Laudatio Prof. Dr. Axel Buchner

Laudatio Prof. Dr. Axel Buchner

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie zeichnet mit Axel Buchner einen Wissenschaftler mit dem Charlotte-und-Karl-Bühler-Preis aus, dessen wissenschaftliche Arbeit durch eine seltene Kombination von inhaltlicher und methodischer Konsequenz und Relevanz überzeugt. In seinen Arbeiten verbinden sich Gründlichkeit und Genauigkeit der Analyse mit Originalität und Kritik der Perspektive einerseits sowie Hartnäckigkeit und Ernsthaftigkeit in ihrer Umsetzung andererseits.

Das Forschungsprogramm von Axel Buchner besticht durch ein ungewöhnliches Maß an methodischer Genauigkeit, die bei aller Schärfe doch immer im Dienst inhaltlicher Fragen steht. So beeindrucken etwa seine Arbeiten zur Reliabilität verschiedener Gedächtnismaße nicht nur durch ihre methodische Akkuratesse, sondern vor allem durch die inhaltliche Pointe, dass die geringe Reliabilität impliziter Maße eine Erklärung für den häufigen Befund liefern könnte, dass sich beispielsweise Personen mit bestimmten anamnestischen Störungen zwar in expliziten, nicht aber in impliziten Gedächtnismaßen von Kontrollgruppen signifikant unterscheiden. Theoretische Spekulationen über diese Differenz tragen durch diese Untersuchungen zunächst die Beweislast für das tatsächliche Bestehen eines Unterschieds zwischen expliziten und impliziten Maßen. Ebenso verfolgen seine Arbeiten zur Teststärkeanalyse nicht etwa dogmatische, sondern wissenschaftliche Ziele: es geht im Kern nicht um einen weiteren Koeffizienten, sondern darum, die Fragestellung empirischer Studien zu schärfen. Dass es ihm auch hier weniger um Kritik als um Klärung geht, wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass er durch die Verfügbarkeit eines handlichen Programms den praktischen Aufwand für entsprechende Prüfungen dramatisch verringert hat.

Axel Buchner hat über methodische Gründlichkeit hinaus von Beginn seiner wissenschaftlichen Arbeit an konsequent die Beachtung wissenschaftlicher Maßstäbe vertreten, deren vielleicht wichtigste es ist, empirische, theoretische und methodische Argumente zu publizieren. Das Anliegen, sie einem möglichst kritischen, d.h. kompetenten, skeptischen und zahlreichen Publikum zur Prüfung vorzulegen, hat ihn von Beginn an dazu veranlasst, vorrangig in hochrangigen - möglichst internationalen - Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Er hat dies eindrucksvoll früh und häufig erreicht; bemerkenswert ist dabei, dass er, ob wohl er auch vielfach mit Kollegen kooperiert hat, oft ohne den Windschatten eines wissenschaftlichen Entwicklungskonvois erfolgreich war. Wenn man das Programm konsequenter Veröffentlichung ernst meint, sollte die Wahl des Publikums vom Thema abhängen; konsequenterweise kann man in seinem Schriftenverzeichnis neben zahlreichen Arbeiten in den renommiertesten internationalen Zeitschriften des Faches (u.a. verschiedene Reihen des Journal of Experimental Psychology) immer wieder auch Arbeiten finden, die sich an andere Foren wenden (darunter auch charmante Miniaturen wie eine Arbeit im Blutalkohol).

Der Eindruck, seine wissenschaftliche Genauigkeit diene inhaltlichen Zielen, wird aber vor allem dadurch gestützt, dass Axel Buchner zu vielen konkreten Forschungsfragen empirische Beiträge geleistet hat, von denen zahlreiche nicht nur erstrangig publiziert, sondern auch in hohem Maße rezipiert werden. Obwohl viele der von ihm untersuchten Themen der Allgemeinen Psychologie zugeordnet werden könnten (etwa seine Arbeiten zum menschlichen Gedächtnis), ist sein Interessen- und Arbeitsgebiet deutlich breiter, und berührt nicht nur verschiedene Bereiche der Grundlagenforschung (etwa der Sozial- oder der Arbeitspsychologie), sondern beinhaltet auch zahlreiche anwendungsbezogene Probleme.

Axel Buchner weist für eine noch nicht ganz zwei Dekaden umspannende Wissenschaftskarriere eine außerordentlich ertragreiche wissenschaftliche Produktivität auf. Er ist in der Einwerbung von Forschungsförderungen außergewöhnlich erfolgreich, wobei es bemerkenswert ist, dass nicht wenige dieser Mittel unmittelbar auch der Verbesserung der Lehre dienen.


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