8. Fachtagung Pädagogische Psychologie 2001 (Landau)

Über 250 Wissenschaftler aus Deutschland und den Nachbarländern folgten im September der Einladung von Wolfgang Schnotz und seinen Mitarbeitern nach Landau in der malerischen Pfalz zur 8. Fachtagung der Fachgruppe Pädagogische Psychologie der DGPs.

An drei Tagen wurden sie in insgesamt 179 Beträgen über den aktuellen Stand pädagogisch-psychologischer Forschung in Deutschland informiert. Die Vielzahl von Beiträgen wurde thematisch zusammengefasst in insgesamt 19 Arbeitsgruppen mit 98 Einzelbeiträgen, 12 Forschungsreferatgruppen mit 39 Einzelbeiträgen und 7 Postergruppen mit 30 Posterbeiträgen, ergänzt von 8 Positions- und Überblicksreferaten, 2 eingeladenen Vorträgen, zwei Round Tables, einer Podiumsdiskussion sowie einem Gedenksymposium für Franz Weinert.

Die Vielzahl der Beiträge verbietet es natürlich, ein einheitliches Urteil über deren Qualität abzugeben, zumal die enge Zeitplanung bis zu 8 Parallelveranstaltungen erforderte, so dass selbst der wissbegierigste Teilnehmer nur einen Bruchteil der Präsentationen besuchen konnte. Dennoch zeigten zumindest die vom Autor besuchten Vorträge durchgängig ein hohes wissenschaftliches Niveau und - nicht zuletzt - professionelle Präsentationen. Weiterhin wiesen gerade auch die präsentierten Poster eine hohe Qualität auf. Auch angesichts der immer größer werdenden Anzahl wissenschaftlicher Präsentatione und den damit einhergehenden zunehmenden organisatorischen Problemen scheint es empfehlenswert, diese Form der Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse weiter zu fördern.

Einen groben Überblick über die thematische Vielfalt der Tagung geben schon eher die Titel, unter denen die Arbeits- und Forschungsreferategruppen firmierten. Ohne alle im Einzelnen aufzählen zu wollen sei an dieser Stelle nur aufgeführt, dass von übergreifenden Themen (wie Diagnostik; Motivation und Emotion; Schule und Unterricht; Gewalt und Aggression) über methodische Fragestellungen (wie Evaluation oder Qualitative Forschung) bis hin zu Spezialthemen (wie Dsykalkulie oder Hyperaktivität) die gesamte Bandbreite aktueller pädagogisch-psychologischer Forschung vertreten war. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten dabei zwei Themenbereiche, die jeweils mit einer ganzen Reihe von Arbeits- und Forschungsreferategruppen vertreten waren: das Thema "Selbstregulation und Lernstrategien" einerseits sowie "Lernen im Umfeld Neuer Medien" andererseits. Beide Themen scheinen im Moment von besonderem Interesse und, wie die jüngsten Diskussionen zeigen, auch von besonderer gesellschaftlicher Relevanz zu sein. Hier spiegelt sich eine Tendenz wieder, die man im übrigen auch sowohl auf internationalen Tagungen (wie etwa der letzten EARLI in Fribourg), als auch in einschlägigen nationalen und internationalen Zeitschriften beobachten kann. Auch in diesem Sinne scheint die deutsche Pädagogische Psychologie ihre internationale Anschlussfähigkeit zu sichern. Ob und in wieweit der hier betriebene wissenschaftliche Aufwand aber tatsächlich zu einem signifikanten Erkenntniszuwachs führen wird, bleibt - so zumindest mein Eindruck nach dem Besuch mehrerer dieser Arbeitsgruppen - zunächst noch abzuwarten.

Besondere Erwähnung verdienen, neben den eingeladenen Vorträgen von David Kirsh zum Thema "Metapsychology and the Design of Learning Environments" und Ewald Terhard zum Thema "Fremde Schwestern: Zum Verhältnis von Allgemeiner Didaktik und Empirischer Lehr- Lernforschung", zwei Programmteile der Landauer Tagung:

  1. die Verleihung des Förderpreises Pädagogische Psychologie an Dr. Matthias Nückles (Freiburg) für seine Dissertation 'Perspektivenübernahme von Experten in der Kommunikation mit Laien. Eine Experimentalserie im Internet'.
  2. das Gedenksymposium für Franz Weinert. In vier Vorträgen stellten Weinerts Schüler Andreas Helme (zum Thema "Unterrichtsqualität und Unterrichtseffekte"), Markus Hasselhorn und Friedrich-Willhelm Schrader (zum Thema "Lernen lernen. Entwicklungsvoraussetzungen und schulische Implikationen"), Wolfgang Schneider (zum Thema "Langfristige Entwicklung der Rechtschreibkompetenz") sowie Elsbeth Stern und Alexander Renkl (zum Thema "Der Einfluss der Grundschule auf die kognitive Entwicklung") nicht nur große Teile des beeindruckenden wissenschaftlichen Lebenswerks Franz Weinerts vor, sondern gaben darüber hinaus auch Einblicke in die Arbeit mit dem Menschen Franz Weinert. Berücksichtigt man, wie problematisch solche Veranstaltungen sein können, ist den Organisatoren und Teilnehmern des Symposiums für eine dem Anlass rundum angemessene Veranstaltung zu danken.

Neben viel Lob verdient jede Tagung natürlich auch (gelinden) Tadel. Diesbezüglich sind dem Autor vor allem zwei verbesserungsfähige Aspekte im Gedächtnis geblieben.

Hinsichtlich der zeitlichen Organisation einer solch großen Anzahl von Beiträgen ist die Durchführung von Parallelveranstaltungen sicher unvermeidlich. Um dem Besucher der Tagung einen Wechsel zwischen einzelnen, ihn interessierenden Vorträgen (und nicht nur zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen) zu ermöglichen, sollte dann jedoch der Organisation ein striktes Zeitraster zugrunde liegen. Dies war hier jedoch nicht der Fall, da einerseits einzelne Sitzungen unterschiedlich viele (und damit bei gleicher Gesamtzeit einer Sitzung unterschiedlich lange) Beiträge enthielten, andererseits dann, wenn einzelne Beiträge ausfielen (was sicher auch unvermeidlich ist), andere vorgezogen wurden. Dadurch war es praktisch nicht möglich, sich einzelne Vorträge herauszugreifen und zwischen den Sitzungen zu wechseln. Hier sollte man sich die - diesbezüglich deutlich strengeren - internationalen Tagungen zum Vorbild nehmen. Ein zweiter Kritikpunkt, der jedoch nicht von den Organisatoren zu verantworten ist, betrifft aus Sicht des Autors die Rolle der Diskutanten in den Arbeitsgruppen. Zumindest in den von mir besuchten, variierte die Qualität der Diskutantenbeiträge von kritisch-konstruktiv bis unvorbereitet-überheblich mit so ziemlich allen dazwischen liegenden Abstufungen. Hier sollten sicher einige der Diskutanten im Vorfeld ihre Rolle besser vorbereiten, vielleicht wäre es aber auch hilfreich, sie mit entsprechenden guidelines zu versorgen.

Nicht unerwähnt bleiben soll zum Schluss der organisatorische Rahmen der Tagung und hier insbesondere der Gesellschaftsabend, zu dem Schnotz und Mitarbeiter in das historische Ambiente der Hambacher Feste einluden. Die Organisation all der hilfreichen Dienstleistungen, die eine Tagung benötigt (vom Tagungscafe bis zum Internetzugang) war schlicht vorbildlich. Wer darüber hinaus den Gesellschaftsabend besuchte, konnte sich nicht nur am Ambiente der Umgebung und am reichhaltigen Büffet erfreuen, sondern auch zu vorgerückter Sunde eine Kostprobe der musikalischen Fähigkeiten des Gastgebers erleben.

Dr. Roland Brünken.
Zentrum für Lehr-, Lern- und Bildungsforschung,
Selbständige Forschungsgruppe,
Universität Erfurt,
Postfach 900221,
99105 Erfurt
email: roland.bruenken@uni-erfurt.de


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