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Einmal Ranking, zweimal schauen

07.05.2010

Das neue CHE-Hochschulranking ist da. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie begrüßt die Untersuchung von Studien- und Forschungsbedingungen in der Psychologie auch über die Grenzen Deutschlands hinaus – warnt jedoch vor allzu leichtfertiger Interpretation der Ergebnisse.

Mit erweitertem Programm präsentiert das gemeinnützige Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh die Ergebnisse seiner Ranking-Studie. Spitzenwerte in der Kategorie "Studiensituation insgesamt" für 15 der 49 in der Studie repräsentierten Psychologischen Institute zwischen Aachen und Dresden, Kiel und München. Dresden und Marburg können sich freuen, in allen Kategorien ganz vorn zu stehen, also im Hinblick auf das wissenschaftliche Niveau (Publikationen und Forschungsgelder) wie auch auf die Qualität der Lehre (Berufsbezug und Betreuung durch Lehrende). Heidelberg ist nicht weit davon entfernt, und auch in Freiburg und Magdeburg stehen fast alle Signale auf Grün.

 

Erstmals sind auch alle Institute aus den Niederlanden in das Hochschul-Ranking des gemeinnützigen Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh eingegangen - und platzieren sich in den vorderen Rängen. Ein Blick auf die Ausstattung der psychologischen Institute in den Niederlanden mit Professuren macht deutlich, dass es hier in Deutschland großen Nachholbedarf gibt

 

Die Details der CHE-Studie werden im neuen "ZEIT-Studienführer 2010/2011" zusammengefasst und erläutert; außerdem sind die Resultate online unter www.zeit.de/studium/ranking abzurufen. Im CHE-Ranking werden die Daten von jeweils einem Drittel der im deutschsprachigen Raum an knapp 300 Universitäten und Fachhochschulen verbreiteten Studienfächer im Drei-Jahres-Rhythmus erhoben; in der aktuellen Erhebung wurden neben der Psychologie auch die Geistes-, Erziehungs- und Ingenieurwissenschaften neu bewertet. Die Methode der Studie wird auf der Homepage des CHE unter www.che-ranking.de erläutert.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat die Untersuchung durch Teilnahme im Fachbeirat unterstützt – warnt jedoch vor allzu eiliger Deutung der Resultate. Wer beispielsweise einen Studienort aussuchen möchte, so der Saarbrücker Psychologe Prof. Dirk Wentura, sei gut beraten, vor einer Entscheidung gründlich nach weiterer Information zu suchen. „Das Ranking-Verfahren hat seine spezifischen Schwächen“, warnt Wentura, „und auch die sorgfältige Arbeit des CHE kann diese nicht ausgleichen.“

 

So verweist das DGPs-Vorstandsmitglied etwa auf die Tatsache, dass die relative Position innerhalb einer Gruppe keine Aussagen über absolute Zahlen zulässt – auch das Schlusslicht in einem Vergleich kann, für sich allein betrachtet, deutliche Fortschritte, etwa in der Einwerbung von Forschungsgeldern, gemacht haben. Zudem bleibt es immer ein Kompromiss, die wissenschaftliche Aktivität der Institute durch einige wenige Zahlenwerte auszudrücken. Weiter sei zu bedenken, sagt Wentura, dass gerade beim aktuellen Ranking einige Werte auch kurzfristige Probleme, etwa Startschwierigkeiten bei der Einführung des Bachelor oder den Generationenwechsel auf der Professorenebene, widerspiegeln könnten. Einen weiteren Lesetipp hat Wentura: Es scheint für angehende Studierende naheliegend, der Spalte „Studiensituation gesamt“ ein besonderes Gewicht zu geben. Hierbei handelt es sich allerdings nur um die Antwort auf eine einzelne Frage an die Studierenden, während die Spalten „Betreuung“ und „Berufsbezug“ jeweils die Antworten auf mehrere Fragen zusammenfassen und daher als verlässlicher gelten können.

 

„Wir begrüßen es, dass die Arbeit der psychologischen Institute durch die CHE-Rankings im ZEIT-Studienführer große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erfährt“, bestätigt auch die DGPs-Präsidentin Prof. Ursula Staudinger, „doch bei der Interpretation der Ergebnisse empfehlen wir, lieber zweimal hinzuschauen – und im Zweifel noch weitere Quellen zu Rate zu ziehen.“

 

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