Mitteilungsdetail

Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in der Psychologie.

30.11.2004

Eine Stellungnahme des DGPs-Vorstandes und des BDP-Präsidiums

Die im Zuge der Umsetzung der Bologna-Deklaration geforderte Aufgabe des Diplomstudiengangs Psychologie und die Einführung konsekutiver Bachelor- und Masterstudiengänge ist unter den Fachvertretern und Fachvertreterinnen der Psychologie umstritten, da befürchtet wird, dass mit der Einführung des Bachelorstudiengangs als Regelabschluss die gegenwärtig hohe Qualität des Ausbildung unweigerlich sinken wird. Das zentrale Problem stellt dabei die Verfügung dar, dass der Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss den Regelabschluss darstellen soll und auch erfolgreichen Bachelor-Absolventen die Aufnahme eines Masterstudiums verwehrt wird, weil nur eine gegenüber dem Bachelorstudium deutlich reduzierte Anzahl an Studienplätzen für das Masterstudium zur Verfügung steht.

 

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs) und das Präsidium des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) schließen sich daher den vorliegenden Stellungnahmen aus den naturwissenschaftlichen Fächern mit bisherigen Diplomstudiengängen – hier der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Deutschen Mathematiker-Vereinigung – sowie der Erklärung der Technischen Universitäten an und nehmen zur Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in Psychologie an den Universitäten wie folgt Stellung:

 

(1) In der Nachfolge des in der Berufspraxis und in der Forschung auch international anerkannten und bewährten Diploms in Psychologie muss der Regelabschluss der MSc in Psychologie sein. Es darf keine Quotierung in der Form erfolgen, dass nur für einen relativ geringen Anteil (beispielsweise 50%) der Studienplätze in dem Bachelorstudiengang ein Studienplatz in einem Masterstudiengang eingerichtet wird. Hier orientieren wir uns auch an der Schweiz, wo der Master in Psychologie den Regelabschluss darstellt. Im Übrigen entspricht die in Deutschland vorgesehene Quotierung in keiner Weise der Bologna-Deklaration, in der eine Begrenzung von Studiengängen im zweiten Zyklus nicht vorgesehen ist. Sie steht nachgerade im Widerspruch zu der Vision eines „Europe of Knowlegde“, das als Ziel des Bologna-Prozesses formuliert ist und aus dem die Verpflichtung erwächst, fachlich dazu befähigten Studierenden eine hochwertige Ausbildung zu ermöglichen. Wir erachten die geplante Quotierung als eine allein aus ökonomischen Gründen verfügte Maßnahme, die dem oft und gern zitierten Anspruch Deutschlands, als rohstoffarmes Land in einem hohen Bildungsstand seine wirtschaftliche Zukunft zu sehen, in eklatanter Weise widerspricht.

 

(2) Wir sehen den größten Vorteil eines konsekutiven Studiums der Psychologie in der Nachfolge des Diplomstudiengangs darin, dass nach Abschluss eines BSc in Psychologie, der die grundlegenden methodischen und inhaltlichen Kenntnisse sowie grundlegende Berufsqualifikationen vermittelt, ein flexiblerer Wechsel als bisher zu inhaltlich je nach Universität stärker spezialisierten MSc Studiengängen erfolgen kann. Zugleich wird damit die Möglichkeit eröffnet, dass in interdisziplinäre Masterstudiengänge auch Absolventen und Absolventinnen von Bachelorstudiengängen aus anderen Fachgebieten nach entsprechender Prüfung ihrer fachlichen Eignung aufgenommen werden können. Hier steht es den Universitäten frei, entsprechende fachliche Voraussetzungen und Anforderungen zu formulieren.

 

(3) Auch wenn es möglich erscheint, dass Absolventen nach einem Bachelorstudium in ausgewählten Praxisbereichen nichtselbstständige psychologische Tätigkeiten übernehmen, so setzt eine eigenständige berufliche Tätigkeit von Psychologen und Psychologinnen ein Studium voraus, das – wie das Diplom – umfassende Methodenkompetenz, breites inhaltliches Wissen und vertiefte Expertise in ausgewählten Schwerpunkten vermittelt. Nur diese Kombination gewährleistet, dass Psychologinnen und Psychologen in den Bereichen der Gesundheit, der Wirtschaft, der Bildung, der Verwaltung, des Rechts und der Wissenschaft ihren Beruf so ausüben können, dass sie dem berechtigten Anspruch der Gesellschaft an eine fundierte psychologische Expertise gerecht werden.

 

(4) Angesichts der Entwicklungen in der Forschung zu den Grundlagen menschlichen Verhaltens und Erlebens, etwa im Bereich der Neurowissenschaften, werden die Ansprüche an die Ausbildung absehbar steigen. Dieser Wissenszuwachs erfordert nicht nur berufliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen, sondern ein qualitativ hochwertiges Studium, in dem die Fundamente für eine spätere kontinuierliche Weiterbildung gelegt werden. Diesen bereits heute absehbaren Entwicklungen dadurch zu begegnen, dass möglichst vielen Studierenden eine schlechtere – statt bessere – Ausbildung geboten wird, wäre fatal.

 

(5) Der Vorstand der DGPs hat eine Kommission eingesetzt, die gegenwärtig konkrete Modelle für einen Bachelorstudiengang in Psychologie und Masterstudiengänge in Psychologie an den Universitäten entwickelt. Unser Ziel ist die Einrichtung eines allgemeinen, nicht spezialisierten und über Universitäten hinweg in seiner Grundstruktur vergleichbaren BSc in Psychologie. Dieser Studiengang soll grundlegende methodische und inhaltliche Kenntnisse sowie – den Vorgaben der KMK folgend – grundlegende Berufsqualifikationen vermitteln; er qualifiziert allerdings nur für ausgewählte, eingeschränkte berufliche Tätigkeiten und nicht für die selbstständige berufliche Tätigkeit eines Psychologen oder einer Psychologin. Der erfolgreiche Abschluss des Bachelorstudiums berechtigt zur Zulassung zu einem Masterstudiengang in Psychologie (MSc in Psychologie), dessen inhaltliche Ausgestaltung je nach Standort unterschiedliche Schwerpunkte aufweisen kann. Wünschenswert ist jedoch, dass sich die MSc Studiengänge in ihrer Grundstruktur gleichen. Der Abschluss ist ein MSc in Psychologie, dessen inhaltliche Schwerpunktsetzung aus dem „Diploma Supplement“ hervorgeht.

 

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.V. und das Präsidium des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen empfehlen allen psychologischen Instituten an den Universitäten, bei der anstehenden Entwicklung von Bachelor- und Masterstudiengängen dafür einzutreten, dass keine Quotierung der Studienplätze erfolgt und der MSc in Psychologie den Regelabschluss darstellt. Wie die naturwissenschaftlichen Fächer und die technischen Fächer treten wir dafür ein, dass die mit dem Diplom erreichten hohen Standards im Hinblick auf wissenschaftliches Fachwissen und umfassende Methodenkompetenz nicht aufgegeben werden dürfen.

 

29. November 2004

 Empfehlungen der DGPs zur Einrichtung von B.Sc.-M.Sc.-Studiengängen in Psychologie an den Universitäten - Revision - 05.07.2005 00:00

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