Dr. Natalie Sebanz

Dr. Natalie Sebanz

Ich habe von 1996 bis 2001 an der Universität Innsbruck Psychologie und Sprachwissenschaft studiert. Gegen Ende meines Studiums verbrachte ich ein Auslandssemester am University College London. Angeregt von der vielfältigen Forschung, die ich dort kennenlernte, wurde mir klar, dass ich gerne Forschung im Bereich der Kognitionspsychologie machen würde. Ich dachte mir in London mit Hilfe von Dr. David Green Experimente zur Sprachverarbeitung aus, die ich dann in Innsbruck für meine Diplomarbeit durchführte.

Nach meinem Studium erhielt ich die Möglichkeit, am Max Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in München mit Hilfe eines Stipendiums der Max-Planck Gesellschaft zu promovieren. In der Arbeitsgruppe “Kognition und Handlung”, geleitet von Herrn Prof. Wolfgang Prinz, erfuhr ich bald, dass Wahrnehmung und Handlung sich gegenseitig beeinflussen und nicht - wie in der Psychologie lange angenommen - voneinander unabhängig sind. Eine enge Verschränkung zwischen Prozessen der Wahrnehmung und Prozessen der Handlungsplanung und -ausführung sollte auch das Handeln im sozialen Kontext beeinflussen. Diese Annahme habe ich in meiner Dissertation mit Hilfe von Prof. Wolfgang Prinz und Prof. Günther Knoblich untersucht.

Befunde aus dem Bereich der Handlungswahrnehmung legen nahe, dass das Beobachten einer Handlung, die von einer anderen Person ausgeführt wird, dieselben Repräsentationen aktiviert, die auch der eigenen Planung und Ausführung dieser Handlung zugrundeliegen. Ich habe untersucht, ob die Handlungen anderer tatsächlich so ähnlich wie eigene Handlungen repräsentiert werden, und wie sich die enge Verschränkung zwischen Wahrnehmung und Handlung auswirkt, wenn man mit einer anderen Person gemeinsam handelt.

In Reaktionszeitexperimenten, einer elektrophysiologischen Studie, und einer Studie mit autistischen Patienten konnte ich zeigen, dass Prozesse der Handlungsplanung und der Handlungskontrolle in spezifischer Weise durch das gemeinsame Handeln mit einer anderen Person beeinflusst werden. Wird eine Aufgabe auf zwei Personen verteilt, repräsentiert jeder Handelnde die Aufgabe des anderen und bezieht sie in sein eigenes Handeln mit ein, sogar dann, wenn dies der Ausführung der eigenen Aufgabe nicht förderlich ist. Viele interessante Diskussionen mit meinen Arbeitskollegen haben mir dabei geholfen, diese Ergebnisse zu verstehen und in internationalen Fachzeitschriften zu publizieren.

Ausserdem ergab sich für mich die Möglichkeit, die neurophysiologischen Prozesse, die dem gemeinsamen Handeln zugrunde liegen, in einer Kooperation mit Prof. Chris Frith vom University College London zu untersuchen. Nach meiner Promotion zu Jahresbeginn 2004 war mit dem Experimentieren erst Mal Schluss, und ich widmete mich dem Herausgeben eines Buches zu Willensstörungen. Viele meiner liebsten Mit-Dissertanten bewarben sich auf Postdoktoranden-Stellen im Ausland und begannen sich zu verabschieden. Im Sommer war es auch für mich soweit. Ich zog in die USA, an die Rutgers University Newark, um meine Forschung als Postdoktorandin bei Prof. Maggie Shiffrar fortzusetzen. In einem spannenden Arbeitsumfeld und mit New York in nächster Nähe freue ich mich auf die nächsten Jahre hier.


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