Laudatio Dr. Alexander Strobel

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie verleiht Alexander Strobel den Heinz-Heckhausen-Jungwissenschaftlerpreis für seine Dissertationsschrift "Molekulargenetische Aspekte dopaminerger Modulation der Responsivität gegenüber Neuheit". Die Arbeit entstand in einer Arbeitgruppe an der TU Dresden, die unter der Leitung von Prof. Dr. Burkhard Brocke auf dem Gebiet der Molekulargenetik individueller Unterschiede forscht.

Die Dissertationsschrift von Alexander Strobel ist das Ergebnis eines genuin interdisziplinären Forschungsprojektes. Sie beschäftigt sich - im Kontext psychophysiologischer und psychoneuroendokrinologischer Forschung - mit den molekulargenetischen Grundlagen quantitativer individueller Unterschiede in der Responsivität auf neue Stimuli. Anknüpfend an Befunde der quantitativen Verhaltensgenetik, dass ein substantieller Anteil der Varianz in Persönlichkeitsmerkmalen auf genetische Unterschiede zwischen Personen zurückgeht, identifizierte Alexander Strobel die Wirkmechanismen im Genom lokalisierter Gene, welche vermittelt über die Dopaminrezeption die Responsivität gegenüber Neuheit modulieren. Dabei bediente er sich der Methode der Allel-Assoziationsstudie, das heißt er untersuchte statistische Beziehungen zwischen genetischen Polymorphismen (DNS-Varianten im Genom) und Verhaltensunterschieden.

Die Dissertationsschrift umfasst eine Serie aufeinander aufbauender Studien. Zunächst bemühte sich Alexander Strobel um die Replikation in der aktuellen Literatur berichteter Assoziationen zwischen Varianten des Gens für den Dopaminrezeptor 4 (DRD4) und mittels Fragebogen erfasstem Novelty Seeking. Diese Beziehungen erwiesen sich jedoch als wenig effektstark und nur eingeschränkt replizierbar. Angesichts dieser ernüchternden Befunde zu den einfachen Zusammenhängen zwischen Dopaminrezeption und Responsivität gegenüber Neuheit wandte er sich möglichen interaktiven Wirkungen der Gene für den Dopaminrezeptor D4, den Serotonintransporter und die Catechol-O-Methyltransferase auf das Novelty Seeking zu. Eine derartige Interaktion konnte Alexander Strobel erfolgreich nachweisen und damit das Zusammenspiel mehrerer Neurotransmittersysteme auf seine molekulargenetischen Grundlagen zurückführen. Schließlich untersuchte er angesichts der unbefriedigenden Befunde für Fragebogendaten Beziehungen zwischen dem Gen für den Dopaminrezeptor D4 und Endophänotypen, also genetisch beeinflussten neurobiologischen Korrelaten von Verhalten. Hierbei fand er, dass der DRD4 Polymorphismus in Interaktion mit der spontanen Lidschlagrate die P300 im ereigniskorrelierten Potential beeinflusst. Da die Lidschlagrate als Indikator tonischer Dopaminaktivität und die P300 als Indikator der Responsivität gegenüber Neuheit aufgefasst werden kann, ist dieser Befund ist ein wichtiger Beitrag zur Klärung der funktionellen Bedeutung des DRD4-Polymorphismus für Verhalten.

Alexander Strobel hat mit seinen Arbeiten einen international bedeutenden Beitrag zu einem hoch aktuellen interdisziplinären Forschungsprogramm geleistet. Die in seiner Person vereinten Kompetenzen auf den Gebieten der molekularen Verhaltensgenetik, der Neuropsychologie und der psychophysiologischen Persönlichkeitsforschung haben ihren Niederschlag in inzwischen 19 internationalen Zeitschriftenpublikationen gefunden, darunter allein vier in Molecular Psychiatry. Ein weiterer Beleg für die große Bedeutung seiner Forschungen ist die häufige Zitation seiner Arbeiten durch die internationale Fachwelt.


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