Krankschreibungen reichen nicht – mehr gut ausgebildete Psychotherapeuten für Kriseninterventionen sind notwendig

01.04.2015

Eine Stellungnahme der DGPs-Präsidentin, Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm.

Beim German Wings Co-Piloten, der in der letzten Woche möglicherweise absichtlich das Flugzeug zerschellen ließ, wurde viel darüber diskutiert, dass er eine Krankschreibung nicht wahrgenommen hat. Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm, sagt: „Krankschreibungen reichen nicht, wir brauchen mehr gut ausgebildete Psychotherapeuten für Krisenintervention.“


„Leider sieht die Realität in der psychotherapeutischen Versorgung heute immer noch anders aus. Akut depressive Personen zum Beispiel bekommen häufig nicht schnell genug psychotherapeutische Hilfe, weil es zu wenig entsprechend ausgebildete Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen gibt und die Wartezeiten in psychotherapeutischen Einrichtungen zu lang sind“, sagt DGPs-Präsidentin Abele-Brehm.

Prof. Silvia Schneider, Klinische Kinder- und Jugendpsychologin an der Ruhr-Universität Bochum, fügt hinzu: „Menschen mit Suizidabsicht benötigen eine verbindliche und regelmäßige Anbindung an psychologisch geschulte Personen, die für Krisengespräche zur Verfügung stehen. Je nach Bedarf muss entschieden werden, ob der psychisch kranke Mensch eine 24-Stunden-Betreuung benötigt und stationär versorgt werden muss. Die aktuelle Versorgungslage führt dazu, dass Menschen mit schweren psychischen Störungen etwa sechs Monate auf einen Psychotherapieplatz warten. Dies muss sich dringend ändern.“

„Kurzfristige Akutbehandlungen sind für Suizidale nicht ausreichend“, ergänzt Prof. Winfried Rief, Klinischer Psychologe der Universität Marburg. Er fordert daher so etwas wie den Hausarzt, aber auf Psychotherapeutenebene: „Psychotherapeuten, die Risikopatienten und ihr soziales Netzwerk und Stützsystem kennen, aber auch differenziertes Wissen haben, um die komplexen psychologischen Prozesse im Vorfeld einer krisenhaften Veränderung zu identifizieren und eingreifen zu können.“

Aus der aktuellen Diskussion ergeben sich wichtige Implikationen für die Ausbildung von Psychotherapeuten. „Die derzeitig laufende Novellierung  des Psychotherapeutengesetzes bietet die Chance, die Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeuten noch besser zu machen“, sagt DGPs-Präsidentin Abele-Brehm. „Aktuelle psychologische Forschungserkenntnisse zur Diagnostik und Therapie psychischer Störungen müssen noch stärker in die Ausbildung integriert werden und die konkrete Arbeit bei Kriseninterventionen muss ein verbindlicher Bestandteil der praxisbezogenen Weiterbildung sein“.

Kontakt:

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm
Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.)
Lehrstuhl für Sozialpsychologie
Bismarckstr. 6, R 3.008
91054 Erlangen
Tel.: 09131 8522307 / Sekretariat: 09131 8526273
E-Mail: andrea.abele-brehm(at)fau.de

Pressestelle DGPs:

Dr. Anne Klostermann
Tel.: 030 28047718
E-Mail: pressestelle(at)dgps.de

DGPs-Pressemitteilung_01-04-2015.pdf

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