Prof. Dr. Gert Westermann, Lancaster University, UK

In meiner Forschungsgruppe (gegenwärtig zwei Postdocs, sechs Doktoranden und eine Master-Studentin) untersuchen wir die frühkindliche kognitive Entwicklung in einem multidisziplinären Ansatz, der verschiedene experimentelle Methoden (Messung von Blickbewegungen und Pupillenveränderungen mit stationären und mobilen Eye Trackern; EEG/ERP; NIRS) mit Computermodellierung vereint. Dabei setzen wir gegenwärtig zwei Schwerpunktthemen:

1. Curiosity-based learning:
In diesem Schwerpunkt untersuchen wir, wie Kleinkinder ihre Welt ‘erforschen’. In traditionellen Studien mit Kleinkindern werden diesen oft passiv vorherbestimmte Reize dargeboten. Dieser Ansatz berücksichtigt jedoch nicht die intrinsische Motivation der Kleinkinder, ihre Umwelt aktiv zu erforschen. Wir untersuchen, ob die Auswahl von Informationen durch Kleinkinder systematisch ist und von welchen Faktoren sie abhängt. Zum Beispiel werden Kleinkinder mit einer Gruppe von Reizen präsentiert, die perzeptuell mehr oder weniger ähnlich zueinander sind. Wir fragen, ob Kleinkinder bevorzugt solche Reize auswählen, die besonders ähnlich zu gerade untersuchten Reizen sind, oder besonders unterschiedlich zu den vorigen Reizen, oder ob sie eine mittlere Ähnlichkeit zu vorigen Reizen bevorzugen. Wir untersuchen auch den Einfluss, den Sprache auf diesen Explorationsprozess hat. Werden Objekte, die benannt werden, anders untersucht als solche ohne Namen? Und wir verwenden Computermodellierung, um die Mechanismen zu erforschen, die selbstmotivierter Exploration zugrunde liegen.

2. Frühkindliches Wort- und Objektlernen:
Wie lernen Kleinkinder die Namen von Objekten? Wie verändern sich Objektrepräsentationen beim Übergang von vorsprachlicher zu sprachbasierter Kognition?
In diesem Themenkomplex untersuchen wir verschiedenen Aspekte des Wortlernens. Welche Blickbewegungen über Objekte zeigen Kinder, wenn sie den Namen für ein Objekt hören?  Können vorsprachliche Kinder Objektnamen dazu verwenden, Kategorien zu formen? Was ist der Status früher Objektnamen – referentiell, wie generell angenommen, oder ‚nur’ akustische Objekteigenschaften? Beeinflusst die Kenntnis eines Namens die mentale Repräsentation von Objekten, auch in Situationen, wenn dieser Name nicht gehört wird? Lassen sich individuelle Unterschiede beim Wortlernen durch Temperament erklären? Wie kategorisieren Kleinkinder,  wenn Objektnamen und visuelle Ähnlichkeit im Kontrast zueinander stehen? Welche Eigenschaften von Objekten (z.B. Variabilität von Eigenschaften der Objekte oder des Hintergrundes, auf dem sie präsentiert werden) beeinflussen, wie leicht Kleinkinder deren Namen lernen?

Über diese Schwerpunkte hinaus entwickle ich Computermodelle (künstliche neuronale Netze), die den Zusammenhang von kognitiver und Gehirnentwicklung untersuchen, indem sie durch den Lernprozess ihre Struktur verändern. Diese Netze habe ich bisher auf den Erwerb der Verbflektion im Englischen und Deutschen angewandt, interessiere mich aber sehr, sie auch auf weitere Bereiche der (früh-)kindlichen Entwicklung anzuwenden.

Weitere Themen, die in meiner Gruppe, auch in Kollaboration mit Kollegen, untersucht werden, sind die Entwicklung von Kommunikation (Zeigen, Interaktion mit der Mutter) und ERP Studien zur Kategorienverarbeitung in Erwachsenen.


Webseiten:

Meine Homepage: www.lancaster.ac.uk/psychology/people/gert-westermann
Meine Lab-Page: wp.lancs.ac.uk/westermann-lab/


Publikationsauswahl:

Westermann, G. and Mani, N. (eds.) (in press) Early Word Learning. Hove: Psychology Press.

Althaus, N. and Westermann, G. (2016). Labels constructively shape object categories in 10-month-old infants. Journal of Experimental Child Psychology, 151: 5-17. DOI:10.1016/j. jecp.2015.11.013

Hepach, R., & Westermann, G. (2016). Pupillometry in infancy research. Journal of Cognition and Development, 17: 359-377. DOI:10.1080/15248372.2015.1135801

Westermann, G., (2016). Experience-dependent brain development as a key to understanding the language system. Topics in Cognitive Science. DOI: 10.1111/tops.12194

Twomey, K., & Westermann, G. (2015). A neural network model of curiosity-driven infant categorization. Proceedings of the Fifth IEEE Joint International Conference on Development and Learning and on Epigenetic Robotics

Westermann, G. and Mareschal, D. (2014) From perceptual to language-mediated categorization. Philosophical Transactions of the Royal Society B, 369, 20120391

Westermann, G. and Ruh, N. (2012). A neuroconstructivist model of past tense development and processing. Psychological Review, 119, 649-667

Westermann, G., Mareschal, D., Johnson, M., Sirois, S., Spratling, M., & Thomas, M. (2007). Neuroconstructivism. Developmental Science, 10, 75-83

Bisher vorgestellte Forschungsgruppen

2016

Prof. Dr. Norbert Zmyj, Technische Universität Dortmund

Prof. Dr. Birgit Träuble, Universität zu Köln

Prof. Dr. Denis Gerstorf, Humboldt-Universität Berlin


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