Tätigkeitsbericht 2002

Akkreditierungsausschuß Rechtspsychologie gemäß Ordnung für die Weiterbildung in Rechtspsychologie der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen Tätigkeitsbericht

Die Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen hat nach jahrelangen Vorarbeiten am 18.11.1995 eine “Ordnung für Weiterbildung in Rechtspsychologie” verabschiedet (im folgenden WBORP). Die WBORP wurde in der Psychologischen Rundschau 47 (2), 1996, S. 96-99, publiziert. Sie regelt die systematische Weiterbildung in Rechtspsychologie auf der Grundlage des universitären Psychologiestudienabschlusses (im folgenden als regulärer Weiterbildungsgang bezeichnet) und enthält außerdem Übergangsregelungen zur Zertifizierung als Rechtspsychologin/Rechtspsychologe ohne Teilnahme an einem regulären Weiterbildungsgang.

Zur Umsetzung der WBORP wurde vom Föderationsvorstand der Akkreditierungsausschuß Rechtspsychologie (AKARP) institutionalisiert. In den AKARP wurden im November 1995 paritätisch vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) und von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs) je drei Personen berufen. Die Berufung in den AKARP wurde durch den Vorstand der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen nach einer Sitzung vom 18.12.1999 ab Januar 2000 für eine weitere Amtszeit erneuert. Die zweite vierjährige Amtsperiode des derzeitigen AKARP endet somit mit Ablauf des Jahres 2003. Mitglieder des AKARP sind:

  • Prof. Dr. Thomas Fabian, Leipzig, BDP, derzeit stellvertretender Vorsitzender
  • Dr. Christine Herbig, Arnsdorf, BDP
  • Prof. Dr. Günter Köhnken, Kiel, DGPs
  • Prof. Dr. Friedrich Lösel, Erlangen, DGPs
  • Dipl.-Psych. Karin Schneider-Wolber, Ransbach-Baumbach, BDP
  • Prof. Dr. Max Steller, Berlin, DGPs, derzeit Vorsitzender

Gemäß WBORP (Nr. 6) bestehen die Aufgaben des AKARP im wesentlichen in der Initiierung, Beratung und Evaluation von regulären Weiterbildungsgängen. Der A-KARP ist aber auch für die Zertifizierung nach den Übergangsregelungen der WBORP (Nr. 8) zuständig.

Die konstituierende Sitzung des AKARP erfolgte am 01. März 1996 in Frankfurt. Am 01. August 2002 fand die 16. Sitzung des AKARP in Berlin statt. Dies entspricht einer jährlichen Sitzungsfrequenz von durchschnittlich mehr als zwei ganztägigen (zum Teil eineinhalbtägigen) Sitzungen des AKARP, wobei in den ersten beiden Jahren zwei Sitzungen, 1998 und 1999 nur jeweils eine Sitzung stattfanden. Die höhere Sitzungsfrequenz ab 2000 erklärt sich durch die hohe Anzahl von Anträgen auf Zertifizierung als Rechtspsychologin/Rechtspsychologe nach den Übergangsregelungen, die durch den AKARP zu bearbeiten waren (vgl. dazu das gesonderte Informationspapier des AKA-Vorsitzenden über die Bearbeitung von Anträgen nach den Übergangsregelungen mit Stand August 2002).

Die Mitglieder des AKARP wählten für eine erste Amtszeit Herrn Lösel zum Vorsitzenden (Stellvertreter: Herr Fabian), für eine zweite Amtszeit Herrn Fabian zum Vorsitzenden (Stellvertreter: Herr Steller) und für eine dritte Amtszeit Herrn Steller zum Vorsitzenden (Stellvertreter: Herr Fabian).

Bis zum Jahre 2000 war der AKARP schwerpunktmäßig mit der Bearbeitung regionaler Weiterbildungsgänge beschäftigt. Neben dem erwähnten regionalen Weiterbildungsgang Nordrhein-Westfalen wurde der Weiterbildungsgang Ost (Berlin/Brandenburg und benachbarte Länder) nach Prüfung und Weiterleitung durch den AKARP an den Föderationsvorstand durch diesen akkreditiert. Derzeit stellt sich als dringendes Problem für den AKARP dar, grundsätzliche und überregional geltende Probleme bei der Umsetzung der regulären Weiterbildungsgänge zu beraten und einer Lösung zuzuführen. Nach Vorarbeiten durch die Vorstände der beiden regionalen Gremien aus NRW und Ost erscheint es zweckdienlich, zu einer umfassenden Kooperation der beiden regionalen Weiterbildungsgänge zu kommen. Außerdem erscheint es dringend geboten, Ausführungsbestimmungen für die schriftlichen Prüfungsleistungen und die mündlichen Einzelprüfungen (Nr. 4.6 der WBORP) zu erarbeiten. Obwohl sich der AKARP in der jüngeren Vergangenheit in drei- bis viermonatigen Abständen zu Sitzungen zusammengefunden hat, konnte er diese grundsätzlichen Fragen der Weiterbildung noch nicht bearbeiten, da er mit Anträgen nach der Übergangsregelung überlastet ist.

Für die Anerkennung als Rechtspsychologe/Rechtspsychologin nach den Übergangsregelungen wurde durch den AKARP eine Zertifizierungsordnung (ZORPÜ) erarbeitet und am 28. Januar 2000 verabschiedet. Da Anträge nach den Übergangsregelungen erst nach Inkrafttreten einer ersten regionalen Weiterbildung gestellt werden konnten (Nr. 8 WBORP) und die Akkreditierung eines ersten regionalen Weiterbildungsgangs, nämlich des Weiterbildungsgangs Nordrhein-Westfalen, durch den Föderationsvorstand zum 01. Januar 2000 erfolgte, konnten ab diesem Datum Anträge nach den Übergangsregelungen gestellt werden. Die Frist zur Stellung von Anträgen nach den Übergangsregelungen läuft gemäß WBORP bis Ende 2004. (Anmerkung: Auf den Druckfehler in einer frühen Fassung der ZORPÜ, daß Anträge nach den Übergangsregelungen bis zum 31. Dezember 2005 eingereicht werden könnten, wird hingewiesen. Richtig muß es heißen: 31. Dezember 2004.)

Der AKARP hat bisher 131 An-träge nach den Übergangsregelungen bearbeitet, davon erfolgten 20 Ablehnungen, deren Zahl sich aufgrund der Durchführung von Kolloquien reduzieren kann. Einige der abgelehnten Antragsteller haben gegen die Ab-lehnungen Widersprüche eingelegt. Aufgrund der Befassung mit diesen Widersprü-chen und einer darauf bezogenen Anfrage der derzeitigen Vorsitzenden der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen vom Juli 2002 mußte auf der 16. AKA-Sitzung am 01.08.02 der eigentlich vorgesehene Tagesordnungspunkt “Erfahrungen und Probleme bei der Umsetzung der Weiterbildungsordnung im regulären Weiterbildungsgang” entfallen. Er soll nunmehr auf einer folgenden Sitzung des AKA, die auf eineinhalb Tage, nämlich Sonntag/Montag, 27./28. Oktober 02, angesetzt ist, behandelt werden.

Der AKARP hat über seine 16 Sitzungen Protokolle erstellt, die dem Föderationsvorstand zugeleitet wurden. Zu vermeintlichen Einzelproblemen, die mit der Arbeit des AKARP bei der Entscheidung über die Anträge nach den Übergangsregelungen verbunden sind (z.B. Anonymität der für den AKARP tätig werdenden Gutachter, vermeintlich lange Zeitdauer der Antragsbearbeitungen sowie Probleme der Einlegung von Rechtsmitteln nach Ablehnung von Anträgen gemäß Übergangsregelung), wurde umfangreich in einem Informationspapier des Vorsitzenden des AKARP vom 31.08.02 Stellung genommen.

Für die Zukunft ist wegen Ablaufs der Übergangsfrist mit einer erneuten Zunahme der Anzahl von Anträgen nach der Übergangsregelung zu rechnen. Es ist zu befürchten, daß eine Befassung des AKARP mit dem grundsätzlichen Regelungsbedarf im Rahmen der regulären Weiterbildungsgänge nicht ausreichend möglich sein wird.

Berlin, 02. September 2002

Prof. Dr. phil. Max Steller
Vorsitzender des AKA
Institut für Forensische Psychiatrie
Universitätsklinikum Benjamin Franklin
Freie Universität Berlin


nach oben