Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Lehr

Prof. Dr. Dr. h.c. Lehr (geb. 1930) hat Psychologie, Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte an den Universitäten Frankfurt und Bonn studiert. Sie wurde im Jahre 1954 promoviert und habilitierte im Jahre 1968 mit der Arbeit "Berufs- und Lebensschicksal - die Berufstätigkeit der Frau aus entwicklungs- und sozialpsychologischer Sicht". Von 1972 bis 1976 hatte sie den Lehrstuhl für Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der Universität Köln, von 1976 bis 1986 den Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Bonn inne. Im Jahre 1986 übernahm sie den neu geschaffenen Lehrstuhl für Gerontologie sowie die Direktion des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg. Von Dezember 1988 bis Januar 1991 war sie Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit und hat in dieser Zeit die Novellierung des Jungendhilfegesetzes durchgesetzt, den 1. Bericht zur Situation älterer Bürger in Auftrag gegeben (“Altenbericht” der Bundesregierung) und vor allem die Diskussion um das Psychotherapeutengesetz wesentlich vorangebracht.

1988 erhielt sie den Ehrendoktor der Universität Fribourg/Schweiz; 19094 wurde sie zum korrespondierenden Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1998 zum korrespondierenden Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaft zu Leipzig ernannt.

Im Jahr 1995 erfolgte die Berufung als Wissenschaftlicher Gründungsvorstand des Deutschen Zentrums für Alternsforschung an der Universität Heidelberg. 1997 bis 1999 war Frau Lehr Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie. Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula M. Lehr ist Gerontologin der ersten Stunde in Deutschland und national wie international eine der herausragenden Forscherpersönlichkeiten auf dem Gebiet der Alternsforschung. Zusammen mit Prof. Dr. Dr .h.c .mult. Hans Thomae hat sie die Bonner Gerontologische Längsschnittstudie (1965-1983) initiiert und durchgeführt.

Sie wurde zum Ende des Sommersemesters 1998 als Professorin der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg emeritiert. Seit 2000 hat Prof. Lehr den Marie Curie- Lehrstuhl an der Europa-Universität in Yuste (Extramadura, Spanien) inne. Prof. Lehrs frühe Forschungsarbeiten beschäftigten sich mit der Entwicklung im frühen Kindesalter, der Rolle der Mutter (und des Vaters!) in der Sozialisation des Kindes, der beruflichen Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer sowie mit der Rolle der Frau und besonders der Berufstätigkeit der Frau. Daneben führte sie thematische Analysen zur Lebenssituation von Frauen im Erwachsenenalter durch und wies unter anderem nach, dass psychische Spannungen und Konflikte in der Lebensmitte weniger durch körperliche Beschwerden bedingt sind (Klimakterium), sondern vor allem auf mögliche Rollenkonflikte in der Familie zurückgehen - entscheidend sind hier die Verpflichtungen, die mit der Tochterrolle gegenüber alten Eltern verbunden sind (vor allem Unterstützung in Notlagen sowie Hilfe und Pflege). Die erst in den vergangenen Jahren von der öffentlichkeit zur Kenntnis genommenen Belastungen, die mit der innerfamiliären Pflege und Betreuung alter Menschen verbunden sind, hat Frau Lehr schon in den 60er Jahren ausführlich analysiert und differenziert dargestellt. Ihr Buch “Psychologie des Alterns” (1972), in 10. überarbeiteter Auflage 2003 erschienen, ist ins Holländische, Spanische, Italienische, Türkische und Japanische übersetzt und gilt als Standardwerk der gerontopsychologischen Ausbildung in diesen Ländern.

Mit der Gründung des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg im Jahr 1986 und der Einrichtung des Aufbaustudiengangs Gerontologie, der mit einem Diplom abgeschlossen wird, hat Prof. Lehr das Ziel verfolgt, die gerontologische Forschung zu intensivieren und Erkenntnisse der Forschung für die gerontologische Praxis fruchtbar zu machen. Das Institut für Gerontologie hat dank ihrer intensiven und kreativen Arbeit rasch ein eindeutiges Forschungsprofil entwickelt, das sich auf Entwicklungsprozesse im Alter, die Bewältigung von Anforderungen und Belastungen im Alter, die Förderung der alltagspraktischen und kognitiven Kompetenz, die Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer und das Altersbild in unserer Gesellschaft konzentriert.

Weitere Informationen


nach oben