Laudatio für das Telekolleg Multimedial “Faszination Psychologie”

Der Wissenschaftspublizistik-Preis geht an das “Telekolleg Multimedial: Faszination Psychologie: Erleben - Verhalten - Bewusstsein”, konzipiert und produziert von Carola Richter (Bayerischer Rundfunk München, TB Wissenschaft - Bildung - Geschichte), PD Dr. Armin Stock (Institut für Psychologie der Universität Würzburg), Dipl.-Psych. Claudia Stock (Institut für Psychologie der Universität Würzburg) und Stefan Bagehorn (Freier Autor, München).

Das Telekolleg ist ein Angebot verschiedener Bundesländer, welches sich vor allem an berufstätige Erwachsene richtet. Mit der Teilnahme am Telekolleg soll die Möglichkeit gegeben werden, nebenberuflich eine staatlich anerkannte Fachhochschulreife zu erwerben, beziehungsweise sich in einzelnen Teilbereichen weiter zu qualifizieren. Daneben dienen die Sendungen auch dazu, im Sinne des Bildungsauftrages der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in attraktiver und unterhaltsamer Weise einem breiteren Zuschauerkreis fachliche Inhalte zu vermitteln.

Eine frühere, inzwischen veraltete Telekollegsendung wird durch diese neu konzipierte Sendung abgelöst. Armin und Claudia Stock haben das Konzept eines neu zu gestaltenden Telekollegs Psychologie erarbeitet und gemeinsam mit Frau Richter und Stefan Bagehorn umgesetzt.

In dreizehn Sendungen wird ein Überblick über Psychologie, ihre Methoden und ihre Geschichte gegeben. Behandelt werden die Themen Wahrnehmung und Handlungssteuerung, Lernen und Gedächtnis, Denken und Problemlösen, Motivation und Emotion, Persönlichkeitspsychologie, Gruppe, Konflikt, Mobbing, Sprache und Kommunikation, Entwicklungspsychologie, Pädagogische Psychologie, Klinische Psychologie, Personalauswahl, Rechtspsychologie und Werbepsychologie. Die Sendungen bestehen aus Einspielungen vorher aufgenommener Gespräche mit Fachvertretern, illustrierenden Lehrfilmen und Studiogesprächen.

Der Preis wird prinzipiell für die Darstellung psychologischer Forschung in den Medien, und zwar in Printmedien, Hörfunk und Fernsehen vergeben. Ausschlaggebend ist dabei, dass der Beitrag den empirischen Charakter der Psychologie und ihren Status als Wissenschaft verbreitet und dass eine Verzahnung zwischen Grundlagenforschung und Anwendungsbezügen an konkreten Beispielen interessant hergestellt wird. Diese für den Preis relevanten Kriterien sind von der genannten Sendung in hervorragender Weise erfüllt.

Unter der redaktionellen Leitung von Frau Carola Richter und der Mitarbeit mehrerer Fernsehteams entstanden über vierzig Filmbeiträge, die bundesweit aus psychologischen Instituten und Labors berichten. Die Einspielungen wurden mit Studiogesprächen kombiniert und zu dreizehn Sendungen zusammengefasst.

Die Sendung wurde vom Bayerischen Rundfunk ab September 2003, dienstags am frühen Vormittag und in einer Wiederholung am Nachmittag ausgestrahlt. Zusätzlich wurden die Sendungen am Sonntag morgen wiederholt. Eine Auswertung der Gesellschaft für Konsumforschung ergab Einschaltquoten von jeweils 10.000 bis 20.000 Zuschauern.

Durch diese Serie haben sich Frau Richter, Armin und Claudia Stock und Stefan Bagehorn um die Darstellung psychologischer Forschung in hohem Maße verdient gemacht.

Zur Sendung hinzu kommt eine Webseite, die die Inhalte mit Literaturempfehlungen, Internetlinks und Multiple-Choice-Fragen zur Wissensüberprüfung ergänzt. Schließlich wurde ein Lehrbuch geschrieben, in dem die Inhalte vertieft und erweitert werden. Das Buch erschien bei der TR Verlagsunion und wird von dieser als Bestseller geführt.

Die Kooperation zwischen den vier genannten Personen führte zu einer herausragenden Leistung bei der Vermittlung der akademischen Psychologie für eine breite Öffentlichkeit. Wichtig ist dabei, dass in einem Massenmedium, in dem sonst sehr häufig falsches oder klischeehaftes über die Psychologie berichtet wird, eine solide Vermittlung der Psychologie als empirische Wissenschaft stattfindet. Hervorzuheben ist weiter, dass die Psychologie positiv und relativ breit, wenngleich natürlich nicht erschöpfend, dargestellt und die medialen Möglichkeiten geschickt genutzt werden. Enthalten sind abwechslungsreiches Magazinformat, Wechsel von Bericht und Gespräch sowie verschiedene Veranschaulichungen. Ein vergleichbares Unternehmen einer audiovisuellen Darstellung der wissenschaftlichen Psychologie dürfte es im deutschsprachigen Raum nicht geben.

Wir freuen uns daher sehr, dass wir als Fachgesellschaft die Möglichkeit haben, diese Arbeit zu würdigen.


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