezugspersonen interessieren uns auch Interaktionen zwischen gleichaltrigen Peers, beispielsweise im Kontext von Kindergartengruppen. 

Rhythmen spielen eine große Rolle in sozialen Interaktionen, aber auch für grundlegende Prozesse von Aufmerksamkeit und Lernen. In elektrophysiologischen Studien nutzen wir daher rhythmische Stimulation, um neuronale Oszillationen bestimmter Frequenzen stimulieren und deren Funktionen schon in der frühen Entwicklung besser verstehen zu können. Anders als bei klassischen EEG-Studien ist es hierbei möglich, kausale Schlüsse über die Funktionen verschiedener Gehirnaktivitäten zu ziehen, da die kognitiven Outcomes unterschiedlicher rhythmischer Stimulationen verglichen werden können. Das funktionale Verständnis neuronaler Oszillationen soll uns helfen, die Mechanismen interpersonaler Abstimmung im sozialen Miteinander durch Sprache, Musik und Berührung besser zu verstehen und nutzen zu können. Zusätzlich erhoffen wir uns grundlegende Einsichten in Aufmerksamkeit und Lernen in der frühen Entwicklung.

Homepage des Arbeitsbereichs: www.kinderstudien.at

Zur Homepage von Prof. Dr. Stefanie Höhl: https://entw-psy.univie.ac.at/ueber-uns/das-team/stefanie-hoehl/ 

Eine Auswahl aktueller Publikationen

Langeloh, M., Buttelmann, D., Matthes, D., Grassmann, S., Pauen, S., & Hoehl, S. (2018). Reduced mu power in response to unusual actions is context-dependent in 1-year-olds. Frontiers in Psychology, 8, [36]. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00036 

Markova, G. (2018). The games infants play: Social games during early mother-infant interactions and their relationship with oxytocin. Frontiers in Psychology, 9, 1041. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.01041 

Schleihauf, H., Graetz, S., Pauen, S., & Hoehl, S. (2018). Contrasting social and cognitive accounts on overimitation: The role of causal transparency and prior experiences. Child Development, 89(3), 1039-1055. https://doi.org/10.1111/cdev.12780 

Hoehl, S., Hellmer, K., Johansson, M., & Gredebäck, G. (2017). Itsy bitsy spider…: Infants react with increased arousal to spiders and snakes. Frontiers in Psychology. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2017.01710

Michel, C., Wronski, C., Pauen, S., Daum, M. M., & Hoehl, S. (2017). Infants' object processing is guided specifically by social cues. Neuropsychologia. https://doi.org/10.1016/j.neuropsychologia.2017.05.022 

zur vollständigen Publikationsliste: https://entwpsy.univie.ac.at/forschung/publikationen/ 

Bisher vorgestellte Forschungsgruppen

2018

Prof. Dr. Julia Karbach und JProf. Dr. Tanja Könen, Universität Koblenz-Landau

2017

Prof. Dr. Michaela Riediger, Friedrich Schiller Universität Jena

Prof. Dr. Peter Titzmann, Leibniz-Universität Hannover

Prof. Dr. Gert Westermann, Lancaster University

2016

Prof. Dr. Norbert Zmyj, Technische Universität Dortmund

Prof. Dr. Birgit Träuble, Universität zu Köln

Prof. Dr. Denis Gerstorf, Humboldt-Universität Berlin

 

 


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