Laudatio Dr. Natalie C. Ebner

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie verleiht Natalie C. Ebner den Heinz-Heckhausen-Jungwissenschaftlerpreis für ihre Dissertationsschrift “Striving for Gains and Preventing Losses: Multimethod Evidence on the Differences in Personal Goal Orientation in Early and Late Adulthood”. Die Arbeit, mit der sie 2005 an der Freien Universität Berlin promovierte, entstand im Rahmen eines Forschungsprojektes über die entwicklungsregulative Funktion von Zielprozessen am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung unter der Leitung von Prof. Dr. Paul B. Baltes und Prof. Dr. Alexandra M. Freund.

Frau Ebner stellt in ihrer Dissertation das Konstrukt der persönlichen Zielorientierung in den Vordergrund. Hierzu konzeptualisiert sie die seit Beginn der Motivationspsychologie getroffene Unterscheidung zwischen Annäherungs- und Vermeidensmotivation vor dem Hintergrund von entwicklungsbezogenen Veränderungen des Lebenskontextes jüngerer und älterer Erwachsener. Einem multimethodalen Ansatz folgend, untersucht Frau Ebner in drei Studien altersbezogene Unterschiede in der Zielorientierung sowohl im Selbstbericht als auch im Verhalten und verwendet korrelative sowie experimentelle Untersuchungsdesigns. Die zentralen Ergebnisse dieser Studien bestehen darin, dass jüngere Erwachsene erwartungsgemäß eine stärke Zielorientierung auf “Verbessern” berichten, ältere Erwachsene eine stärkere Orientierung auf “Erhalten” und “Verlustvermeiden”. In zwei Experimenten zeigt Frau Ebner, dass die altersbezogenen Unterschiede in der Zielorientierung auf die wahrgenommene Verfügbarkeit von Ressourcen zurückzuführen ist. In einer weiteren korrelativen Studie zeigt sie, dass Verlustvermeidung zwar für jüngere Erwachsene negativ mit subjektivem Wohlbefinden korreliert, für ältere Erwachsene dagegen eine Erhaltensorientierung sogar mit höherem subjektivem Wohlbefinden einhergeht. Nur für junge Erwachsene trifft also der aus der motivationspsychologischen Literatur bekannte negative Zusammenhang von Verlustvermeidung und Wohlbefinden zu. Wenn sich der Lebenskontext so verändert, dass weniger Ressourcen vorhanden sind und in vielen Lebensbereichen ein persönliches Funktionsmaximum bereits erreicht ist, scheint der Aspekt der Verlustvermeidung keine negative Auswirkungen zu haben und eine Zielorientierung auf Aufrechterhaltung sogar einen positiven Effekt auf das subjektive Wohlbefinden.

Frau Ebner hat mit ihrer Dissertation einen herausragenden Beitrag zum Verständnis der Bedingungen und Konsequenzen von Zielorientierung geleistet. Durch die Einbettung von zentralen motivationspsychologischen Konzepten in einen lebensspannenpsychologischen Kontext leistet ihre Arbeit sowohl zu entwicklungs- als auch motivationspsychologischen Fragen einen wichtigen Beitrag, der sich auch darin ausdrückt, dass sie für ihre Dissertationsstudien bereits mit Preisen der Division 8 (SPSP) und der Division 20 (Adult Development and Aging) der APA für ihre Konferenzbeiträge ausgezeichnet wurde und ihre Arbeit zur Publikation in Psychology and Aging angenommen wurde.


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