Nachtrag zu den B.Sc.-M.Sc.-Empfehlungen der DGPs

09.06.2005

Seit der Veröffentlichung unserer Empfehlungen zu Bachelor- und Masterstudiengängen in Psychologie haben uns mehrere Anfragen erreicht, die wir zum Anlass nehmen, auf zwei besonders wichtige Punkte noch einmal einzugehen. Beide betreffen den Masterstudiengang.

I. Spezialisierte vs. nicht-spezialisierte Masterstudiengänge

Unsere Empfehlungen sehen die Konzeption von Masterstudiengängen vor mit einem hohen Ausbildungsanteil an Grundlagen- und/oder Anwendungsfächern, der standortspezifisch ausgefüllt werden muss und dadurch eine Profilbildung der Institute ermöglicht. Hinzu kommen neben Praktika, Masterarbeit und Nebenfach Kerncurricula für Methoden und Diagnostik sowie für die Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse. Dieses Ausbildungskonzept begründet die Vergabe eines allgemeinen, nicht-spezialisierten Abschlusses M.Sc. in Psychologie. Institute können je nach Kapazität mehrere Masterstudiengänge anbieten, die sich in ihrem jeweiligen inhaltlichen Profil unterscheiden, aber dennoch alle zum M.Sc. in Psychologie führen. Die inhaltliche Schwerpunktsetzung eines Studiengangs geht aus dem Diploma Supplement hervor.

Die Alternative zu unseren Empfehlungen wären spezialisierte Studiengänge mit entsprechend spezialisierten Abschlüssen, z.B. M.Sc. in Klinische Psychologie. Wir haben uns aus den folgenden Gründen für den nicht-spezialisierten M.Sc. in Psychologie entschieden:

  1. Ohne den nicht-spezialisierten M.Sc. in Psychologie würde die Psychologie als Fach von der Bühne der Disziplinen auf der für die Reputation eines Faches entscheidenden Masterebene verschwinden und durch viele – beliebige – Teilpsychologien ersetzt werden. Damit würde der nicht-spezialisierte Bachelor in Psychologie (so er angeboten wird) zum kleinsten gemeinsamen Nenner und stände damit in Zukunft für das Fach Psychologie.
  2. Bei einer Reduktion auf spezialisierte Studiengänge besteht die Gefahr, dass an den einzelnen Standorten nur noch die für die Profile notwendige Infrastruktur erhalten bleibt. Dabei ist nicht zu erwarten, dass die Institute profilspezifisch ausgebaut werden, sondern nur, dass die nicht profil-relevanten Teilgebiete abgebaut werden.
  3. Bei einer ausschließlichen Fokussierung auf ein Schwerpunktgebiet verringern sich die Chancen auf Vernetzungen mit andern Disziplinen innerhalb einer Hochschule.
  4. Der Austausch der Teilgebiete untereinander und die für das Fach fruchtbare und Zukunft sichernde Verzahnung von Grundlagen und Anwendung werden durch eine zu starke Fokussierung auf einzelne Profilbereiche gefährdet.
  5. Die Konzentration auf einzelne Inhaltsgebiete ist zudem angesichts der klaren Tendenz zur Bildung größerer – und nicht spezialisierter – Wissenseinheiten bei der Einwerbung von Ressourcen völlig kontraproduktiv.
  6. Spezialisierte Masterstudiengänge werden sich vor allem an den Fachhochschulen etablieren. Durch Masterstudiengänge in Psychologie an den Universitäten, die sich neben einer klaren inhaltlichen Profilierung durch eine fundierte Ausbildung in Methoden, Diagnostik und die Verzahnung von Grundlagen- und Anwendungsgebieten auszeichnen, bleibt die Unterscheidung zwischen den Hochschultypen gewährleistet.
  7. Ein spezialisierter Masterabschluss signalisiert spezielle Kenntnisse und Kompetenzen. Das mag dort von Vorteil sein, wo eben diese Kenntnisse erwünscht sind; er impliziert jedoch auch fehlende Kenntnisse und Kompetenzen. Absolventinnen und Absolventen mit spezialisierten Abschlüssen sind daher im Hinblick auf ihre Chancen am Arbeitsmarkt unflexibel. Ein nicht-spezialisierter Masterabschluss mit ausgewiesener Schwerpunktsetzung im Diploma Supplement hingegen bietet beides: Den Nachweis (erwünschter) Spezialisierung und breiter Kenntnisse.

II. Quoten für Masterstudienplätze?

Gegenwärtig wird immer wieder diskutiert – so zuletzt in NRW – dass nur für einen (kleinen) Teil der Bachelor-Absolventen Masterstudienplätze vorgehalten werden sollen. Diese Diskussion findet gegenwärtig meist auf der Basis von Gerüchten statt. Wir warnen daher vor einem vorauseilenden Gehorsam! Es gibt eine Reihe von aktuellen Beispielen, in denen Fächer Bachelor- und Masterstudienplätze in einem Verhältnis von 1:1 durchsetzen konnten. In der Biologie beispielsweise erfolgt lediglich eine sinnvolle Auswahl nach Eignung; über die Leistung hinausgehende Quoten sind nicht vorgesehen. Wir empfehlen daher allen Instituten ganz nachdrücklich, einen hohen Anteil an Masterstudienplätzen einzurichten und auf diese Weise den Fortbestand an hochqualifizierten Psychologinnen und Psychologen zu sichern.

Hannelore Weber, im Namen des Vorstandes der DGPs

 Empfehlungen der DGPs zur Einrichtung von B.Sc.-M.Sc.-Studiengängen in Psychologie an den Universitäten - Revision - 05.07.2005 00:00

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