Laudatio Dr. Natalie Sebanz

Prämiert wird die Dissertationsschrift mit dem Titel "You are always on my mind: Representing others"actions and intentions", vorgelegt von Frau Dr. Mag. Natalie Sebanz. Frau Sebanz wurde am 11.12.1977 geboren und hat im Jahre 2001 ihr Diplom an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck mit Auszeichnung absolviert. Derzeitig ist Frau Sebanz Post-doc am Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung in München in der Abteilung von Prof. Dr. Wolfgang Prinz.

Die prämierte Dissertationsschrift beschäftigt sich - im Kontext kognitions- und neurowissen-schaftlicher Forschung - mit der Untersuchung von Prozessen gemeinsamer Handlungsplanung. Es werden neun Experimente berichtet, die erforschen, inwiefern der soziale Kontext, definiert als die An- oder Abwesenheit anderer handelnder Personen, die Repräsentation einfacher Aufgaben und Handlungen beeinflusst. Das theoretische Anliegen der Arbeit ist es, die Annahme der gemeinsamen Kodierung von Wahrnehmung und Handlung auf Situationen zu verallgemeinern, in denen Menschen gemeinsam handeln. Damit stellt die Arbeit eine originelle Erweiterung der Arbeiten aus der Gruppe um Prinz und Hommel dar. In Situationen gemeinsamen Handelns führt jede einzelne Person jeweils nur einen Teil der Aufgabe aus und beobachtet, wie der andere Teil der Aufgabe von einer anderen Person ausgeführt wird. Aus der Annahme gemeinsamer Kodierung leitet Frau Sebanz die Vorhersage ab, dass die Teilaufgabe der anderen Person in derselben Weise repräsentiert werden sollte wie die eigene Teilaufgabe. Dies führt zu der Vorhersage, dass Phänomene, die normalerweise auftreten, wenn eine Person eine Wahlreaktionsaufgabe bearbeitet, auch dann auftreten sollten, wenn die beiden Handlungsalternativen über zwei Personen verteilt werden. Bei der Prüfung dieser Hypothese verwendet Frau Sebanz sowohl klassische abhängige Variablen, wie Reaktionszeiten, als auch evozierte Potentiale. Darüber hinaus vergleicht sie Versuchspersonen, die an Autismus leiden, mit parallelisierten Stichproben nicht auffälliger Versuchspersonen. Im letzten Teil ihrer Dissertation bindet Frau Sebanz ihr neu entwickeltes experimentelles Paradigma an die entwicklungs- und neuropsychologische Literatur zur "Theory of Mind" an.

Frau Sebanz gelingt es, mit dieser wissenschaftlich herausragenden und konzise und prägnant verfassten Arbeit eine theoretische Brücke zwischen mehreren Subdisziplinen der Psychologie zu schlagen, insbesondere der kognitiven Psychologie, der Sozialpsychologie, der Entwicklungspsychologie und den Neurowissenschaften. Dabei ist die Vielfalt der Methoden beeindruckend, die sich Frau Sebanz angeeignet hat, um Fragen der gemeinsamen Aufgabenrepräsentation und Handlungsplanung erstmals zu untersuchen. Die Ergebnisse der Experimente geben deutlichen Aufschluss über bisher kaum untersuchte Prozesse gemeinsamer Handlungsplanung. Ein weiteres Verdienst der Arbeit ist die Bereitstellung eines überzeugenden Untersuchungsparadigmas. Aus dem Dissertationsvorhaben von Frau Sebanz sind bereits drei hochwertige Publikationen hervorgegangen, von denen zwei schon zum Druck angenommen worden sind (Cognition und Cognitive Neuropsychology).


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