Prof. Dr. Norbert Zmyj

 

Die Forschung am Lehrstuhl Entwicklungspsychologie (www.dortmunderkinderstudien.tu-dortmund.de) beschäftigt sich mit sozial-kognitiven Phänomenen, die sich während Kindheit und Jugend entwickeln und die im Erwachsenenalter volle Funktionsreife entfalten.

Ein Forschungsbereich untersucht das Imitationsverhalten von Kindern. In experimentellen Studien, in denen Modelleigenschaften oder situative Gegebenheiten manipuliert werden, versuchen wir herauszufinden, unter welchen Bedingungen Kinder imitieren und unter welchen Bedingungen nicht. Diese sogenannte selektive Imitation ermöglicht Rückschlüsse auf die kognitiven Mechanismen, die an der Imitation beteiligt sind. Rückschlüsse auf die soziale Komponente der Imitation werden so ebenfalls möglich. Diese soziale Komponente der Imitation untersuchen wir vertieft in korrelativen Studien, in denen Temperamentsmerkmale der Kinder mitberücksichtigt werden.

Ferner beschäftigen wir uns mit der Entwicklung moralisch geprägten Verhaltens. Dabei interessiert uns das erste Auftreten moralanalogen Verhaltens im ersten Lebensjahr, beispielsweise die Präferenz von prosozialen gegenüber antisozialen Akteuren. Des Weiteren gilt unser Interesse der Rolle der Gruppenmitgliedschaft bei kooperativem und kompetitivem Verhalten im Vorschul- und Schulalter. Außerdem untersuchen wir die Effektivität von Maßnahmen die beabsichtigen unter natürlichen Bedingungen, wie beispielsweise dem Schulkontext, zu einer Reduktion der Abwertung von Außengruppenmitgliedern zu führen.

Ein weiteres Forschungsinteresse gilt der Entwicklung des Ich-Bewusstseins bei Kindern, das typischerweise mit dem Rougetest assoziiert ist. Hier interessieren uns zum einen mögliche Vorläufer des Ich-Bewusstseins im ersten Lebensjahr, wie die Kontingenzwahrnehmung der Kinder und kontingentes Verhalten der Eltern, und zum anderen die weitere Entwicklung des Ich-Bewusstseins bis zum Schulalter. Darüber hinaus erforschen wir Zusammenhänge zwischen dem Ich-Bewusstsein und dem Verständnis von Bewusstseinsvorgängen anderer.

Schließlich widmen wir uns auch Fähigkeiten, die im Verdacht stehen, typisch menschlich zu sein: Der Theory of Mind und dem Zeitverständnis. Im Fokus stehen dabei die Debatte um das erste Auftreten einer Theory of Mind sowie die Bedeutung von scheinbar irrelevanten Eigenschaften einer Person für die Zuschreibung von Überzeugungen. Beim Zeitverständnis interessieren wir uns für seine Bedeutung beim Bedürfnisaufschubs sowie für Möglichkeiten, Zeitverständnis bei Kindern zu trainieren.

Orthogonal zu den genannten Forschungsbereichen verläuft ein Forschungsstrang, der sozial-kognitive Fähigkeiten unter widrigen Bedingungen wie Stress, Nährstoffdefiziten und Frühgeburtlichkeit untersucht. Auf Grundlage dieser Ergebnisse lassen sich Implikationen für präventive Maßnahmen für Familien mit besonderen Herausforderungen ableiten, sowie Bereiche identifizieren, die bei bestehenden emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten Ziel klinischer oder pädagogischer Interventionen sein könnten.

 

In der Lehre sind wir vor allem in der Lehramtsausbildung tätig. Wir bilden Lehrer aus, die an Gesamtschulen, Gymnasien und Berufsschulen Psychologie als Unterrichtsfach lehren werden. Daher legen wir einen besonderen Wert auf die Vermittlung von grundlegenden entwicklungspsychologischen Erkenntnissen und Forschungsmethoden in der Entwicklungspsychologie sowie auf die Reflexionsfähigkeit von entwicklungspsychologischen Forschungsergebnissen.

Zur Homepage der Forschungsgruppe: http://www.psych.tu-dortmund.de/cms/psych/de/forschung/entwicklung/index.html 

Ausgewählte Publikationen

Seehagen, S., Schneider, S., Rudolph, J., Ernst, S., & Zmyj, N. (2015). 
Stress impairs cognitive flexibility in infants. PNAS, 112, 12882–12886. 
doi: 10.1073/pnas.1508345112 

Zmyj, N. & Bischof-Köhler, D. (2015). The development of gender 
constancy in early childhood and its relation to time comprehension and 
false-belief understanding. Journal of Cognition and Development, 16, 
455-470. doi: 10.1080/15248372.2013.824881 

Zmyj, N., Buttelmann, D., Carpenter, M. & Daum, M. M. (2010). The 
reliability of a model influences 14-month-olds' imitation. Journal of 
Experimental Child Psychology, 106, 208-220. doi: 10.1016/j.jecp.2010.03.002 

Zmyj, N., Daum, M. M., Prinz, W., Nielsen, M. & Aschersleben, G. (2012). 
Fourteen-month-olds’ imitation of differently aged models. Infant and 
Child Development, 21, 250-266. doi: 10.1002/icd.750 

Zmyj, N., Jank, J., Schütz-Bosbach, S. & Daum, M. M. (2011). Detection 
of visual-tactile contingency in the first year after birth. Cognition, 
120, 82-89. doi: 10.1016/j.cognition.2011.03.001 


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