Laudatio Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie verleiht den Franz-Emanuel-Weinert-Preis an Rainer K. Silbereisen für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und für seine außergewöhnliche Vermittlung psychologischen Wissens in der Öffentlichkeit.

Bereits in seinen frühen Arbeiten hat sich Reiner Silbereisen für die Anwendung und Umsetzung psychologischen Wissens in sozialen Institutionen eingesetzt und durch seine Forschungen und Arbeiten ganz wesentlich dazu beigetragen, die Perspektive der angewandten Psychologie in Praxis und Gesellschaft einzubringen. Die wissenschaftlichen Arbeiten von Rainer Silbereisen zur Auswirkungen des sozialen Wandels auf die Gestaltung individueller Lebensläufe hat entscheidend zu einem verbesserten Verständnis der psychologischen Folgen von gesellschaftlichen Transformationsprozessen beigetragen, wie sie sich beispielhaft nach der deutschen Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern zeigten.

Rainer Silbereisen war von 1977 bis 1986 Professor für Pädagogische Psychologie an der Technischen Universität Berlin. Von 1986 bis 1992 hatte er den Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie an der Universität Gießen. In der Zeit von 1992 bis 1994 war er Full Professor of Human Development der Pennsylvania State University, der er als Adjunct Professor bis heute eng verbunden ist. Seit dem Jahr 1994 hat Rainer Silbereisen den Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie an der Universität Jena. Im Jahr 2002 übernahm Rainer Silbereisen die Position als Gründungsdirektor des Centers for Applied Developmental Science (CADS) der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Rainer Silbereisen hat durch seine Forschungen zum Jugendalter und Adoleszenz wesentlich zu einem verbesserten Verständnis der psychologischen Mechanismen und Auswirkungen dieser Lebensphase auf die Entwicklung des Menschen im weiteren Lebenslauf beigetragen. Rainer Silbereisen konnte dabei durch sein Wirken in der politischen Beratung und in öffentlichen Gremien erreichen, dass seine Forschungsergebnisse auch unmittelbar für sozialpolitische Maßnahmen und Programme nutzbar werden. Damit hat Rainer Silbereisen auch wesentlich zur gestiegenen Bedeutung der Psychologie in Politik und Gesellschaft beigetragen.

Rainer Silbereisen setzt sich durch sein Wirken in vorbildlicher Weise für die Förderung des Nachwuchses in der Psychologie ein. Dies zeigt sich beispielhaft in seinem Engagement für internationale Ausbildungspartnerschaften und der Einrichtung einer internationalen Graduiertenschule an der Universität Jena. Rainer Silbereisen hat entscheidend am Aufbau der “Thüringer Lehreruniversität” mitgewirkt als einem beispielhaften Modell für die Fort- und Weiterbildung von Lehrern in Deutschland. Rainer Silbereisen hat sich in besonderer Weise um die Internationalisierung und internationale Sichtbarkeit der deutschsprachigen Psychologie verdient gemacht, sowohl in seiner Tätigkeit als als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs, 2002-2002), als Präsident der International Society for the Study of Behavioral Development (ISSBD, 2002-2006) und aktuell als Präsident der Internatioalen Union of Psychological Science (IUPS, 2008-2012) sowie seinen zahlreichen Funktionen in weiteren internationalen, europäischen und nationalen Organisationen und Verbänden. Rainer Silbereisen trägt durch sein Wirken entscheidend zur Verbreitung, Förderung und Etablierung der Psychologie in der Öffentlichkeit bei.


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