Prof. Dr. Peter Titzmann, Leibniz Universität Hannover

Seit Herbst 2016 ist die Arbeitseinheit für Entwicklungspsychologie im Institut für Psychologie in der Leibniz Universität Hannover mit Prof. Dr. Peter F. Titzmann neu besetzt.

Matthias Hiestermann, Alison Benbow, Peter F. Titzmann, Lara Aumann, Heike Drexler, Mareike Nissen (von links)

In unserer Forschungsgruppe beschäftigen wir uns mit der kulturellen Heterogenität in modernen Gesellschaften, wobei uns ganz besonders das Zusammenspiel normativer und migrationsbedingter Veränderungen interessiert. Unsere Zielgruppen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund, die gleichzeitig mit altersgradierten Entwicklungsaufgaben und migrationsbedingten Akkulturationsaufgaben konfrontiert sind. Wie diese Prozesse zusammenspielen untersuchen wir in mehreren entwicklungspsychologisch relevanten Lebensbereichen.

Einer dieser Lebensbereiche ist die Familie. Hier untersuchen wir u.a. Eltern-Kind-Beziehungen und -Interaktionen. Beziehungen in Familien mit Migrationshintergrund werden im Jugendalter beispielsweise durch normative Autonomieentwicklung aber auch durch eine akkulturationsbedingte Umkehr der Eltern-Kinder-Rolle (z.B. durch die im Vergleich zu den Eltern schnellere kulturelle Adaptation der Kinder) verändert. Ein weiterer durch Akkulturation und Entwicklung stark betroffener Lebensbereich sind die Beziehungen zu Gleichaltrigen. Zentrale von uns untersuchte Themen in diesem Lebensbereich sind interethnische Freundschaften, Delinquenz und Diskriminierungs- und Viktimisierungserfahrungen.

In unseren Untersuchungen rückt des Weiteren zunehmend die Frage nach den Resilienzfaktoren, die jungen Menschen mit Migrationshintergrund dabei helfen können mit den entwicklungsbedingten und akkulturativen Anforderungen erfolgreich umzugehen. Zu diesen Faktoren gehören soziokulturelle Kompetenzen im Umgang mit zwei oder mehr Kulturen, die Entwicklung einer (bi-)kulturellen Identität sowie das Herstellen positiver und tragfähiger sozialer Bindungen. Unsere Erkenntnisse leiten wir vor allem aus quantitativen Analysen basierend auf intrafamiliären Dyaden sowie komparativen Gruppenvergleichen von Längsschnittdaten her, die auch Ländervergleiche beinhalten.

Gegenwärtig besteht unser Team aus zwei Postdocs, einer Doktorandin und zwei studentischen Hilfskräften: Dr. Heike Drexler beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung von Identität und Selbstkonzept, sowie Bewältigungsprozessen und Selbstregulation. Dr. Alison Benbow geht unter anderem der Frage nach, wie Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund aktiv den Umgang mit mehreren Kulturen, und mit Diversität im Allgemeinen, gestalten. Lara Aumann untersucht Mutter-Kind-Beziehungen in Familien mit Migrationshintergrund, zum Beispiel die Auswirkungen von Akkulturation auf Mutter-Kind-Interaktionen. Unser Team wird unterstützt von den Masterstudierenden Mareike Nissen und Matthias Hiestermann.

Unsere Forschung spiegelt sich auch in der Lehre wider. So bieten wir zum Beispiel Lehrveranstaltungen zu multikulturellen Gesellschaften und Diversität an. In der Lehre betreuen wir vor allem Studierende im Master Bildungswissenschaften und sind in der Lehramtsausbildung (Master Lehramt Gymnasien, Master Lehramt Sonderpädagogik) tätig. Außerdem beteiligen wir uns an der Ausbildung in den Studiengängen zum Bachelor Sonderpädagogik und Master Sonderpädagogik und Rehabilitationswissenschaften, sowie zum fächerübergreifenden Bachelor. Wir legen einen besonderen Wert auf die Vermittlung von grundlegenden entwicklungspsychologischen Erkenntnissen und Forschungsmethoden sowie auf ein grundlegendes Verständnis empirischen wissenschaftlichen Arbeitens. Außerdem übernehmen wir auch Teile der methodischen Ausbildung der Studierenden.

Für weitere Informationen steht das Team der Hannoveraner Entwicklungspsychologie gerne zur Verfügung.

Zur Homepage der Arbeitseinheit: https://www.psychologie.uni-hannover.de/startseite_psychologie.html

Zur Homepage von Prof. Dr. Peter F. Titzmann: https://www.petertitzmann.com/deutsch/willkommen/

Ausgewählte Publikationen

Benbow, A. E. F., & Rutland, A. (2017). Competence matters! Understanding biculturalism in ethnically diverse adolescents. Journal of Community and Applied Social Psychology, 27, 366–373. doi: 10.1002/casp.2312

Drexler, H. (2013). Selbstwissen und Selbstregulation. Bewältigungsprozesse unter Betrachtung der individuellen Selbstkonstruktion. Dissertation, Universität Hildesheim. (online unter: http://opus.bsz-bw.de/ubhi/volltexte/2013/207/).

Jugert, P., & Titzmann, P. F. (2017). Trajectories of victimization in ethnic diaspora immigrant and native adolescents: Separating acculturation from development. Developmental Psychology, 53(3), 552-566.

Titzmann, P. F. (2014). Immigrant adolescents’ adaptation to a new context: Ethnic friendship homophily and its predictors. Child Development Perspectives, 8(2), 107-112.

Titzmann, P. F., & Gniewosz, B. (2017). With a little help from my child: A dyad approach to immigrant mothers’ and adolescents’ socio-cultural adaptation. Journal of Adolescence, Advance online publication.

Titzmann, P. F., & Lee, R. M. (accepted for publication). Adaptation of young immigrants: A developmental perspective on acculturation research. European Psychologist.

Titzmann, P. F., & Silbereisen, R. K. (2012). Acculturation or development? Autonomy expectations among ethnic German immigrant adolescents and their native German age-mates. Child Development, 83(5), 1640-1654.

Titzmann, P. F., Silbereisen, R. K., & Mesch, G. (2014). Minor delinquency and immigration: A longitudinal study among male adolescents. Developmental Psychology, 50(1), 271-282.


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