Laudatio Prof. Dr. Leo Montada

Leo Montada ist der Träger des diesjährigen Franz-Emanuel-Weinert-Preises. Er wird damit für seine hervorragende psychologische Forschung ausgezeichnet und dafür, wie er diese Arbeit der Öffentlichkeit erfolgreich näher gebracht hat.

Aus Sicht der Jury gehört Leo Montada zu den wenigen deutschen WissenschaftlerInnen, denen es gelungen ist, die Psychologie in wissenschaftlich anspruchsvoller Weise in die Bearbeitung gesellschaftlich relevanter Problemfelder einzubringen. Leo Montada hat sich dabei als Person nicht in den Vordergrund gedrängt. Er hat nie die wissenschaftliche Qualität geopfert, um seine öffentliche Visibilität zu erhöhen. Aber er wollte und will aufklären über die Potentiale der wissenschaftlichen Psychologie für eine bessere Gestaltung unterschiedlichster Praxisfelder. Die Passung zu Franz Weinerts Persönlichkeit und Stil des guten Wissenschaftlers und Nestors der Psychologie ist offensichtlich. Der Wissenschaftler Leo Montada erreicht neue Öffentlichkeiten. Im wissenschaftlichen Bereich sind dies vor allem die Rechtswissenschaften und die Ökonomie. Gesellschaftlich gesehen sind es die Risikogruppen gesellschaftlicher Transformationen und Herausforderungen: beispielsweise die benachteiligten Deutschen in Ost und West, die Arbeitslosen oder generell nach Mediation suchende Konfliktparteien. Dabei wirkt Montada nicht primär durch die Massenmedien, sondern vielmehr über gesellschaftliche Entscheidungsträger und Multiplikatoren.

Im Besonderen sprechen vier Gründe für die Preiswürdigkeit Leo Montadas:

  1. Leo Montada ist ein hervorragender Forscher, der wichtige Beiträge in mindestens fünf Gebieten der Psychologie erbracht hat: der Entwicklungspsychologie, der Pädagogischen Psychologie, der Emotionspsychologie, der Sozialpsychologie und der Gerechtigkeitspsychologie. Was die Gerechtigkeitspsychologie angeht, so gehört er zu deren Erfindern. Diese gemeinsam mit amerikanischen und europäischen KollegInnen vorangetriebene Bündelung relevanter psychologischer Erkenntnisse und Frageweisen unter der " berschrift Gerechtigkeitspsychologie, hat der Psychologie große Öffentlichkeitswirksamkeit und Einflussmöglichkeiten verschafft.
  2. Es ist Leo Montada weiterhin gelungen, zentrale psychologische Prozesse der individuellen Problembewältigung, wie zum Beispiel die Verarbeitung von Verlusten, und der gesellschaftlichen Gegenwartsgestaltung und -bewältigung, wie beispielsweise im Zusammenhang mit der deutschen Einigung, zu spezifizieren und die dabei wirksamen psychologischen Faktoren und Mechanismen der Öffentlichkeit näher zu bringen. Bezüglich der deutschen Wiedervereinigung hat er beispielsweise die Bedeutung von Gerechtigkeitsintuitionen, Ungerechtigkeitswahrnehmungen und Verantwortlichkeitsattributionen in der innerdeutschen Kommunikation und für die Soziale Identität der Ostdeutschen überzeugend herausgestellt. In den Arbeiten von Montada und seinen auf gesellschaftliche Aufklärung gerichteten Medienauftritten verschiedenster Art entsteht ein neue Verständnis des komplexen Zusammenspiels von Objektivität und Subjektivität, aber auch ein öffentliches Bild von Psychologie, das über den Einsatz für die Interessen des Individuums hinausgeht und die konstruktive Rolle der Psychologie bei der Beförderung gesellschaftlicher Entwicklung und Transformation deutlich macht.
  3. Leo Montada ist das Paradebeispiel eines Experten in interdisziplinärer Analyse, wodurch er die Stellung der Psychologie im Verhältnis zu anderen Disziplinen stärkt. Gemeinsam mit Juristen, Ökonomen und Soziologen hat er dieses am Beispiel der deutschen Einigung gewonnene und erprobte Denken und Forschen auch auf andere gesellschaftliche Problemlagen übertragen. Als Beispiele seien seine Arbeiten über rechtssoziologische und ökonomische Aspekte der Beschäftigungspolitik genannt. Aber auch das Thema der Mediation von sozialen Konflikten in unterschiedlichen gesellschaftlichen, institutionellen und privaten Feldern gehört hierzu. In diesem Zusammenhang sei auf sein langjähriges Wirken als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der ADIA (jetzt ADECCO) Stiftung zur Erforschung neuer Wege der Arbeit und des sozialen Lebens verwiesen. Er hat durch hochkarätige Symposien und mehrer Buchpublikationen Denkanstösse für wichtige gesellschaftliche Transformationen im deutschen Arbeitssystem gegeben. Auch hier spielte die Tatsache eine wichtige Rolle, dass Leo Montada in der Lage ist, intellektuelle Koalitionen mit Nachbardisziplinen nicht nur anzudenken, sondern diese mit Kompetenz, Diplomatie und zielführendem Einsatz kollegial zu realisieren.
  4. Last but not least leitet Leo Montada seit den siebziger Jahren im Nebenamt des Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation, das inzwischen zu einer unverzichtbaren Institution für die Kommunikation innerhalb der deutschsprachigen Psychologie, der Nachbardisziplinen und zwischen Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit geworden ist. Diese Einrichtung ist mittlerweile als Institut der Leibniz-Gesellschaft zu einer leistungsfähigen Service-Einrichtung ausgebaut geworden. " ber Datenbanken oder fachspezifische Suchmaschinen werden Forschung, Lehre, Praxis, andere Disziplinen und die Medien mit Wissen über die wissenschaftliche Psychologie versorgt.

nach oben