Mitteilungsdetail

Abschlußbericht ´Leistungsvergleiche zwischen Schulen´

09.04.2001

Die Kommission ´Leistungsvergleiche zwischen Schulen´ wurde im Auftrag des Vorstands der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen im Frühjahr 2000 eingesetzt. Der damalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Prof. Rainer Kluwe (Hamburg, gleichzeitig auch Vorsitzender der Föderation) betraute Prof. Wolfgang Schneider mit dem Kommissions-Vorsitz. Ein wesentliches Ziel der Kommissionsarbeit sollte darin bestehen, den potentiellen Beitrag des Fachs Psychologie zum Leistungsvergleich von Schulen zu präzisieren und dabei auch den breiteren Bildungsauftrag der Schulen zu berücksichtigen. Weiterhin sollte die Frage geprüft werden, ob die Einrichtung eines zentralen Instituts für Leistungsvergleiche zwischen Schulen zu empfehlen ist. Die Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen hatte sich auf ihrer Sitzung vom 30. April 1999 für die Schaffung einer solchen zentralen Einrichtung ausgesprochen, die Diskussion möglicher Vor- und Nachteile dann aber der weiteren Kommissionsarbeit überlassen.

 

In Abstimmung mit den Vorständen der DGPs und des BDP konnten die folgenden

 

Personen zur Mitarbeit in der Kommission gewonnen werden:

 

 

Prof. Dr. Jürgen Baumert Berlin (kooptiertes Mitglied);

 

Prof. Dr. Lutz Eckensberger, Frankfurt;

 

Prof. Dr. Bettina Hannover, Dortmund;

 

Dipl.-Psych. Helmut Heyse, Konz;

 

Prof. Dr. Manfred Prenzel, Kiel;

 

Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Würzburg (Vorsitz);

 

Dr. Hermann Zayer, Frankfurt.

 

 

Die zentralen Kommissionsthemen wurde in zwei Arbeitssitzungen ausführlich erörtert, die am 28. Oktober 1999 in Würzburg und am 11. Februar 2000 in Frankfurt am Main stattfanden. Im Zeitraum zwischen den beiden Sitzungen erstellten die Mitglieder der Kommission Arbeitspapiere, die in der Februar-Sitzung extensiv diskutiert wurden und als Anhang zu diesem Abschlußbericht auf der Homepage der DGPs verfügbar sind.

 

 

Die wesentlichen Ergebnisse der Kommissionsarbeit lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

 

(1) Die Diskussion der internationalen und nationalen Studien zur Evaluation von Schulen im deutschsprachigen Raum ist gerade in den letzten Jahren stark intensiviert worden. Die Wahrnehmung eines ´Booms´ ist nach Auffassung der Kommission allerdings nur aus der Perspektive gerechtfertigt, dass internationale Vergleichsstudien lange ohne nennenswerte deutsche Beteiligung stattgefunden haben (vgl. auch die im Anhang beigefügten Übersichtsdarstellungen zu Schulvergleichstudien von Baumert und Schneider).

 

(2) Die Kommission konstatiert, dass die Beteiligung von Psychologen an laufenden Schulvergleichsprojekten nicht nur wünschenswert sondern auch de facto gegeben ist. So kooperieren beispielsweise im Konsortium der PISA-Studie Vertreter der (Entwicklungs- und Pädagogischen) Psychologie mit Fachdidaktikern und Vertretern der empirischen Erziehungswissenschaften. Ähnliche Konstellationen zeichnen sich auch für die von der KMK angeregten Ergänzungsstudie zu PISA (DESI) sowie die flächendeckende Mathematikuntersuchung in Rheinland-Pfalz (MARKUS) ab. Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Leitungsgremien von Schulvergleichsstudien wird von der Kommission als besonders wichtig erachtet, wobei ein spezifische Beitrag der Psychologie in der Grundlagenforschung zur Evaluation und in der Evaluationsfolgeforschung gesehen wird. Es wird weiterhin angemerkt, dass im Hinblick auf praktische Konsequenzen aus Vergleichsuntersuchungen die lokal verfügbare psychologische Kompetenz (etwa die von Schulpsychologen) aktiv bei der sich anschließenden Schulberatung genutzt werden kann und sollte.

 

(3) Es wird festgestellt, dass Sinn und Zweck der internationalen und nationalen

 

Vergleichsstudien für die breite Öffentlichkeit noch nicht hinreichend dargelegt sind. Eine Verengung der Fragestellung auf den reinen Schulleistungsvergleich scheint problematisch. Die Kommission plädiert für einen breiteren Ansatz, der die Erfassung fächerübergreifender Kompetenzen und von Aspekten sozialen Lernens vorsieht (wie er beispielsweise in der PISA-Studie und der dazu geplanten Ergänzungsstudie bereits umgesetzt wurde bzw. umgesetzt werden soll).

 

Als wichtige Aufgabe für die Zukunft wird die Konstruktion eines umfassenden

 

Rahmenmodells zur Qualitätssicherung angesehen (vgl. das Papier von Manfred Prenzel). Bei der Suche nach eindeutigen Qualitätskriterien sollte über den rein kognitiven Bereich hinausgegangen werden. Insgesamt sind komplizierte Wechselwirkungen zwischen sozio-emotionalen und kognitiven Merkmalen anzunehmen. Über unterschiedliche Formate von Vergleichsstudien (etwa über zusätzliche Videostudien für Teilstichproben) läßt sich Wissen darüber gewinnen, unter welchen Bedingungen sich diese Komponenten optimal ergänzen.

 

(4) Die Sichtung vorliegender Interventionsansätze im schulischen Bereich ergibt als

 

wesentliche Erkenntnis, dass neuerdings auch hier ein deutlich gesteigertes Aktivitätsniveau auszumachen ist (vgl. das Papier von Bettina Hannover). Es fehlt allerdings insgesamt noch an systematischen, fundierten Evaluationsansätzen. Die Kommission sieht hier eine große Chance der Psychologie, in Kooperation mit Wissenschaftlern der Didaktikfächer und empirisch orientierten Erziehungswissenschaftlern entsprechende Ansätze zu schaffen. Eine stärkere Vernetzung der verschiedenen Forschungsstränge wird als unabdingbar angesehen.

 

(5) Ein letztes zentrales Diskussionsthema stellte die Frage dar, ob zukünftige ein-

 

schlägige Studien zu Schulleistungsvergleichen und zur Qualitätssicherung am sinnvollsten an bestimmte Institutionen (etwa das MPI für Bildungsforschung, das IPN in Kiel oder das DIPF in Frankfurt) angebunden werden sollten. Diese vom Vorstand der Föderation ursprünglich als sehr wichtig deklarierte Frage der Einrichtung einer zentralen Institution wird von der Kommission eher als nachgeordnet eingestuft. Wenn der Trend zu weiteren Vergleichsstudien anhalten sollte, erscheint es vergleichsweise sinnvoller, die Infrastruktur zu verbreitern, was beispielsweise im Sinne der Nachwuchsförderung wichtig wäre. Je nach Fragestellung könnten unterschiedliche Konsortien aktiv werden. Die Kommission schließt sich in diesem Punkt einem Vorschlag der Herren Eckensberger und Zayer an (vgl. Anhang), der sich an der Schweizer Situation orientiert und im wesentlichen die Einrichtung einer Forschungs-Koordinationsstelle mit beschränkter Personal- und Finanzkapazität vorsieht. Diese Stelle sollte als Fachinstanz zum Leistungsvergleich von Schulen in der Wahrnehmung ihres umfassenden Bildungsauftrages verstanden und nicht mit einem Testinstitut für den Leistungsvergleich in ausgewählten Schulfächern gleichgesetzt werden. Als sensible und in weiteren Gesprächen zu klärende Punkte werden in diesem Zusammenhang der Finanzierbarkeitsaspekt und die Rolle der Landesinstitute (insbesondere auch das Problem der Länderhoheit) gesehen.

 

 

Prof. Dr. Wolfgang Schneider

Kommissionsvorsitzender

 

 

Der Anhang zum Schlußbericht der

Föderativen Kommission

\“Schulleistungsvergleiche\“ kann als PDF Datei heruntergeladen werden.

 

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