Laudatio Prof. Dr. Carl-Friedrich Graumann

Mit Carl-Friedrich Graumann ehrt die wissenschaftliche Psychologie in Deutschland einen unabhängigen Denker, der die Wichtigkeit der Perspektive und Intentionalität des Individuums als Gegenstand der Psychologie herausgestellt und mit Nachdruck in seinen Arbeiten verfolgt hat. Er hat die Ökologische Psychologie mit begründet, sich als Mittler zwischen der deutschen und der internationalen Forschung verdient gemacht und als kritischer Förderer des Nachwuchs erwiesen.

Die Themen Carl-Friedrich Graumanns sind vielfältig - Arbeiten zum Wahrnehmen, Denken und Handeln, zur sozialen Interaktion und zum sprachlichen Dialog weisen die ihn charakterisierende Verknüpfung von Psychologie, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte auf. Die gleiche Breite und Tiefe seines Blicks führten ihn zu der Formierung einer eigenständigen Ökologischen Psychologie und der Bildung einer Sozialpsychologie ohne Verkürzung auf das Individuum. Stets steht im Mittelpunkt die Perspektive und Intentionalität des Menschen. Vielen ist er einer der wenigen Gelehrten der Psychologie im besten Sinne, der modischen Strömungen widerstand und an seinen Auffassungen festhielt, mit großem Erfolg im In- wie Ausland. Die erneuerte Akzeptanz der deutschen Psychologie nach dem Zweiten Weltkrieg darf zu einem gehörigen Teil seinem Wirken und seiner Persönlichkeit zugeschrieben werden. Er sprach von Internationalisierung, als es zwar das Problem längst gab, der Begriff geschweige denn Maßnahmen zu diesem Ziel aber noch unbekannt waren. Die Bildung von Forschungsstrukturen und Netzwerken zur kooperativen Bearbeitung von wissenschaftlichen Herausforderungen in den Jahrzehnten des Wiederbeginns der Psychologie ab etwa 1960 wurde von ihm nachhaltig betrieben. Nicht vergessen werden darf bei allem, dass er einen besonderen Blick für europäische Traditionen im wissenschaftlichen Denken hat und pflegt, und dennoch einer der wichtigsten Mittler zum amerikanischen Wissenschaftssystem war. Der jüngeren Generation, vor allem in der Sozial- und Umweltpsychologie, war und ist er ein Mentor, der es nie an Wohlwollen und nie an konstruktiver Kritik fehlen ließ.


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