Mitteilungsdetail

Neues zur RPO

30.04.2002

Die Fachkommission diskutiert die Stellungnahme der DGPs

Gedächtnisprotokoll

der 5. Sitzung der Fachkommission Psychologie,

 

hier Tagesordnungspunkt 3

Beratung der Stellungnahme des Vorstandes der DGPs zum Entwurf der Rahmenordnung im Studiengang Psychologie an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen und der Erläuterungen

 

Gast: Prof. Dr. Claudia Dalbert, Schriftführerin der DGPs

Ort der Sitzung: Berlin

Datum: 11.4.2002

Zeit: 16.00 Uhr – 17.30 Uhr

 

Eingangs der Beratungen habe ich für die DGPs eine Stellungnahme zur RPO abgegeben. Einleitend habe ich festgehalten, daß die DGPs im Prinzip die Revision der RPO begrüßt und daß unser besonderes Anliegen ist, dazu beizutragen, daß am Ende eine RPO vorliegt, die den Bedenken der Institute und Fachgruppen Rechnung trägt und eine breite Zustimmung erfährt. Nur wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, wird es zu einer zügigen Anpassung der örtlichen Prüfungsordnungen kommen sowie zu einer Nutzung der Möglichkeiten, die die neue RPO einräumt. Das Besondere der neuen RPO ist, daß sie stärker als bisher eine Flexibilisierung und eine Profilbildung ermöglicht. Ich habe darauf hingewiesen, daß die DGPs hier für eine behutsame Profilbildung eintritt, die dem Umstand Rechnung trägt, daß die Studierenden wenig mobil sind. Im Kern soll also eine einheitliche Ausbildung im Diplomstudium Psychologie gewahrt werden.

 

Nachfolgend bin ich auf die zentralen Monita eingegangen. Wenn ich diese im folgenden beschreibe, nenne ich gleich die Kommentare und Diskussionsergebnisse:

 

1. Beschreibung der Fachgebiete und Berufsfelder

Hier habe ich nur andeutungsweise noch einmal darauf hingewiesen, daß es hier zu Unmut wegen der Ungleichwertigkeit der Beschreibungen auf gleich mehreren Dimensionen gekommen ist. Der Kommissionsvorsitzende Asendorpf hat beschrieben, daß zwischenzeitlich ein intensiver Austauschprozeß mit den Fachgruppen statt gefunden hat und daß alle Fachgruppensprecher nahezu pünktlich eine Fachgebietsbeschreibung abgeliefert haben. Vor vier Wochen hat er dann auch die Fachgruppen wegen Berufsfeldbeschreibungen angeschrieben, die ebenfalls zwischenzeitlich eingetroffen sind. Mehrere Mitglieder der Kommission haben eingeräumt, dass die Fachgebiets- und Berufsfeldbeschreibungen unzureichend waren und sich hierfür entschuldigt. Insgesamt darf davon ausgegangen werden, daß in diesen beiden Punkten unseren geäußerten Bedenken in vollem Umfang Rechnung getragen wird.

 

2. Die Zusammenfassung der allgemeinen Psychologie in nur ein Prüfungsfach

Hier habe ich vorgetragen, daß die KollegInnen der Allgemeinen Psychologie darauf hingewiesen haben, daß diese Zusammenlegung der Teilgebiete zu einem einzigen Prüfungsfach dem internationalen Trend entgegen läuft. Auch habe ich darauf hingewiesen, daß diese Zusammenlegung dazu führen kann, daß an einzelnen Instituten nur Teilgebiete der Allgemeinen Psychologie gelehrt werden. Dies hätte dann die unerwünschte Folge, daß die Einheitlichkeit des Vordiploms gefährdet wäre.

Zu diesem Punkt ist zwischenzeitlich ein konkreter Vorschlag der Fachgruppe Allgemeine Psychologie bei der Kommission eingegangen. Die Kommission will eine Änderung der RPO im Sinne dieses Vorschlags betreiben. Er läuft darauf hinaus, daß die einzelnen Teilgebiete der Allgemeinen Psychologie genannt werden und deutlich gemacht wird, daß die Allgemeine Psychologie in ihrer Breite geprüft werden muß. Darüber hinaus hat die Kommission darauf hingewiesen, daß für das Vordiplom 8 Prüfungen vorgesehen sind, von denen aber nur 6 Prüfungen (u.a. Allgemeine Psychologie) im einzelnen benannt wurden. Des weiteren kann eine Prüfung aus mehreren Prüfungsleistungen, also z.B. einer Klausur, einer mündlichen Prüfung usw., bestehen. Dies ermöglicht es den Instituten, die Allgemeine Psychologie in ihrer Breite zu prüfen. Ich habe noch einmal darauf hingewiesen, daß an dieser wie auch an weiteren Stellen unsere Sorge nicht ist, daß die neue RPO zu wenig Flexibilität zur Profilbildung bietet, sondern unsere Sorge an diesen Stellen mehr ist, daß auch weiterhin in wesentlichen Teilen eine Einheitlichkeit der Diplomausbildung gewährleistet ist. Hier wurde mir versichert, daß dies durch die Einarbeitung des Vorschlags der Fachgruppe Allgemeine Psychologie in die RPO für das Fach Allgemeine Psychologie gewährleistet sein wird.

 

3. Prüfungsfach „Methoden in Anwendungsgebieten“

Ich habe die Bedenken des Vorstand der DGPs und der beim Treffen in Frankfurt vertretenen KollegInnen vorgetragen, daß das Fach „Methoden in Anwendungsgebieten“ ein zu heterogenes Fach darstellt. Da es kaum jemanden geben wird, der dieses Fach in seiner Breite abdecken kann, besteht hier leicht die Gefahr der Verengung dieses Prüfungsfaches auf nur einzelne Teilaspekte. Dies wäre eine nicht zu wünschende Entwicklung, da ja gerade die Methodenkompetenz ein zentrales berufsqualifizierendes Merkmal unserer Absolventen ist. Auch läuft diese Zusammenlegung der verschiedenen Methodenfächer, hier insbesondere Diagnostik und Intervention auf der einen Seite sowie Forschungsmethoden und Evaluationsmethoden auf der anderen Seite, der erfolgreichen Etablierung dieser Fachgebiete entgegen. Ich habe dargestellt, daß es unser Anliegen ist, daß es hier in der Ausbildung nicht zu Einseitigkeiten kommt. Auch habe ich vorgetragen, daß die Fachvertreter darauf hingewiesen haben, daß das Label Evaluation im Zeugnis eine positive Bedeutung besitzt. Offensichtlich besteht ein breiter gesellschaftlicher Bedarf an EvaluationsexpertInnen, der durch diesen Nachweis befriedigt werden kann.

Auch diesen Bedenken will die Kommission Rechnung tragen. Angedacht ist hier, daß die einzelnen Untergebiete im Einzelnen aufgeführt werden und hier ganz klar deutlich gemacht wird, daß alle Teilgebiete gelehrt und geprüft werden müssen. In dieser Frage des Verpflichtungsgrades unterscheidet sich die Lösung bezüglich des Faches Methoden in Anwendungsgebieten von der Lösung für das Fach Allgemeine Psychologie. Die Lösung für das Fach Allgemeine Psychologie wird liberaler sein als die Lösung für das Fach Methoden in Anwendungsgebieten. Eine solche Lösung impliziert auch, daß im Zeugnis- Supplement die vier Teilgebiete des Faches an prominenter Stelle (etwa Gliederungspunkt zweiter Ordnung) genannt werden.

 

4. Basisfach Pädagogische Psychologie

Ich habe unsere Bedenken vorgetragen, daß hier eine nicht begründete Reduktion der Basisfächer erfolgt sowie keine Begründung für die Bevorzugung der Klinischen sowie der Arbeits- und Organisationspsychologie gegenüber der Pädagogischen Psychologie gegeben ist. Weiter habe ich darüber berichtet, daß es einen breiten Protest gegeben hat, der nicht nur von den Vertretern der Fachgruppe Pädagogische Psychologie getragen wurde, sondern vielmehr von den Instituten in ihrer Breite. Schließlich habe ich ausgeführt, daß dies weder der gesellschaftlichen Bedeutung des Faches, noch seiner wissenschaftlichen Inovationskraft oder den Berufschancen der AbsolventInnen der Pädagogischen Psychologie entspricht. Hier räumte die Kommission ein, daß die Pädagogische Psychologie in der RPO in jedem Fall gleichwertig mit der Klinischen Psychologie sowie der Arbeits- und Organisationspsychologie genannt werden wird. Aber die Kommission hält auch fest, daß sie künftig nur zwei Basisfächer vorschreiben wird. Die RPO bietet den Instituten ausreichend Flexibilität, ein drittes Basisfach vorzusehen, wenn sie dies wünschen. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt noch, ob die Formulierung, daß zwei Basisfächer aus den drei Fächern Pädagogische, Klinische sowie Arbeits- und Organisationspsychologie gewählt werden müssen, wobei ein Fach durch ein anderes ersetzt werden kann, bedeutet, daß die Institute alle drei Fächer vorhalten müssen oder nicht. Im Kern aber muß festgehalten werden, daß die Kommission dem Protest deutlich Rechnung tragen wird und die Pädagogische Psychologie hier gleichwertig mit den anderen genannten Basisfächern behandeln wird.

 

5. § 1 bis § 23

Hier hat Frau Garber von der KMK darauf hingewiesen, daß die Kommission keinen Einfluß auf die Gestaltung der § 1 bis 23 hat. Hier hat es, so ihr Bericht, immer wieder Versuche von Kommissionen gegeben, hier zu Änderungen zu kommen. Diese Versuche waren aber bisher erfolglos.

 

6. Verkehr, Recht und Psychotherapie

Die Kommission hat darüber informiert, daß es ihre Absicht war und ist, es den Instituten zu ermöglichen, wichtige Bausteine der theoretischen Ausbildung zum Psychotherapeuten beziehungsweise zur VerkehrspsychologIn in die Diplomausbildung herein zu holen. Hier geht es also darum, einer Dopplung theoretischer Ausbildungsbausteine entgegen zu wirken und eine hochwertige theoretische Ausbildung ohne Zusatzkosten an den Universitätsinstituten zu ermöglichen. Die Kommission geht davon aus, daß die von ihr gefundenen Formulierungen hier die Tür für ein einklagbares Recht öffnet, daß die entsprechenden Bausteine in den Ausbildungsgängen anerkannt werden und nicht gegen Gebührenzahlung bei privaten Instituten wiederholt werden müssen. Ich hab der Kommission gesagt, daß diese Absicht sehr zu begrüßen ist, aber das hier natürlich noch keine Rechtssicherheit gegeben ist. In diesem Zusammenhang habe ich darauf hingewiesen, daß die Rechtspsychologie sich hier eine gleichwertige Behandlung wünschen würde. Herr Zimmer hat darauf hingewiesen, daß die Rechtspsychologie noch nicht gesetzlich geregelt ist. Es konnte Einigkeit darüber erzielt werden, daß hier eine Formulierung gefunden wird, die es zukünftigen rechtlich verabschiedeten postgradualen

Ausbildungsgängen ermöglicht, eine Verankerung ihrer theoretischen Ausbildung im Rahmen des Diplomstudiengangs vorzunehmen. Insofern hat die Anregung der Fachgruppe Rechtspsychologie hier zu einer wichtigen Öffnung geführt. Zum Verständnis sei hier noch einmal angemerkt, daß jede künftige Änderung der RPO nicht mehr in der gewohnten Weise möglich ist, da zukünftig auch Diplomstudiengänge akkreditiert werden. Insofern erschien es allen Beteiligten besonders wichtig, hier zu den einzelnen Punkten Formulierungen zu finden, die einen langen Bestand der RPO gewährleisten.

 

7. Regelstudienzeit

Völlig überraschend für die Kommissionsmitglieder wie für mich hat sich das Problem ergeben, daß einzelne Bundesländer in ihren Stellungnahmen eine Regelstudienzeit von zehn Semestern ablehnen. Die Rechtslage ist so, daß wenn nur ein Bundesland die RPO ablehnt, sie insgesamt abgelehnt ist. Insofern ist den Bedenken der Länder hier in besonderer Weise Rechnung zu tragen. Die Implikationen der Verkürzung der Studienzeit wurden diskutiert. Ein Problem entsteht hier durch den geteilten Eindruck, daß Berufspraktika ein wichtiger Bestandteil des Studiums sind und das Berufspraktika mindestens drei Monate dauern müssen, um überhaupt sinnvoll zu sein. Dies zusammen mit der sechsmonatigen Diplomarbeit wirft bei einer neunsemestrigen Regelstudienzeit Probleme auf. Ich habe eingeräumt, dass wir auch eine Regelstudienzeit von neun Monaten problematisch finden, daß Berufspraktika aber vielleicht der vorgesehenen sechs evtl. auch nur drei Monate dauern können, dass wir die Meinung teilen, dass eine Verabschiedung der RPO von zentraler Wichtigkeit ist und daß in diesem Sinne den Bedenken der Länder Rechnung getragen werden muß. Schließlich wurden die Konsequenzen der Regelstudienzeit gemeinsam erörtert. Auf die Zuweisung von Sach- und Personalmitteln wird die Reduzierung der Regelstudienzeit um ein Semester vermutlich nur eine geringe Auswirkung haben (je nach Bundesländern unterschiedlich), da in die Berechnungen der Curricularwert, die Studierendenzahl in der Regelstudienzeit, die Absolventenzahl u.a. (wie gesagt nach Bundesländern unterschiedlich gewichtet) eingeht. Betroffen von der Veränderung der Regelstudienzeit ist ja nur der Parameter Studierende in der Regelstudienzeit, nicht aber der Curricularwert oder die Absolventenzahlen. Sehr wohl Auswirkungen wird die Veränderung der Regelstudienzeit auf die BAFÖG-Zahlungen haben. Allerdings hat hier Herr Zimmer darauf hingewiesen, daß durch die neun Monate experimentelle Diplomarbeit in vielen Fällen eine neuneinhalb semestrige Regelstudienzeit impliziert ist.

 

 

11.4.2002 gez. C. Dalbert

 

 

Voraussichtliches Inkraftreten

 

Die Fachkommission wird am 27.5. letztmals tagen. Dann erfolgt das Prüfungs- und Genehmigungsverfahren. Mit dem Inkrafttreten ist zu Beginn des WS 2002/03 zu rechnen.

 

 

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